Verbände befürchten Versorgungslücken

26.03.2020 | 07:36 Uhr
Handel und Landwirte kritisieren das Einreiseverbot für Erntehelfer. Der Handelsverband sieht in dem Entschluss womöglich sogar eine Diskriminierung laut Europarecht.
Obst- und Gemüsebauern in Deutschland fehlen Hunderttausende Erntehelfer.Quelle: dpa
Das Einreiseverbot für Saisonkräfte und Erntehelfer stößt in der Wirtschaft auf Kritik. Innenminister Horst Seehofer hatte den Einreisestopp "bis auf weiteres" verhängt, um die die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Handel warnt vor schwerwiegenden Folgen

Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnte vor schwerwiegenden Folgen der Entscheidung. Diese sei "natürlich für die Aufrechterhaltung der Lebensmittellieferkette eine sehr große Herausforderung", sagte ein HDE-Sprecher den Zeitungen der Funke Mediengruppe
Zwar habe die Gesundheit oberste Priorität, so der HDE, doch:
Nun müssten Lösungen gefunden werden, wie die Ernten zahlreicher Produkte ohne Saisonarbeitnehmer aus anderen Mitgliedstaaten eingebracht werden können.
HDE
Zudem müsse geprüft werden, ob es sich bei der Entscheidung um Diskriminierung handle, so der HDE. Diese Frage betreffe das Europarecht.
Derzeit sei deutschen Arbeitnehmern die Feldarbeit erlaubt, Saisonarbeitern aus anderen EU-Mitgliedstaaten, die einen Arbeitsvertrag mit einem deutschen Arbeitgeber hätten, jedoch nicht.

Versorgung mit Grundnahrungsmitteln nicht gefährdet

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, sagte der Funke-Mediengruppe, generell sei die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln nicht gefährdet.
Bei einzelnen Obst- und Gemüsesorten kann es abhängig von der Dauer des Einreisestopps durchaus zu Versorgungslücken kommen.
Joachim Rukwied, DBV
Der Sprecher des Innenministeriums geht bei den Saisonarbeitern und Erntehelfern von mehreren Hunderttausend Menschen aus, die von der Regelung betroffen sind. Zum möglichen Einsatz von Asylbewerbern als Erntehelfern gebe es derzeit vielfältige Überlegungen, so der Sprecher weiter.

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