Corona-Hilfen für Holocaust-Überlebende

17.10.2020 | 15:43 Uhr
Holocaust-Überlebende erhalten von der Bundesregierung eine pandemiebedingte Sonderzahlung. Darauf einigten sich das Finanzministerium und die jüdische Claims Conference.
Das Finanzministerium lobt die Vereinbarung als großen Erfolg der guten Zusammenarbeit mit der Claims Conference. Quelle: dpa
Holocaust-Überlebende sollen wegen ihrer Belastungen durch die Corona-Pandemie zusätzliche Hilfen von der Bundesregierung bekommen. Die Mittel von insgesamt mehr als einer halben Milliarde Euro sollen zum Teil noch dieses Jahr bereitgestellt werden, wie das Bundesfinanzministerium in Berlin auf Anfrage mitteilte.
Eine entsprechende Vereinbarung sei mit der sogenannten Conference on Jewish Material Claims Against Germany (kurz: Claims Conference) getroffen worden. Die Organisation setzt sich für die Entschädigung von Holocaust-Überlebenden weltweit ein.

Mehr als eine halbe Milliarde Euro sollen bereitgestellt werden

Vereinbart wurde demnach eine pandemiebedingte Sonderzahlung von 2.400 Euro über einen Zeitraum von zwei Jahren für diejenigen NS-Opfer, die bislang lediglich eine Einmalzahlung aus dem Härtefallfonds erhielten. Damit könnten weltweit nun etwa 240.000 Berechtigte einen entsprechenden Antrag bei der Claims Conference stellen. So würden insgesamt über eine halbe Milliarde Euro bereitgestellt.
Zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau erinnert eine Fotoausstellung an den Holocaust. Die Fotos wurden von dem Künstler Martin Schoeller in Israel aufgenommen.
Zudem wurde vereinbart, die Mittel für das bereits im März vereinbarte Homecare-Programm für Hilfen und Pflege in der häuslichen Wohnumgebung für das kommende Jahr um 30 Millionen auf dann 554 Millionen Euro aufzustocken.
Damit sollen die Pflegeagenturen vor Ort in die Lage versetzt werden, "kurzfristig passende Hilfen zu schaffen, um in der aktuellen kritischen Lage den Überlebenden bestmöglich helfen zu können". Der Bundestag muss den Vereinbarungen noch zustimmen.

Finanzministerium: "Deutschland steht auch in der Pandemie zu historischer Verantwortung"

Das Finanzministerium verweist darauf, dass die Corona-Pandemie auch Überlebende der NS-Diktatur "in besonders harter Weise trifft". Deutschland stehe mit den Hilfen auch in Zeiten der Corona-Krise "in besonderer Weise zu seiner historischen Verantwortung für die durch das NS-Unrechtsregime verfolgten Menschen".
Der Bundesregierung sei dabei bewusst, "dass das unermessliche Leid, das den überlebenden Opfern von NS-Unrecht zugefügt wurde, nicht durch Geld oder andere Leistungen aufgewogen werden kann", betonte das Ministerium.
Mittlerweile gibt es nur noch wenige Zeitzeugen des Holocaust. Dunja Hayali hat in ihrer Sendung mit einem Überlebenden und dem Sohn eines NS-Täters gesprochen.
Quelle: ZDF, AFP

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