Russland lässt weltweit ersten Impfstoff zu

11.08.2020 | 12:44 Uhr
Russland hat laut Präsident Putin einen Corona-Impfstoff zugelassen. Es ist weltweit der erste. Doch das Vorgehen widerspricht internationalen Standards - es bleiben viele Fragen.
Russlands Präsident Putin hat die Zulassung des laut ihm wirksamen Impfstoffs gegen das Coronavirus verkündet. Internationale Experten kritisieren das Vorgehen der russischen Behörden.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Dienstag die weltweit erste staatliche Zulassung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus bekanntgegeben.
Das russische Vakzin gegen das Coronavirus ist effektiv und bildet eine beständige Immunität.
Wladimir Putin laut der Agentur Interfax
Die Impfung soll ab dem 1. Januar in den Umlauf gebracht werden, wie russische Agenturen unter Berufung auf das Arzneimittelregister des Gesundheitsministeriums berichteten.
Eine seiner Töchter habe sich schon impfen lassen, sagte Putin. Zur Impfung sagte er: "Ich weiß, dass sie wirksam ist, dass sie eine dauerhafte Immunität gibt."
Russland ist mit der ersten staatlichen Zulassung eines Corona-Impfstoffs vorgeprescht. Warum es Putin damit so eilig hat, erklärt ZDF-Korrespondentin Phoebe Gaa aus Moskau.

Vorgehen widerspricht internationalen Standards

Der Impfstoff wurde vom staatlichen Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau entwickelt. Erst wenige Menschen haben ihn im Rahmen einer Studie erhalten.
Eine Zulassung vor dem Vorliegen der Ergebnisse großer klinischer Studien widerspricht dem international üblichen Vorgehen. So stellte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Vorfeld klar:
Jeder Impfstoff muss natürlich alle Versuchsreihen und Tests durchlaufen, bevor er genehmigt und ausgeliefert wird.
Weltgesundheitsorganisation

Paul-Ehrlich-Institut kritisiert mangelnde Prüfung

Es gebe klare Richtlinien für die Entwicklung von Impfstoffen. Eine reguläre Zulassung ohne die umfangreichen Daten aus einer Phase-III-Prüfung mit mindestens mehreren Tausend Probanden erscheine riskant, erklärte auch Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts.
In der Etappe könnten unter anderem mögliche seltene Nebenwirkungen detektiert werden. Die Zahl der Probanden betrage in der Regel mehrere Tausend bis Zehntausende.
Die Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus läuft auf Hochtouren. Die Forscher arbeiten mit unterschiedlichen Ansätzen.

Zulassung in Deutschland erst nach Abschluss aller Phasen

In Deutschland gibt es eine Zulassung erst nach Abschluss der letzten Phase. Russlands Gesundheitsminister Michael Muraschko erklärte, das Gamaleja-Institut und die Firma Winnopharm sollten das Medikament produzieren.
Zuerst sollen Lehrer und Ärzte geimpft werden. Nach Behördenangaben beginnt die Impfung noch im August oder im September. Der Stoff solle auch ins Ausland exportiert werden. Unabhängig von der Zulassung läuft in Russland eine dritte Testphase.

Tests an 50 Soldaten

Weltweit wird in mehr als 170 Projekten nach Corona-Impfstoffen gesucht und mehrere Forscherteams haben vielversprechende Zwischenergebnisse veröffentlicht. Allerdings rechnen Experten generell mit einem marktfähigen Impfstoff zumeist erst im kommenden Jahr.
Das Gamaleja-Institut hatte bereits im Mai mitgeteilt, einen Impfstoff entwickelt zu haben. Nach eigener Darstellung liefen die ersten Tests erfolgreich. Das Präparat wurde demnach an 50 Soldaten erprobt, die sich freiwillig gemeldet hätten.
Russland hat bislang aber keine wissenschaftlichen Daten zu dem Impfstoff für eine unabhängige Bewertung veröffentlicht. Kremlchef Putin hatte schon früh Druck bei der Entwicklung gemacht. Nach Angaben von Muraschko wird derzeit ein zweiter Impfstoff gegen Sars-CoV-2 klinisch getestet. Weitere sollen folgen.
Quelle: dpa, AFP

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