: Schweden: Erdogan-Puppe empört Türkei

13.01.2023 | 20:55 Uhr
Die Türkei zeigt sich nach einer kurdischen Demo in Stockholm, bei der eine Erdogan-Puppe aufgehängt wurde, empört. Ankara droht Schweden, den Antrag auf Nato-Beitritt abzulehnen.
Demonstranten hängten in Stockholm eine Erdogan-Puppe in Erinnerung an den italienischen Diktator Mussolini auf - das führt zu neuen Spannungen zwischen Schweden und der Türkei.Quelle: Reuters
Neuen Zwist zwischen der Türkei und Schweden hat eine Protestaktion mit einer an den Füßen aufgehängten Erdogan-Puppe im Zentrum von Stockholm verursacht. Die türkische Regierung bestellte als Reaktion darauf den schwedischen Botschafter ein und strich einen geplanten Besuch des schwedischen Parlamentspräsidenten Andreas Norlén in Ankara.
Schwedens Weg in die Nato, den die Türkei seit Monaten blockiert, ist damit um eine Hürde reicher geworden. Als Reaktion auf Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hatte Schweden im Mai 2022 gemeinsam mit Finnland die Aufnahme in die Nato beantragt.

Ankara droht Schweden erneut mit Blockade von Nato-Beitritt

Der Prozess hängt derzeit nach wie vor an einer Blockade der Türkei fest. Ankara wirft besonders Schweden unter anderem vor, nicht entschieden genug gegen Personen und Gruppierungen vorzugehen, die Ankara "terroristisch" nennt. Gleiche Vorwürfe macht Ankara aber auch immer wieder etwa Deutschland oder Frankreich, beides Nato-Partner.

Es sei zu erwarten, dass der türkische Präsident Erdogan die Ratifizierung des Nato-Beitritts von Schweden und Finnland "als innenpolitisches Faustpfand behalten wird", sagt ZDF-Korrespondent Florian Neuhann.

30.11.2022 | 03:05 min
"Die PKK und YPG legen Schweden Minen auf den Weg zur Nato-Mitgliedschaft. Es liegt nun an Schweden, ob es diese Minen räumt oder wissentlich darauf tritt", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Donnerstagabend zu der umstrittenen Aktion in Stockholm. 
Damit machte Cavusoglu Anhänger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der syrischen Kurdenmiliz YPG, die Ankara als Ableger der PKK betrachtet, für den Vorfall verantwortlich. Man werde Schwedens "Erwartungen nicht nachkommen, solange so etwas vor sich geht", sagte er.

Erdogan-Puppe sollte an Mussolini-Leiche erinnern

Die Protestaktion hatte sich in Blicknähe des Stockholmer Rathauses zugetragen. Fotos in den sozialen Medien zeigten, dass dort eine dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ähnelnde Puppe an den Füßen aufgehängt wurde.
Dahinter steckten offenbar Aktivisten einer schwedischen Organisation, die sich selbst als "ein Netzwerk für Solidarität und Austausch mit der revolutionären Bewegung in ganz Kurdistan" bezeichnet. Sie wollten Erdogan damit in die Nähe des faschistischen italienischen Diktators Benito Mussolini rücken, dessen Leiche 1945 kopfüber in Mailand aufgehängt worden war.

Bisher blockiert die Türkei die Nato-Mitgliedschaft Schwedens. Der schwedische Außenminister Tobias Billström deutet im ZDF-Interview nun Zugeständnisse an die Türkei an.

10.11.2022 | 05:25 min

Türkische Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen ein

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, leitete die türkische Staatsanwaltschaft auch Ermittlungen ein, nachdem ein Anwalt Erdogans Strafanzeige eingereicht hatte. Andreas Norléns für nächste Woche geplanter Besuch in Ankara wurde abgesagt.
In Stockholm äußerte man Verständnis für die türkische Reaktion. Norlén sagte am Freitag dem Rundfunksender SVT:
Ich verstehe, dass man von türkischer Seite scharf darauf reagiert, was in Stockholm passiert ist. Ich selbst habe ein tiefes Unbehagen gefühlt.
Andreas Norlén, schwedischer Parlamentspräsident
Er habe sich auf den Besuch im türkischen Parlament gefreut und werde nun stattdessen mit seinem türkischen Amtskollegen telefonieren.

Stockholm sieht Aktion als Sabotage gegen Nato-Beitritt

Auch Ministerpräsident Ulf Kristersson verurteilte die Aktion. Gerade in einem Land wie Schweden, in dem führende Politiker bereits zweimal ermordet worden seien, müsse man so etwas äußerst ernst nehmen. Er verstehe die türkische Wut über den Vorfall, sagte Kristersson weiter.
Seine Regierung hätte genauso reagiert, hätte sich eine solche Aktion in einem anderen Land gegen führende schwedische Politiker gerichtet. Mit Blick auf Schwedens Antrag für einen Nato-Beitrag sagte er, es handle sich um "Sabotage" der schwedischen und finnischen Anträge - mit dem ausdrücklichen Ziel, die Mitgliedschaften zu verhindern.
Quelle: dpa

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