Corona in Mittelamerika und der Karibik

von Steffanie Riess
02.04.2020 | 16:46 Uhr
Die Regierungen Mittelamerikas und der Karibik gehen unterschiedlich mit dem Virus um. Das könnte den Verlauf der Pandemie in den jeweiligen Ländern entscheidend beeinflussen.
Quelle: picture alliance / abacaIn Mexiko tragen Menschen jetzt Schutzmasken, wenn sie unterwegs sind
In der globalen Berichterstattung zum Coronavirus haben Mittelamerika und die Karibikregion bisher eine eher kleine Rolle gespielt. Das liegt an der vergleichsweise niedrigen Infektionsrate. Mit 1.215 (Stand 1. April) hat Mexiko die meisten Corona Infizierten in der Region. Im Umgang mit dem Virus zeichnen sich regionale Unterschiede ab.  

Mexiko spielt die Corona-Gefahr lange herunter

Auch wenn sie ideologisch nicht unterschiedlicher sein könnten, in seiner Antwort auf das Virus zeigt das Verhalten des mexikanischen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador, kurz AMLO, durchaus Parallelen zu seinem US-Kollegen Donald Trump.
In den USA steigt die Zahl der Infizierten rasant über 200.000. Und auch der Präsident spricht nicht mehr davon, dass das Virus wie durch ein Wunder einfach verschwinden wird.
Denn auch AMLO redete die Gefahr lange Zeit klein. Noch am 22. März streamt er live aus einem Restaurant und ermutigt die Menschen weiterhin auszugehen, ihr Leben ganz normal zu leben und die Wirtschaft am Laufen zu halten.
Trotz der Warnungen internationaler und nationaler Gesundheitsexperten hält der Präsident weiterhin Veranstaltungen, reist durchs Land und will auf sein Markenzeichen, die Umarmung der Menschen, die er unterwegs trifft, nicht verzichten.

Der bizarrste Moment ist wohl, als ein Reporter fragt, wie er Mexiko beschützen wolle, und AMLO zwei religiöse Amulette aus der Tasche zieht und sagt, sie seien sein Schutzschild.

Das neue Motto: #QuedateEnCasa ("Bleib zu Hause")

Nach heftiger Kritik aus der ganzen Welt hat Mexikos Präsident nun Präventivmaßnahmen eingeführt. Nicht systemkritische Angestellte im öffentlichen Dienst müssen nicht mehr zur Arbeit erscheinen, Veranstaltungen mit über 100 Teilnehmern wurden abgesagt.
Ein Problem ist allerdings, dass ein Großteil der mexikanischen Berufstätigen (60 Prozent) informellen Beschäftigungen nachgehen. Zu Hause zu bleiben, würde für sie bedeuten, nichts zu essen zu haben.
Bund und Länder wollen die Kontakt-Beschränkungen wegen der Corona-Krise noch bis zum 19. April verlängern, dann enden in den meisten Bundesländern die Osterferien. Eine Pflicht zum Tragen von Schutzmasken soll es vorerst nicht geben.
Hinzu kommt, dass López Obrador jahrelang die Gelder für das Gesundheitssystem kürzte, um ein Wahlversprechen einzuhalten: öffentliche Ausgaben zu drosseln. Bereits vor der Krise mangelte es an Ärzten, medizinischer Ausrüstung und Krankenhausbetten.

Die Corona-Pandemie kann Mexiko stark treffen

Angesichts all dieser Faktoren ist nicht nur davon auszugehen, dass die Dunkelziffer der Infizierten in Mexiko wesentlich höher liegt, als die knapp 1.000 offiziell erfassten Fälle, sondern auch, dass dem Land ein heftiger Verlauf der Pandemie bevorsteht.
Dr. Francisco Moreno Sanchez, der in Mexico City Coronapatienten behandelt und per Twitter versucht, die Bevölkerung zu sensibilisieren, sagte am Wochenende der New York Times:
Das wird so schlimm wie in Italien, oder schlimmer.
In Italien ist die Corona-Situation besonders dramatisch. Mehr als 10.000 Menschen sind bereits an den Folgen des Virus gestorben – das sind mit Abstand die meisten weltweit.

Kuba – Corona-Regeln nur schwer umsetzbar

Hände waschen ist oberstes Gebot in Zeiten von Corona. In Kuba, wo Seife notorisch knapp ist, ist das gar nicht so einfach. Viele Menschen verbringen einen guten Teil ihrer Tage auf der Suche nach und in Schlangen für Lebensmittel.
In der Hauptstadt Havanna leben die Menschen oft dicht gedrängt auf sehr engem Raum, denn Wohnraum ist knapp.
Um die Grundversorgung in Corona Zeiten ein bisschen zu erleichtern, hat die Regierung den Zugriff auf subventionierte Lebensmittel erweitert.

Corona-Präventivmaßnahmen in Kuba

Darüber hinaus sind Schulen und, seit ein paar Tagen auch Strände, geschlossen. Fernbusse und überregionale Züge haben den Verkehr eingestellt.

Die stärksten Maßnahmen wurden im Tourismussektor unternommen. Bereits seit dem 24. März ist Ausländern die Einreise verboten; die noch im Land befindlichen Touristen wurden nach und nach ausgeflogen. Doch die Präventivmaßnahmen kommen nur stockend in Gang. (186 bestätigte Infizierte, Stand: Mittwoch Nachmittag).

Kubanische Ärzte im Auslandseinsatz

Das kubanische Gesundheitssystem ist zwar leistungsfähiger als das anderer Länder der Karibikregion, aufgrund des US-Embargos aber auch chronisch unterversorgt und veraltet.
Dazu kommt, dass viele kubanische Ärzte außerhalb des Landes im Einsatz sind, derzeit beispielsweise in Italien. Bei der kubanischen Bevölkerung steigt derweil die Sorge, wie es um ihre eigene Versorgung bestellt ist.  

El Salvador ein positives Beispiel in Mittelamerika?

Ein Beispiel von proaktivem Handeln ist dagegen El Salvador. Noch bevor der erste Corona-Fall im Land gemeldet wurde, machte Präsident Nayib Bukele den Flughafen zu, eine Woche später, am 21. März, verhängte er eine 30-tägige Ausgangssperre. Nur eine Person pro Haushalt darf das Haus verlassen, um einkaufen zu gehen.
In einem der am dichtesten besiedelten Länder Mittelamerikas, mit einem schwachen Gesundheitssystem, könnten extreme Maßnahmen möglicherweise der einzig effektive Schutz sein (Stand Mittwoch Nachmittag: 32 bestätigte Infizierte).
Dennoch weckt das harte Durchgreifen des Präsidenten auch Bedenken. Was heute zur Seuchenbekämpfung sinnvoll ist, mag morgen eine Öffnung für antidemokratische Neigungen darstellen, so die Sorge.

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