"Impfkampagne dauert mindestens vier Jahre"

20.10.2020 | 08:44 Uhr
Die WHO rechnet mit einem Start der Impfungen gegen das Coronavirus zur Jahresmitte 2021. Ein Sachverständiger schätzt, dass eine Durchimpfung mindestens vier Jahre dauern wird.
Quelle: ReutersDie Welt wartet auf die Herstellung eines Corona-Impfstoffs.
Der ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Sachverständigenrats Gesundheit der Bundesregierung, Matthias Schrappe, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, er rechne damit, dass eine Impfkampagne gegen Corona mehrere Jahre dauern werde.

Vier Jahre bis Jahrzehnte, um alle zu impfen

In einer Modellrechnung seien seine Kollegen und er von 60 Millionen Menschen ausgegangen, die geimpft werden müssten, hieß es in dem Bericht. Wenn pro Arbeitstag 60.000 Impfdosen verabreicht würden, würde die Impfung aller 1.000 Arbeitstage dauern. "Also etwa vier Jahre", erklärt der Mediziner. Diese Rechnung sei aber wahrscheinlich noch zu optimistisch. Impfprogramme in der Vergangenheit - wie gegen Pocken oder Polio - hätten Jahrzehnte gedauert.
"Das ist ein komplizierter gesellschaftlicher Prozess", sagte Schrappe. Schon einen Konsens zu finden, wer zuerst geimpft werde, sei schwierig. "Das können nicht Ärzte entscheiden, dass muss die Politik regeln."
Die Impfstoff-Suche hat den wohl größten Wettlauf ausgelöst, den die Wissenschaft je gesehen hat. Am Ausgang des Rennens entscheidet sich, wer den Corona-Schutz zuerst bekommt.

Montgomery: Keine verfrühte Differenzierung wer geimpft wird

Der Vorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, rät von einer verfrühten Entscheidung ab, welche Menschen als erstes gegen Corona geimpft werden sollen. "Ich wäre dagegen, jetzt schon eine Subdifferenzierung vorzunehmen", sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Wichtig ist, überhaupt erst einmal Impfstoffe zur Verfügung zu haben.
Frank Ulrich Montgomery
Wer dann als erstes geimpft werden solle, hänge auch davon ab, welches Vakzin zur Verfügung stehe, sagte Montgomery. "Da die auf unterschiedlichen pharmakologischen Prinzipien beruhen, wird es welche geben, die zum Beispiel bei älteren Menschen nicht wirken oder nicht so sicher sind wie andere."
Quelle: AFP

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