Exklusiv

: Söder: "Ich hätte wahrscheinlich gewonnen"

von Stefanie Reulmann
01.08.2021 | 19:22 Uhr
CSU-Chef Markus Söder fordert im ZDF-Sommerinterview mehr Impfangebote für Kinder ab zwölf Jahren, und spricht über seine Rolle im Wahlkampf. "Ich bin der Antreiber", sagt Söder.
Söder fordert im ZDF mehr Rechte für Geimpfte und Impfangebote für Kinder ab 12 Jahren. Die Union fordert er auf, im Wahlkampf endlich mehr "Tempo und Power" an den Tag zu legen.
Auch im ZDF-Sommerinterview merkt man dem CSU-Chef an, dass er die Niederlage im Kampf um die Kanzlerkandidatur der Union noch nicht verwunden hat. Zwar gibt er sich Mühe, diesen Eindruck zu vermitteln, doch zwischen den Zeilen schwingt die Enttäuschung noch immer mit. "Ich hätte wahrscheinlich gewonnen, wenn ich so eine harte Auseinandersetzung gemacht hätte, hätte ich knapp gewonnen. Das hätte aber nicht getaugt für einen guten Wahlkampf", betont Markus Söder. Nun sei er "damit fein", "es ist abgeschlossen".

Söder: Union muss "offensiv" werden

Die sinkenden Umfragewerte der Union bereiten dem CSU-Chef aber Sorgen. Doch er betont: "Ich glaube nicht, dass das an mir liegt." Seine persönlichen Werte seien gut. Schuld sei der Wahlkampf, den er als "seltsam" empfinde und der so dahin plätschere. Die Union müsse aufpassen, sagt Söder, dass es nicht plötzlich "eine Mehrheit für eine Ampel" gebe, die nach den jetzigen Umfragen "hochwahrscheinlich" sei.
Markus Söder nutzt das ZDF-Sommerinterview erneut zur Attacke - oder wie er sagt, zum Antreiben von Armin Laschet. Im Machtkampf hätte Söder „wahrscheinlich gewonnen“ - wenn er eine harte Auseinandersetzung gesucht hätte.
Statt der entscheidenden Fragen stünden Nebensächlichkeiten im Vordergrund. Das müsse man dringend ändern, mahnt Söder. Die Union dürfe nicht nur von den Fehlern Anderer profitieren, sondern müsse endlich selbst "offensiv" werden, fordert der CSU-Chef. Deshalb presche er oft voran, wie etwa bei der Testpflicht oder jetzt bei der Abschaffung kostenloser Tests. Der Wahlkampf brauche "mehr Tempo und Power", sagt er, und "ich bin der Antreiber".
Die ZDF-Sommerinterviews 2021

Christian Lindner (FDP)

Sehen Sie hier das ZDF-Sommerinterview mit FDP-Chef Christian Lindner in voller Länge.
Der FDP-Chef fordert im ZDF-Sommerinterview von der Bundesregierung, die "moralische Verantwortung" in Afghanistan zu übernehmen und schnell zu evakuieren.

Robert Habeck (Grüne)

Sehen Sie hier das ZDF-Sommerinterview mit Grünen-Co-Chef Robert Habeck in voller Länge.
Grünen-Chef Robert Habeck fordert im ZDF-Sommerinterview mehr Rechte für Geimpfte und betont darüber hinaus die Dringlichkeit beim Klimaschutz und in der Flüchtlingspolitik.

Markus Söder (CSU)

Sehen Sie hier das ZDF-Sommerinterview mit CSU-Chef Markus Söder in voller Länge.
Söder fordert im ZDF mehr Rechte für Geimpfte und Impfangebote für Kinder ab 12 Jahren. Die Union fordert er auf, im Wahlkampf endlich mehr "Tempo und Power" an den Tag zu legen.

Armin Laschet (CDU)

Sehen Sie hier das ZDF-Sommerinterview mit CDU-Chef Armin Laschet in voller Länge.
Mehr Freiheiten für Geimpfte lehnt Unionskanzlerkandidat Laschet im ZDF-Sommerinterview ab. Er spricht sich gegen eine Impfpflicht und gegen einen vorgezogenen Kohleausstieg aus.

Jörg Meuthen (AfD)

Sehen Sie hier das ZDF-Sommerinterview mit AfD-Sprecher Jörg Meuthen in voller Länge.
Hat der Klimawandel die Hochwasserkatastrophe in Deutschland verstärkt? AfD-Chef Jörg Meuthen hält das für unklar. Solche Unwetter habe man manchmal im Sommer, sagt er im ZDF.

Janine Wissler (Linke)

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Kümmert sich die Linke zu sehr um "Lifestyle"-Themen wie Gendersternchen? Im ZDF-Sommerinterview sagt Parteichefin Janine Wissler: Das ist nicht der Grund für das Tief der Partei.

Frank-Walter Steinmeier

Sehen Sie hier das ZDF-Sommerinterview mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in voller Länge.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Sorge, dass der Bundestagswahlkampf eine Schlammschlacht werden könnte. Sehen Sie hier das ganze ZDF-Sommerinterview mit Steinmeier.

Mehr Impfangebote für Schüler

Dieser Rolle ist Söder auch bei der Testpflicht für Reiserückkehrer nachgekommen, die seit heute gilt. Erst nach langem Ringen hat die Bundesregierung diese beschlossen. "Mich ärgert es", sagt Söder, "ich habe da auch nochmal Druck gemacht. Das war wirklich notwendig und hat jetzt auch gewirkt."
Die Stiko empfiehlt die Corona-Impfung für Kinder bislang nur für Risikogruppen. Die Gesundheitsministerkonferenz will nun wohl die Impfung für Kinder und Jugendliche beschließen.
In vielen Bundesländern naht bereits das Ende der Sommerferien. Nun müsse der Schulstart gut vorbereitet werden, mahnt der bayerische Ministerpräsident im Sommerinterview. Dazu gehörten Maskenpflicht, drei Tests pro Woche und Luftreiniger, aber auch das Impfen. Deshalb drängele er seit Wochen, dass "wir ein stärkeres Impfangebot für Schüler bekommen", sagt Söder.

Söder will mehr Rechte für Geimpfte

Das Thema soll morgen von den Gesundheitsministern der Länder besprochen werden, unabhängig von der Empfehlung der Stiko. Die Sächsische Impfkommission hatte bereits vor wenigen Tagen eigenständig die Impfung für Kinder ab zwölf Jahren empfohlen.
Auch Söder spricht sich dafür aus. Ziel der vermehrten Impfung von Kindern sei die Vermeidung von Quarantäne, denn das bedeute eine Schulschließung "durch die Hintertür" und "das wollen wir nicht", betont er.
CSU-Parteichef Markus Söder spricht sich für mehr Freiheiten für Geimpfte aus. Im ZDF-Sommerinterview verwies er dabei auf die Verfassung.
Er spricht sich ebenso wie CDU-Chef Armin Laschet gegen eine Impfpflicht aus. Im Gegensatz zu Laschet fordert Söder jedoch mehr Rechte für Geimpfte. Es gehe darum, "prioritär die Rechte derer herzustellen, die zweimal geimpft sind", betont er.
Wer zweimal geimpft sei, stelle "kaum mehr eine Gefahr für sich und andere dar", so Söder. Das sei "keine Ausgrenzung der Nicht-Geimpften, sondern eine Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Rechte der vollständig Geimpften", betont er.

Söder: Wird "viel von Klimaschutz geredet"

Neben der Pandemie ist der Klimaschutz "eine zentrale Aufgabe". Söder spricht sich erneut für einen schnelleren Kohleausstieg und einen Ausbau der Elektromobilität aus. Sein Land werde mindestens eine Milliarde Euro zusätzlich für den Klimaschutz ausgeben, betont der bayerische Ministerpräsident. Es werde zwar "viel von Klimaschutz geredet", aber am Ende gehe es immer auch um monetäre Fragen.
Wenn man nichts ausgibt, wird es auch schwerer.
Markus Söder
Was den Ausbau von Windenergie anbelangt, liegt Bayern wegen der großen Abstandsregeln weit hinten, das räumt auch Söder im Sommerinterview ein. Da habe sein Land jetzt nachgebessert. Es sei aber wichtig, dass Klimaschutz "mit den Bürgern" passiere und "nicht gegen sie", sagt er.

22. August: Olaf Scholz, SPD

Der SPD-Kanzlerkandidat stellt sich am 22. August den Fragen von Shakuntala Banerjee.

Quelle: Fabian Sommer/dpa

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