Personalnot in Gesundheitsämtern "sehr groß"

13.10.2020 | 16:05 Uhr
Seit Einführung des Beherbergungsverbotes steigt die Nachfrage nach Corona-Tests. Die Vorsitzende des Bundesverbandes, Teichert, sieht die Gesundheitsämter am Limit.
Ute Teichert, Bundesvorsitzende der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, sieht die Gesundheitsämter im Kampf gegen Corona personell nicht ausreichen ausgestattet: "Die Gesundheitsämter haben nicht genügend Personal."
Nach einem kurzzeitigen Rückgang der nachgewiesenen Infektionen am Sonntag und Montag haben die Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut (RKI) am Dienstag wieder mehr als 4.000 neue Coronavirus-Fälle mitgeteilt.

Teichert: Personalnot in Gesundheitsämtern sehr groß

Insbesondere seit dem vergangene Woche zwischen fast allen Bundesländern und dem Bund vereinbarten Beherbergungsverbot lassen sich noch einmal mehr Menschen testen. Die Gesundheitsämter bringe das an die Belastungsgrenze, sagte die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitswesens, Ute Teichert, im ZDF.
Für Menschen aus Corona-Risikogebieten in Deutschlands gilt nun grundsätzlich ein bundesweites Beherbergungsverbot – außer sie haben einen frischen Negativtest.
Es sei zwar "ein gutes Signal, dass man erkannt hat, dass man kurzfristig weitere Hilfen in die Gesundheitsämter schicken muss". Doch aktuell sei die Personalnot "sehr groß".

Funktioniert die Konzentration auf Superspreader?

Während im sogenannten Lockdown im Frühjahr noch viele Helfer die Gesundheitsämter unterstützten, mussten diese nun an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Die personelle Ausstattung sei nun wieder so schlecht wie zuvor. Über die Teststrategie müsse man sich Gedanken machen, sagte Teichert.
Vom Gesundheitsexperten der SPD, Karl Lauterbach, kam der Vorschlag, die Testkapazitäten auf die sogenannten Superspreader zu konzentrieren. "Tatsächlich ist das Thema der Superspreader ein ganz wichtiger Punkt", sagte Teichert. Doch:
Man sieht den Leuten das nicht an. Ich kann vorher nicht wissen, ist jemand ein Superspreader oder nicht. Das bekomme ich erst durch die Ermittlungen heraus.
Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitswesens
Erst wenn jemand an einer Veranstaltung teilgenommen habe und es somit viele Personen im Umfeld gebe, die direkten Kontakt zu dem Menschen hatten, sei das ein Hinweis darauf, dass es sich um einen Superspreader handeln könnte. Somit sei diese Strategie schwierig umzusetzen.

Teichert: Aufwand für Gesundheitsämter bei Partygängern viel höher

Der Aufwand für die Gesundheitsämter sei zudem viel höher, wenn jemand Infiziertes auf einer Party war und dort "mit mehreren Hundert Menschen Kontakt" hatte.
Wichtig ist nicht nur, wie viele Neuinfektionen wir haben, sondern auch, wie viele Kontaktpersonen da dran hängen.
Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitswesens
Die Strategie des Testens müsse aber auf Bundesebene geändert werden. "Es macht keinen Sinn, wenn das Gesundheitsamt in München anders handelt als das Gesundheitsamt in Berlin oder in Düsseldorf", sagte Teichert. Sie plädiert für einheitliche Strategien, die zentral vom RKI geändert werden müssten.
Quelle: ZDF

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