Schulen und 2. Welle: Das planen die Länder

von Marcel Burkhardt
29.06.2020 | 17:13 Uhr
Deutschland startet in die Sommerferien, doch viele Schüler und Eltern fragen bang, wie es im neuen Schuljahr weitergeht: Was, wenn "Normalbetrieb" wegen Corona nicht möglich ist?
Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) plädiert für einen Mix aus Präsenz- und Distanzunterricht nach den Sommerferien. "Wir leben mitten in der Pandemie", sagt sie Berlin direkt.
Jetzt erstmal nur noch Sonne, Spaß, Seele baumeln lassen: So der übliche Gedanke zu Beginn der Sommerferien. Doch was kommt dieses Jahr danach? Wie stellen sich die Schulen auf mögliche Corona-Neuausbrüche im Herbst auf? Wird das "Lernen zuhause" künftig besser unterstützt? Welche Pläne haben Bildungspolitiker dafür? ZDFheute hat in allen Bundesländern nachgefragt. Ein Überblick:

Niedersachsen

Niedersachsen sieht sich gut gerüstet für den möglichen Ernstfall. Zur Grundversorgung und als Schnittstelle zu anderen Lernplattformen dient laut Kultusministerium die landeseigene Bildungscloud, für die inzwischen mehr als 850 von interessierten 2.000 Schulen freigeschaltet seien. Über Fördermittel des Bundes ("Digitalpakt Schule") und des Landes sollen Schüler die für den Fernunterricht nötige Technik erhalten, wenn das Einkommen der Eltern hierfür nicht ausreicht.

Bremen

"Als bislang einziges Bundesland" arbeitet Bremen nach eigenen Angaben "schon lange flächendeckend mit dem Lernmanagement-System itslearning". Alle Schüler und Lehrer der öffentlichen Schulen haben Zugriff darauf. "An vielen Schulen hat der Unterricht digital deshalb schon sehr gut geklappt", heißt es aus dem zuständigen Senat. Eingebunden in das Lernsystem ist auch die Möglichkeit, per Videostream zu unterrichten.
Bund und Länder haben heute in wichtigen Bereichen ein einheitliches Vorgehen vereinbart: Maske und Abstand im Alltag, keine Großveranstaltungen bis Ende Oktober, aber Rückkehr zum Regelbetrieb der Schulen nach den Sommerferien.

Schleswig-Holstein

Das schleswig-holsteinische Rahmenkonzept für das kommende Schuljahr trägt den Titel "Ein Schuljahr im Corona-Regel-Betrieb". Darin enthalten ist ein detailliertes Digitalkonzept.

Hamburg

Aus der Hamburger Behörde für Schule und Berufsbildung heißt es kurz und bündig: "Der Fernunterricht wird konsequent weiterentwickelt, sowohl konzeptionell, durch die Entwicklung von digitalen Unterrichtsbausteinen wie auch durch Schulungen der Lehrkräfte." Parallel werde die digitale Ausstattung der Schulen erweitert.

Mecklenburg-Vorpommern

Für den Distanzunterricht steht allen Schulen das cloudbasierte Lernmanagementsystem "itslearning" zur Verfügung. Detaillierte Informationen zum künftig möglichen Mix aus Präsenz- und Distanzunterricht finden Schüler und Eltern hier.
Der nationale Bildungsbericht sieht bei der Digitalisierung in den Schulen Nachholbedarf. Außerdem lässt der Trend zu höherer Bildung in Deutschland etwas nach.

Brandenburg

Zu Beginn des nächsten Schuljahres werden dem Kultusministerium zufolge etwa die die Hälfte aller Schulen mit der "Schul-Cloud Brandenburg" arbeiten können. Zudem gibt es Millioneninvestitionen in digitale Infrastruktur und Geräte. Lehrer sollen zusätzlich verstärkt Weiterbildungen "zum Lernen und Lehren mit digitalen Medien" erhalten.

Berlin

Berlin macht den Schulen mit Blick auf möglichen Fernunterricht im nächsten Schuljahr klarere Vorgaben: Demnach sind wöchentliche Arbeitspläne Pflicht. Außerdem müsse jede Lehrkraft künftig zweimal pro Woche all ihre Schüler kontaktieren.

Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt reagiert auf den Umstand, dass dort - wie in allen anderen Bundesländern - während der wochenlangen Schulschließungen im Frühling viele Lehrer, Schüler und Eltern unzufrieden waren mit der Qualität des digitalen Unterrichts. "Die Schulen arbeiten unter höchst unterschiedlichen Technik- und Standortbedingungen", beschreibt das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-Anhalt die Lage. Bis zum kommenden Schuljahr sollen deshalb technische Systeme für den digitalen Unterricht konsequent verbessert werden.

Sachsen

Das sächsische Kultusministerium bewertet die bisherigen Erfahrungen mit dem Distanzunterricht kritisch. Zwar hätten sich viele Lehrer "sehr kreative digitale Lösungen einfallen lassen", um ihre Schüler mit Lerninhalten zu versorgen und im Austausch zu bleiben. "Doch muss man ganz klar sagen, dass die Lernzeit zu Hause den Präsenzunterricht an der Schule nicht ersetzen kann", so ein Ministeriumssprecher. Um die digitale Infrastruktur des sächsischen Bildungssystems zu verbessern, sollen bis 2024 insgesamt 250 Millionen Euro investiert werden.

Thüringen

Thüringen setzt auf das Angebot einer Schulcloud als Bindeglied zwischen Schülern und Lehrern im Distanzunterricht. War die Cloud zu Jahresbeginn nur an 25 Pilotschulen im Einsatz, so haben inzwischen rund zwei Drittel der Thüringer Schulen Zugang.
Lehrerin Anika Buche hat gerade ein Konzept für virtuelle Klassenräume erarbeitet, kurz darauf braucht dank Corona eine ganze Schule ihre Digitalkompetenz. Die 31-Jährige hat eine Initiative gegründet um anderen Schulen bei der Digitalisierung zu helfen.

Bayern

Das bayerische Kultusministerium spricht von einem durch die Corona-Pandemie bedingten "beträchtlichen Digitalisierungsschub" im Schulsystem. Mit dieser Dynamik soll es weitergehen durch Millioneninvestitionen in digitale Infrastruktur und durch das Bereitstellen von neuen Leihgeräten für Schüler und umfassende digitale Fortbildungen für Lehrer.

Baden-Württemberg

Bund und Land investieren mit Blick auf eventuell nötigen Fernunterricht insgesamt 130 Millionen Euro in Laptops und Tablets für Schüler. Im neuen Schuljahr sollen zudem neue Leitlinien für den Distanzunterricht gelten. Durch das Lernmanagementsystem Moodle und datenschutzkonforme Videokonferenzsysteme sei es jetzt schon möglich, flächendeckend qualitativ guten Digitalunterricht anzubieten.

Saarland

In der vergangenen Woche hat der saarländische Landtag grünes Licht gegeben für das 50 Millionen-Euro-Investitionsprogramm "Digitale Bildung jetzt!" In Zukunft sollen alle Schüler und Lehrer mit Rechnern ausgestattet werden, die auch im Distanzunterricht zum Einsatz kommen könnten. Zudem will das Kultusministerium "in die notwendigen zusätzlichen Weiterbildungen für Lehrkräfte investieren, um einen pädagogisch sinnvollen Einsatz der Technik sicherzustellen".

Rheinland-Pfalz

Das rheinland-pfälzische Kultusministerium arbeitet derzeit an Vorgaben für alle Unterrichtsszenarien im kommenden Schuljahr. Falls es zu erneuten Schulschließungen kommen sollte, können alle Schulen auf eine datenschutzkonforme Videoplattform zurückgreifen, um den Unterricht zu organisieren.

Hessen

Das hessische Kultusministerium wird seine Pläne für den Distanzunterricht in dieser Woche zunächst den Schulen präsentieren und im Anschluss Details veröffentlichen.

Nordrhein-Westfalen:

Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) wird in den nächsten Tagen ihre Pläne zum Digitalunterricht vorstellen. Vorabinformationen finden Sie hier.

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