: "Ciao David": Abschied mit Staatsbegräbnis

14.01.2022 | 17:44 Uhr
"Ein Mann der Ideale": Mit einem feierlichen Staatsbegräbnis haben Politiker aus Italien und der EU in Rom Abschied vom verstorbenen EU-Parlamentspräsidenten Sassoli genommen.
Der Sarg des verstorbenen EU-Parlamentspräsidenten Sassoli in der Basilika Santa Maria degli Angeli e dei Martiri.Quelle: Reuters
Die Europäische Union und Italien haben am Freitag Abschied vom verstorbenen EU-Parlamentspräsidenten David Sassoli genommen. An der Trauerfeier in Rom nahmen Spitzenpolitiker wie der italienische Präsident Sergio Mattarella und Regierungschef Mario Draghi sowie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel teil.
Der Sarg Sassolis war während der Trauerfeier in eine Flagge der Europäischen Union gehüllt. Er wurde von einer Ehrengarde in die Basilika Santa Maria Degli Angeli e dei Martiri eskortiert.
Die Ehrengarde eskortiert den Sarg von Sassoli in die Basilika. Quelle: AP

Sassoli kein Mann der "Ideologien, sondern Ideale"

An der Trauerfeier durften wegen der Corona-Regeln nur 300 Menschen teilnehmen, für Deutschland wollte die Präsidentin des Deutschen Bundestages, Bärbel Bas (SPD), dabei sein. Die Trauerfeier wurde aber live im Fernsehen übertragen, Titel der Sendung war "Ciao David". Der Bischof von Bologna, Kardinal Matteo Zuppi, leitete die Trauerfeier für den Katholiken Sassoli.
Wir behalten alle sein fast schon schüchternes Lächeln im Herzen.
Kardinal Zuppi
"Für ihn musste die Politik dem Gemeinwohl dienen", sagte Kardinal Zuppi in seiner Predigt. "Deshalb wollte er ein geeintes Europa mit seinen Grundwerten, und er setzte sich dafür ein, dass seine Institutionen gut funktionieren. Keine Ideologien, sondern Ideale. Kein Kalkül, sondern eine Vision."
Mit einem Staatsbegräbnis haben Spitzenpolitiker aus Italien und Europa Abschied vom verstorbenen EU-Parlamentspräsidenten Sassoli genommen. Quelle: dpa

Tochter zitiert aus Weihnachtsbotschaft von Sassoli

Sassolis Tochter Livia zitierte aus der Weihnachtsbotschaft ihres Vaters in seiner Funktion als EU-Parlamentspräsident, die er wenige Tage vor seinem letzten Krankenhausaufenthalt verfasst hatte. In dieser Botschaft hatte er beklagt, dass Europas "Grenzen in einigen Fällen zu Grenzen zwischen dem, was moralisch ist, und dem, was unmoralisch ist, zwischen Menschlichkeit und Mangel an Menschlichkeit" geworden seien. 
Sassoli kritisierte mit diesen Worten keine spezifischen Situationen oder Politik, aber sein Bezug auf die europäische Haltung gegenüber Migranten war offensichtlich.
Der Präsident des Europaparlaments, David Sassoli, ist tot. Der 65 Jahre alte Italiener sei am frühen Dienstagmorgen in einem Krankenhaus gestorben, sagte sein Sprecher.

Sassoli starb mit 65 Jahren

Am Donnerstag hatten schon mehrere tausend Menschen die Gelegenheit genutzt, dem auf dem Kapitol in Rom aufgebahrten Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen.
Der frühere italienische Journalist und langjährige Europaabgeordnete war am Dienstag im Alter von 65 Jahren in einem italienischen Krankenhaus gestorben. Er war dort nach Angaben seines Sprechers seit mehr als zwei Wochen "wegen einer schweren Komplikation aufgrund einer Funktionsstörung des Immunsystems" in Behandlung.
Die Spitze des EU-Parlaments hatte nach Sassolis Tod kommissarisch die bisherige Vize-Präsidentin Roberta Metsola aus Malta übernommen. Sie gilt auch als Favoritin für seine Nachfolge, die Wahl ist für kommenden Dienstag angesetzt. Sollte Metsola erwartungsgemäß an die Spitze des EU-Parlaments gewählt werden, dann wird sie die jüngste Präsidentin in der Geschichte der Volksvertretung. Bisher hatten mit Nicole Fontaine und Simone Veil nur zwei Frauen und 28 Männer den Vorsitz inne.
So bestürzt reagierten Politiker und Freunde auf seinen Tod :
Quelle: AFP, dpa, AP