Paris bei Nacht - ein Stillleben

17.10.2020 | 22:43 Uhr
Weil die Corona-Zahlen drastisch steigen, gelten in französischen Städten nächtliche Ausgangssperren. Einige suchen nach Wegen, sie zu umgehen, die Gastronomie klagt über Verluste.
Die Gastronomie beklagt sich über erwartete Einnahmenausfälle durch die Ausgangssperre.Quelle: reuters
Wegen der drastisch steigenden Corona-Zahlen gilt in Paris und anderen französischen Städten nun eine nächtliche Ausgangssperre. Sie gilt für mehrere Wochen zwischen 21 Uhr abends und 6 Uhr morgens. Zu dieser Zeit dürfen sich Menschen nur aus einem triftigen Grund vor der Tür aufhalten. Die neue Regelung trat in der Nacht zu Samstag um Mitternacht in Kraft.

Mehr als 30.000 Neuinfizierte an einem Tag

Frankreich kämpft seit Wochen mit steigenden Corona-Zahlen. Am Donnerstag wurden binnen 24 Stunden erstmals mehr als 30.000 neue Corona-Infektionen gemeldet. Besondere Sorge herrscht über die Auslastung der Intensivstationen in großen Städten wie Paris. Immer mehr Covid-19-Patienten belegen dort die Betten.
Das Pariser Innenministerium veröffentlichte am Freitagabend ein Formular, das jeder ausgefüllt bei sich tragen soll, der während der Ausgangssperre vor die Tür muss. Folgende Ausnahmen können unter anderem darauf angeben werden:
  • Arbeitsweg,
  • medizinische Notfälle,
  • Pflege von Angehörigen,
  • Betreuung von Kindern,
  • Weg zum Flughafen oder Bahnhof für Langstreckenreisen,
  • Gassigehen mit dem Hund im Radius von einem Kilometer zur Wohnung.

Geldstrafen für Verstöße

Wer sich nicht an die Beschränkungen hält, muss 135 Euro Strafe zahlen - für Wiederholungstäter können Tausende Euro fällig werden. 12.000 Polizisten sollen die Einhaltung der Regeln kontrollieren. Von den Ausgangssperren sind neben dem Großraum Paris die Städte Lille, Grenoble, Lyon, Aix-Marseille, Montpellier, Rouen, Toulouse und Saint-Etienne betroffen.
Gastronomen haben die Maßnahme massiv kritisiert. Sie mussten bereits im Frühjahr wochenlang schließen und beklagen nun wieder heftige Einnahmeverluste.
Es ist der Tod der Restaurants in Paris am Abend.
Frank Delvau
"In der Hauptstadt kommen die Leute um 21 Uhr im Restaurant an, wir essen hier nicht mit den Hühnern. Eine sehr große Mehrheit der Betriebe wird daher am Abend, gegen 18 Uhr, schließen", sagte der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands Umih Île de France, Frank Delvau, der Zeitung "Le Figaro".
Mit nächtlichen Ausgangssperren in Paris und anderen Metropolen verschärft Frankreich den Kampf gegen steigende Corona-Zahlen. Die neuen Beschränkungen gelten vom Samstag an.

Feiern vor der Ausgangssperre

Am Freitagabend nutzten Tausende Menschen noch die letzte Gelegenheit, um auszugehen: "Wir werden das so sehr genießen, wie wir nur können", sagte der 19-jährige Kurtys Magdelo. Er habe sich mit Freunden zu einer Tour durch mehrere Bars verabredet, danach sei ein nächtlicher Spaziergang entlang der Champs-Elysées geplant, fügte Magdelo hinzu.
Jérôme Vanger verbrachte den Abend im Restaurant: "Du musst es genießen, weil es das letzte Mal in sechs Wochen sein wird, oder vielleicht sogar noch länger." Doch auch wenn die Ausgangssperre Umfragen zufolge breite Zustimmung findet, wird auch sie wohl nicht jeden vom Feiern abhalten:
In Paris und den anderen Regionen mit höchster Corona-Warnstufe sind die Bars bereits geschlossen, in Restaurants gelten strengere Hygienemaßnahmen. Präsident Emmanuel Macron hatte die Ausgangssperren am Mittwochabend in einem TV-Interview verkündet. Trotz der besorgniserregenden Lage zeigte er sich zuversichtlich. "Wir werden es schaffen", sagte er. Man habe die Kontrolle nicht verloren.
Quelle: dpa, afp

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