: Verbot von Touristenvisa für Russen gefordert

09.08.2022 | 18:25 Uhr
Estland und Finnland haben dazu aufgerufen, keine Touristenvisa mehr an Russen zu vergeben. Das Thema soll Ende August bei einem Treffen der EU-Außenminister besprochen werden.
Einige EU-Länder wie Estland geben bereits keine Visa mehr für Russen aus.Quelle: Pavel Golovkin/ap
Die Regierungen von Estland und Finnland haben andere europäische Länder zu einem Verbot von Touristenvisa für Russen aufgefordert. Es sollte Menschen aus Russland nicht gestattet sein, in Europa Urlaub zu machen, während Russland in der Ukraine einen Krieg führt, argumentierten die Regierungschefinnen von Estland, Kaja Kallas, und Finnland, Sanna Marin. "Europa zu besuchen ist ein Privileg, kein Menschenrecht", schrieb Kallas am Dienstag bei Twitter.
Tweet der Regierungschefin von Estland
Marin hatte dem finnischen Sender YLE am Montag gesagt, es sei ein Unding, dass trotz des "brutalen Aggressionskriegs in Europa" Menschen aus Russland "ein normales Leben leben, in Europa reisen, Touristen sein können".

Medwedew droht Kallas bei Twitter

Die EU hat nach dem Beginn des russischen Kriegs in der Ukraine den Luftverkehr aus Russland verboten. Doch ist es noch möglich, von Russland aus auf dem Landweg nach Estland und Finnland zu reisen, die auch zur EU gehören. Von dort aus fliegen Russen offenbar zu anderen Zielen in Europa. Einige EU-Länder geben bereits keine Visa mehr für Russen aus, darunter Lettland. Über das Thema soll YLE zufolge bei einem Treffen der EU-Außenminister am 31. August gesprochen werden.
Der frühere russische Präsident und enge Verbündete des aktuellen Staatschefs Wladimir Putin, Dmitri Medwedew, wies den Tweet von Kallas am Dienstag mit einer Drohung in den sozialen Medien zurück:
Ich will sie nur an eine andere Redewendung erinnern: 'Die Tatsache, dass ihr frei seid, ist nicht euer Verdienst, sondern unser Fehler.'
Dmitri Medwedew
Tweet von Dmitri Medwedew
Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, die Länder, die so etwas wie das Verbot für Touristenvisa auf den Tisch legten, seien normalerweise solche, die von Russland als "feindlich" eingestuft worden seien. "Viele dieser Länder geraten in ihrer Feindseligkeit in Vergessenheit", teilte Peskow mit. "Ich denke, mit der Zeit wird der gesunde Menschenverstand irgendwie zum Ausdruck kommen, und diejenigen, die solche Aussagen gemacht haben, werden zur Vernunft kommen."

Beim Nato-Gipfel in Madrid habe „jeder am Tisch“ verstanden, dass die Bedrohung durch Russland real ist, sagt die estnische Premierministerin Kaja Kallas. Die Ergebnisse des Gipfels und insbesondere die Verstärkung der Ostflanke bezeichnet sie als Erfolg.

01.07.2022 | 06:06 min

Selenskyj fordert Reisebann für Russen

In einem Interview der Zeitung "The Washington Post" trat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wie Kallas und Marin für ein Verbot gegen russische Touristen ein. "Die wichtigsten Sanktionen sehen so aus, die Grenzen zu schließen" für Russen, weil diese "das Land von jemand anderem wegnehmen", sagte Selenskyj in dem Interview, das am Dienstag veröffentlicht wurde.
Ein Reiseverbot sollte gegen alle Russen verhängt werden, auch die, die Russland verlassen hätten und gegen den Krieg seien, sagte Selenskyj. Die Russen sollten "in ihrer eigenen Welt leben, bis sie ihre Philosophie ändern". Im März hatte Selenskyj Russen aufgerufen, das Land zu verlassen, damit sie den russischen Krieg in der Ukraine nicht durch ihre Steuern finanzierten.
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Quelle: AP

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