Schulen und Kitas dicht - ein Überblick

14.03.2020 | 12:07 Uhr
Fast flächendeckend bleiben in Deutschland Schulen und Kitas dicht. Ein Überblick über die Regelungen in den Bundesländern.
Leeres Klassenzimmer.Quelle: Marijan Murat/dpa/Symbolbild/Archiv
Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, haben sich die Bundesländer dazu entschlossen, Schulen und Kitas vorerst zu schließen.
Baden-Württemberg macht von Dienstag an seine Schulen und Kindertagesstätten dicht - inklusive Osterferien bis zum 19. April. Polizisten, Pfleger, Ärzte, Busfahrer und Feuerwehrleute sollen bei der Kinderbetreuung unterstützt werden, damit die Infrastruktur weiter funktioniere, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Der Semesterstart an Hochschulen und Universitäten wird auf nach Ostern verschoben.
In Bayern bleiben Schulen und Kitas ebenfalls bis Ende der Osterferien am 19. April geschlossen, sagte Ministerpräsident Markus Söder. Für einige Kinder in Kitas und Schulen (Klasse 1 bis 6) soll eine Notfallbetreuung eingerichtet werden - und zwar für die Fälle, in denen nur ein Elternteil das Kind betreuen kann, aber zugleich in einem systemkritischen Beruf arbeitet, wie Ärzte, Polizisten oder Krankenpfleger.
Berlin will ab der nächsten Woche stufenweise seine Schulen und Kitas schließen. Die Schließungen sollen am Montag mit den Oberstufenzentren beginnen, wie die Senatskanzlei mitteilte. Ab Dienstag sind zudem alle Kitas dicht. Wie der RBB berichtet, dauern die Schließungen bis zum Ende der Osterferien am 19. April.
Brandenburg setzt den regulären Schulunterricht ab Mittwoch vorerst aus. Das teilte Ministerpräsident Dietmar Woidke nach einer Sondersitzung des Kabinetts mit. Der Schulbesuch sei weiter möglich, aber nicht mehr verpflichtend. Die Zeit am Montag und Dienstag können die Lehrkräfte laut Landesregierung nutzen, um Tages- und Wochenpläne für die Schüler zu erstellen. Lehrstoffe könnten so durchgearbeitet werden. Auch das Abitur sei nicht gefährdet, hieß es bei einer Pressekonferenz in Potsdam.
Bremen schließt ab Montag bis einschließlich 14. April Schulen und Kitas, teilte der Senat nach einer Sondersitzung mit. Für Beschäftigte im Gesundheitswesen, bei der Polizei und Feuerwehr soll es eine Notbetreuung für die Kinder geben.

Schulen und Kitas geschlossen - das sind die Folgen:

Warum solch drastische Maßnahmen?

Leeres KlassenzimmerQuelle: dpa
Die gegenseitige Ansteckung mit dem Virus soll so stark wie möglich eingeschränkt und seine Ausbreitung so möglichst verlangsamt werden. Es geht vor allem darum, dass immer genügend Behandlungskapazitäten auf Intensivstationen mit Beatmungsmöglichkeiten für die schwerwiegenden Fälle zur Verfügung stehen. Wenn sich zu viele auf einmal anstecken, könnte es zu Engpässen kommen.

Wie lange sollen die Schul- und Kitaschließungen dauern?

Das wird in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. Hamburg verlängert seine schon laufenden Frühjahrsferien erst einmal bis Ende März. Andere Länder machen ab kommender Woche die Schulen und Kitas für mindestens fünf Wochen zu. Je nach Ferienkalender überlappen sich Schließung und Osterferien oder die Ferien schließen sich direkt an die Schließung an. Wie lange der Bildungs- und Kitaausstand wirklich dauern wird, kann noch keiner genau sagen. Im Moment könne man nur einen Zeitraum bis Ostern überblicken, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek am Freitag. Ostersonntag ist am 12. April, das sind also fünf Wochen.

Wie viele Menschen sind betroffen?

In Deutschland gibt es laut Statistischem Bundesamt - einschließlich Berufsschulen - rund 43.000 Schulen mit elf Millionen Schülern und 820.000 Lehrern. Die ausfallende Kinderbetreuung wird vor allem die Eltern der rund 2,8 Millionen Grundschulkinder treffen und die Eltern von insgesamt rund 3,6 Millionen Kita-Kindern.

Sind auch Privatschulen betroffen?

Wenn es behördliche Anordnungen zur Schließung für Schulen gebe, dann betreffe das genauso die Privatschulen, hieß es am Freitag beim Verband Deutscher Privatschulverbände in Berlin. In Deutschland besuchen nach Angaben des Verbandes rund eine Million Schüler allgemein- und berufsbildende Privatschulen.

Was ist mit der Betreuung?

Hier wird noch über Möglichkeiten beraten. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sagte, es werde auch geprüft, welche Folgen es hat, wenn Menschen nicht mehr zur Arbeit kommen, weil sie ihre Kinder betreuen müssen - Bund, Länder und Kommunen seien gefordert. Die Länder versuchen Notbetreuungen auf die Beine zu stellen. Es geht dabei vor allem darum, dass Eltern in sogenannten kritischen Berufen, wie Polizei, Feuerwehr, Krankenpflege oder Rettungsdienst weiterhin zur Arbeit gehen können.

Großeltern sollten nicht bei der Betreuung einspringen - ältere Menschen zählen zur Risikogruppe, bei denen eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus eher zu einem schweren Verlauf führen kann. Deshalb rät die Regierung davon ab, Oma und Opa einzuspannen, wenn die Kita zumacht.

Wie sieht es mit Schul-Ersatzbetrieb im Internet aus?

Nur die wenigsten Schulen in Deutschland dürften bei einer Schließung in der Lage sein, auf das Internet auszuweichen. Zwar gibt es in den Bundesländern teilweise Online-Plattformen wie das System "mebis" in Bayern, die aber nicht für einen flächendeckenden Ersatz von geschlossenen Schulen ausgelegt sind. Andere Projekte wie die digitale Bildungsplattform "Logineo" in Nordrhein-Westfalen oder "ella" in Baden-Württemberg laufen nicht rund oder gelten als gescheitert. In Ländern wie Dänemark dagegen gibt es nationale Plattformen, die schon jetzt flächendeckend begleitend zum herkömmlichen Unterricht eingesetzt werden und bei einer Schließung der Schulen die größten Lücken schließen können.

Die "Schul-Cloud" - ein Projekt des Hasso-Plattner-Instituts an der Universität Potsdam - ist bislang noch in der Pilotphase. Schulen in Brandenburg, Thüringen und Niedersachsen arbeiten damit. Auf der Plattform können Texte Präsentationen und andere Dokumente online erstellt und abgespeichert werden, auch Gruppenarbeiten. Außerdem gibt es einen Messenger und andere Möglichkeiten, mit denen Lehrer und Schüler nach geltenden Datenschutzstandards kommunizieren können. Lehrer können Hausaufgaben online stellen, die dann im Netz bearbeitet und zu einem bestimmten Termin wieder zurückgesendet werden können. Das System unterstützt auch Feedback-Möglichkeiten und Benotungen und ermöglicht zumindest für die teilnehmenden Schulen schon heute einen Ersatzbetrieb.
Hamburg stellt den Schulbetrieb vorerst bis zum 29. Marz ein, ebenso den Regelbetrieb in den Kitas. Eine Verlängerung ist denkbar, hieß es. Eine Notbetreuung soll eingerichtet werden für Kinder unter 14 Jahren und Kinder mit Behinderungen. Auch die Hamburger Hochschulen stellen ab Montag den Regelbetrieb ein.
In Hessen schließen alle Kitas, Unterricht findet ebenfalls nicht mehr statt bis zum Ende der Osterferien am 19. April. Für eine begrenzte Betreuung sollen die Schulen offen bleiben - das gilt für Kinder, deren Eltern Berufe ausüben, die zur Bewältigung der Krise wichtig sind - etwa Mediziner, Pfleger, Polizei.
In Mecklenburg-Vorpommern bleiben von Montag an Schulen und Kitas flächendeckend geschlossen. Das verkündete Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) am Samstag am Rande einer Sondersitzung ihres Kabinetts.
In Niedersachsen bleiben von Montag an alle Schulen und Kindertagesstätten für vier Wochen geschlossen. Auch dort soll eine Notbetreuung für Kinder eingerichtet werden, deren Eltern in medizinischen Berufen arbeiten, aber auch bei Polizei und Feuerwehr, teilte die Landesregierung in Hannover mit. Die Schulen sollen nach den bisherigen Plänen am 20. April wieder öffnen. Abiturienten sollen allerdings schon am 15. April wieder an die Schulen kommen.
Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen bleiben Schulen und Kitas einschließlich der Osterferien bis 19. April geschlossen, wie Ministerpräsident Armin Laschet am Freitag mitteilte. Um insbesondere für Pflegekräfte, ärztliches Personal sowie Beschäftigte bei Polizei und Justiz die Kinderbetreuung sicherzustellen, öffneten die Schulen noch einmal am Montag und Dienstag, sagte er. Für Kindertagesstätten gelte ab Montag sogar ein Betretungsverbot. Ausnahmen würden vor Ort organisiert.
Alle aktuellen Entwicklungen verfolgen Sie in unserem Blog:
Rheinland-Pfalz schließt seine mehr als 2.500 Kitas und rund 1.600 Schulen bis Ende der Osterferien am 19. April, wie das Bildungsministerium mitteilte. Eine Notbetreuung werde vor Ort ermöglicht. Die ab Montag geplanten Prüfungen für das mündliche Abitur sollen erst in der Woche ab dem 23. März 2020 stattfinden.
Zuvor hatte bereits das Saarland angekündigt, ab Montag alle Schulen und Kindertageseinrichtungen zu schließen. Die Regelung gilt bis zum 26. April. Gesunde Lehrkräfte sollen in den Schulen weiterhin die Abschlussprüfungen vorbereiten. Schulmaterialien würden sowohl digital als auch in Papierform vorbereitet. Ministerpräsident Tobias Hans begründete die Maßnahme mit der Nähe zur französischen Nachbarregion Grand-Est, die besonders stark von dem Virus betroffen ist.
Sachsen will die die Schulpflicht ab Montag aussetzen. Der Plan sehe vor, dass ab Montag alle Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen oder anderweitig eine Betreuung absichern können, ihre Kinder nicht mehr in die Schule schicken, teilte das Kultusministerium mit. Unterricht werde nicht erteilt. "Eine Entscheidung, ab wann Schulen und Kitas bis zum 17. April komplett geschlossen werden, wird im Laufe der kommenden Woche getroffen", teilte das Kultusministerium mit.
In Sachsen-Anhalt werden Schulen und Kitas flächendeckend bis zum Ende der Osterferien am 13. April geschlossen. Für Notsituationen werde es Unterrichtsangebote geben. Eine Notbetreuung in Grundschulen, Horten und Kindertageseinrichtungen werde gesichert. Für alle Schüler solle es Möglichkeiten geben, die Abschlussprüfungen abzulegen.
Schulen und Kitas in Schleswig-Holstein bleiben von Montag an ebenfalls bis zum 19. April geschlossen, wie die Regierung mitteilte. Alle Abschlussprüfungen, insbesondere die Abiturprüfungen, werden auf die vorgesehen Alternativtermine nach den Osterferien verlegt. Kinder der Klassen eins bis sechs und Kitakinder werden weiterhin betreut, wenn deren Eltern in einem für die Versorgung wichtigen Beruf arbeiten.
Angesichts der steigenden Zahl an Infektionen mit dem Coronavirus beschloss Thüringen die Schließung von Schulen und Kitas ab Dienstag. Das teilte Bildungsminister Helmut Holter mit. Die Regelung gelte zunächst bis zum Ende der Osterferien am 19. April. Abschlussprüfungen würden wie geplant vorbereitet und zu den vorgesehenen Terminen durchgeführt.
Dürfen Eltern zuhause bleiben, wenn Schulen und Kitas wegen des Coronavirus schließen? Rechtsexpertin Sarah Tacke mit einer Einschätzung im Video:

Quelle: epd, reuters, dpa

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