Corona verschärft Krise der Kliniken

27.07.2020 | 16:08 Uhr
Die Corona-Krise hinterlässt auch bei den Krankenhäusern Spuren. Laut einer Studie rechnen fast 57 Prozent der Kliniken mit einem Defizit - doch die Krise war schon vorher da.
Während der Pandemie-Hochphase im März und April sank die Auslastung in den Kliniken.Quelle: Marijan Murat/dpa
Es war eine Vollbremsung, als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am 10. März die Kliniken aufforderte, alle planbaren Behandlungen und Operationen aufzuschieben.

Seit Mai bewegen sich die 1.900 deutschen Krankenhäuser schrittweise Richtung Normalbetrieb, öffnen sich wieder für die Versorgung anderer Patienten und fahren die Zahl der für Corona-Infizierte reservierten Intensivbetten herunter.
Allerdings hat Corona Spuren hinterlassen und die zuvor schon angespannte finanzielle Situation deutlich verschärft.

57 Prozent der Kliniken rechnen mit Verlusten

Fast sechs von zehn Kliniken (57 Prozent) rechnen für 2020 mit einem Defizit, im vergangenen Jahr schrieben noch 32 Prozent rote Zahlen. Besonders betroffen sind dabei die großen Häuser mit über 1.000 Betten: In dieser Gruppe rechnen sogar 72 Prozent mit Verlusten. Das jedenfalls sind die Ergebnisse der "Krankenhausstudie 2020" der Unternehmensberatung Roland Berger. Dafür wurden Klinikmanager der 600 größten Krankenhäuser befragt.
Hauptgrund ist die rückläufige Auslastung während der Pandemie-Hochphase im März und April. Hier sank die Belegung der Intensivstationen großer Krankenhäuser mit über 1.000 Betten um 27 Prozent, auf Normalstationen sogar um 37 Prozent.
Vielen Krankenhäusern drohen erhebliche finanzielle Einbußen.
Jedes ungenutzte Krankenbett und jede verschobene Operation verursachte Einnahmeausfälle. Deshalb hat die Bundesregierung Ende März einen Rettungsschirm für Krankenhäuser aufgespannt. Sie erhalten eine Pauschale von 560 Euro pro ausgebliebenem Patienten und Tag. Aus Sicht von 75 Prozent der Manager von großen Kliniken reicht das nicht aus. In Häusern mit weniger als 500 Betten sagen das nur die Hälfte der Manager.
Auch wenn keine Corona-Patienten mehr im Krankenhaus liegen: Das Virus ist noch nicht weg und Krankenhäuser leiden unter der Doppelbelastung.
Die Roland-Berger-Studie rät zu mehr Effizienz und mehr ambulanten und digitalen Angeboten. Häuser sollten sich in Verbünden organisieren, sich spezialisieren und Synergien entwickeln. Videosprechstunden und eine digitale Überwachung der Gesundheitswerte von Patienten könnten das wirtschaftliche Ergebnis verbessern.

Krankenhausverband schlägt neue Wege vor

Deutlich verändert hat die Pandemie auch die Debatte über die Krankenhauslandschaft. Noch im vergangenen Sommer hatte die Bertelsmann-Stiftung mit Blick auf die sehr hohe Krankenhausdichte eine Schließung Hunderter Kliniken gefordert. Davon halten die Unternehmensberater von Roland Berger wenig.
Ähnlich sieht das der Katholische Krankenhausverband Deutschlands (kkvd). Das dezentrale Krankenhaussystem habe sich bewährt und als Erfolgsfaktor erwiesen, erklärte Geschäftsführerin Bernadette Rümmelin:
Die Krankenhäuser waren jeden Tag offen, haben die Notfallversorgung der Bevölkerung sichergestellt und Corona-Patienten getestet und versorgt. In regionalen Netzwerken haben sie den örtlichen Maximalversorgern so den Rücken freigehalten.
Der kkvd schlägt vor, bei der Planung und Finanzierung von Krankenhausstrukturen neue Wege zu gehen. Würden die Kosten, die den Kliniken für die Krisenvorsorge entstehen, auskömmlich erstattet, wären Krankenhäuser nicht mehr gezwungen, Leistungsmengen zu steigern, so Rümmelin.
Quelle: Christoph Arens, KNA

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