Was die weltweite Reisewarnung bedeutet

06.04.2020 | 11:16 Uhr
von Luisa Houben
Warum es sinnvoll ist, der Warnung zu folgen und wie Außenminister Maas Tausende Urlauber in der Corona-Krise nach Hause holen will.
Auswärtiges Amt: Weltweite Reisewarnung.Quelle: Auswärtiges Amt
Das hatte es bis zum 17. März 2020 noch nicht gegeben: Außenminister Heiko Maas hat eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen.
Sie gilt "für alle nicht notwendigen, touristischen Reisen ins Ausland". Es ist der "dringende Appell" des Auswärtigen Amts Reisen in egal welches Land zu unterlassen.
Reisewarnungen werden normalerweise nur bei einer "Gefahr für Leib und Leben" ausgesprochen, zum Beispiel für Bürgerkriegsländer wie Syrien, Afghanistan oder den Jemen.
Niemand ist nun gezwungen nach Deutschland zu zurückzureisen. "Eine Reisewarnung ist nur eine Warnung. Das heißt, man kann theoretisch weiter verreisen und man muss auch das aktuelle Zielland nicht unbedingt verlassen", erklärt Felix Zimmermann, ZDF-Rechtsexperte. Dem Appell des Außenministers folge zu leisten rät er trotzdem.

Zwei Gründe die Reisewarnung ernst zu nehmen:

1. Heiko Maas will mit dieser ungewöhnlichen Maßnahme verhindern, dass weitere Deutsche im Ausland stranden. Zahlreiche Länder haben ihren Grenzverkehr eingeschränkt oder Grenzen ganz geschlossen, viele Flugverbindungen wurden gestrichen.
Weil Deutschland inzwischen zu den Hauptrisikoländern gehört, sind deutsche Reisende besonders stark von den Einschränkungen betroffen. Das Risiko sei hoch, dass Rückreisen nicht mehr angetreten werden können, so das Auswärtige Amt.
2. Die Ausbreitung des Virus kann nur gestoppt oder zumindest verlangsamt werden, wenn jeder Einzelne so wenig Kontakt wie möglich zu anderen Menschen hat. Da es in Deutschland bereits viele Fälle gibt, soll die Reisewarnung verhindern, dass Deutsche das Coronavirus weltweit weiterverbreiten.

Diese Reisewarnung hat rechtliche Konsequenzen

Die Reisewarnung hat außerdem rechtliche Konsequenzen.
"Wenn Urlauber, die eine Pauschalreise gebucht haben, jetzt von ihrem Reisevertrag zurücktreten, bekommen sie viel einfacher den vollen Reisepreis zurückerstattet", erklärt Zimmermann.

Sie müssten nun keine Entschädigung an den Reiseveranstalter zahlen. "Das sind sogenannte außergewöhnliche Umstände, auf die sich die Reisenden jetzt berufen können."

Eine "Luftbrücke" soll Urlauber nach Hause holen

Außenminister Maas hat außerdem eine "Luftbrücke" eingerichtet . Der Begriff wird eigentlich im Zusammenhang mit der Versorgung von West-Berlin in der Nachkriegszeit verwendet.
Die "Luftbrücke" in Zeiten der Corona-Krise soll Deutsche zurückzuholen, die momentan im Ausland festsitzen, vor allem Urlauber in Marokko, Ägypten, der Dominikanischen Republik, den Philippinen und auf den Malediven.
Rund 180.000 wegen der Corona-Krise im Ausland gestrandete Deutsche wurden bereits vom Auswärtigen Amt und Reiseveranstaltern zurückgeholt. Doch Tausende sitzen immer noch fest, darunter einige in entlegenen Gebieten.

Rückholflüge in den nächsten Tagen

Die Rückholflüge sind angelaufen, die Regierung will bis zu 50 Millionen Euro dafür ausgeben.
"Wir bitten um Verständnis, auch wenn wir alles Menschenmögliche tun, dass wir nicht in jedem Fall eine 24-Stunden-Lösung vorhalten können," sagte Maas. In den ersten zwei Wochen wurden 187.000 Reisende aus 45 Ländern zurückgeholt.

Reisende, egal wo, sollen Kontakt zu ihrem Reiseveranstalter oder ihrer Fluggesellschaft aufnehmen und sich in die Krisenvorsorgeliste eintragen. Anhand von Namen, Aufenthaltsort und Kontaktdaten können Betroffene von der deutschen Auslandsvertretung an ihrem Reiseziel über Details und die weiteren Maßnahmen informiert werden.
Der Autorin auf Twitter folgen: @frauhou

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