Gibt es Chancen auf "normale" Weihnachten?

von Jan Schneider
13.11.2020 | 11:40 Uhr
Mitte November sind normalerweise die Pläne für Weihnachten schon gemacht. In diesem Jahr ist aber noch völlig unklar, wie das Fest ablaufen kann. Ein Überblick über die Optionen.
Quelle: dpaWie kann man mit seiner Familie in diesem Jahr Weihnachten feiern, ohne ein zu großes Risiko einzugehen?
Würde es im November gelingen, die Ausbreitung des Virus zu stoppen, könnten "wir mehr Freiheiten an Weihnachten haben". So hatte Kanzlerin Angela Merkel die neuen Corona-Beschränkungen angekündigt und gerechtfertigt.
Es solle "kein Weihnachten in Einsamkeit" werden. Nun geht die zweite Woche des neuen Teil-Shutdowns zu Ende, doch die erhoffte Eindämmung des Coronavirus lässt noch auf sich warten. Wie steht es also um unser Weihnachtsfest?

Was sagt die Wissenschaft zur Chance auf "normale" Weihnachten?

"Das Weihnachtsfest liegt noch im Bereich des Möglichen", meint Dr. Rafael Mikolajczyk vom Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik (IMEBI) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. "Aber die bisherige Verlangsamung der Epidemie ist dafür voraussichtlich zu gering."
Es deutet sich an, dass strengere Maßnahmen nötig wären, hierbei ist aber abzuwiegen, welches Gut man eher schützen will.
Prof. Dr. Rafael Mikolajczyk
Insgesamt habe man bessere Chancen, die Epidemie unter Kontrolle zu halten, wenn die Zahlen der Neuinfizierten erstmal geringer würden. Eine Entscheidung, welche Konsequenzen nun gezogen werden müssen, müssten aber "demnächst getroffen werden."
Der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, zeigte sich zwar optimistisch, dass die Fallzahlen nicht mehr so stark steigen, man müsse aber "noch ein paar Monate die Pobacken zusammenkneifen". Ob der Teil-Shutdown wirkt, würde man erst in ein paar Tagen sehen, da die Infektionszahlen des RKI durch Verzögerungen bei den Tests und lange Meldeketten nur den Stand vor etwa zwei Wochen abbilden.
Angesichts der hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen rechnet der Präsident des Robert-Koch-Instituts damit, dass Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen werden.

Wie geht die Politik mit der Frage nach Weihnachten in Corona-Zeiten um?

Viel Optimismus ist aktuell nicht zu hören: Kanzlerin Merkel stimmte die Bevölkerung weiter auf "schwere Wintermonate" ein. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht Veranstaltungen mit mehr als zehn bis 15 Personen wie etwa Weihnachtsfeiern "in diesem Winter nicht mehr".
Gesundheitsminister Spahn sieht keine großen Feiern im Winter aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens. Was das für die Weihnachtstage bedeutet berichtet Theo Koll aus Berlin.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte bei "Markus Lanz" im ZDF, dass es für Lockerungen noch überhaupt keinen Anlass gebe. Und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) erklärte bei "Maybrit Illner":
Wir sehen eine leichte Verbesserung, allerdings weniger, als wir erhofft haben.
Michael Kretschmer
Am Montag treffen sich die Ministerpräsidenten der Länder wieder mit der Kanzlerin, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Möglichkeit der Vorquarantäne fürs Weihnachtsfest?

Die große Sorge ist in diesem Jahr bei vielen, dass sie an Weihnachten ältere Familienangehörige oder Menschen mit Vorerkrankungen in Gefahr bringen. Diese Gefahr besteht natürlich auch, wenn sich nur Personen aus wenigen Haushalten treffen.
Ein Ausweg aus dieser Situation ist die sogenannte Vorquarantäne. Virologe Dr. Christian Drosten hatte dieses Konzept für Weihnachten bereits Anfang Oktober in einem Interview mit der "ZEIT" ins Gespräch gebracht: Demnach sollen "Menschen einige Tage, optimalerweise eine Woche, vor dem Familienbesuch mit Oma und Opa soziale Kontakte so gut es geht vermeiden." So könnte sichergestellt sein, dass man nicht mit dem Virus in Kontakt gekommen ist.
In Nordrhein-Westfalen wird in diesem Zusammenhang über einen früheren Start der Weihnachtsferien diskutiert, der Vorschlag wird allerdings von vielen anderen Bundesländern abgelehnt. Das Konzept setzt natürlich voraus, dass Menschen nicht beruflich gezwungen sind, Kontakt mit anderen zu haben.

Sind Antigen-Schnelltests die Lösung?

Ebenfalls diskutiert werden Corona-Schnelltests als Absicherung, die Familie an den Feiertagen nicht anzustecken. Diese Hoffnung dämpft der Virologe Martin Stürmer aus Frankfurt aber direkt: Die Antigen-Schnelltests sind aktuell nur für medizinisches Fachpersonal zu kaufen und sollen auch nur von diesem durchgeführt werden. "Die Sicherheit, nicht ansteckend zu sein, besteht nur für einen kurzen Zeitraum, basierend auf der reduzierten Sensitivität im Vergleich zur PCR-Testung."
Daher ist auch ein Test kurz vor Weihnachten beim Arzt keine Garantie dafür, am zweiten Feiertag nicht doch ansteckend zu sein.
Virologe Martin Stürmer
Sie sind besonders wichtig bei der Bekämpfung der Pandemie: Corona-Tests. Die werden jedoch knapp, wenn die Infektionszahlen steigen. Das RKI empfiehlt daher eine neue Strategie.

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