: Sumte nimmt Flüchtlinge aus der Ukraine auf

von Malin Ihlau
24.03.2022 | 19:20 Uhr
Schon 2015 hat das kleine Dorf Sumte Flüchtlinge aufgenommen - nun zeigen sich die Einwohner wieder hilfsbereit. Die ersten Menschen aus der Ukraine sind schon eingetroffen.

Das niedersächsische Sumte hat innerhalb einer Woche einen Bürokomplex in eine Flüchtlingsunterkunft umgebaut. Die Welle der Hilfsbereitschaft ist groß.

22.03.2022 | 02:10 min
In den letzten Wochen hat sich Holger Pilch vom Deutschen Roten Kreuz akribisch auf diesen Moment vorbereitet. Mit 130 Helfern war er Tag und Nacht im Einsatz im niedersächsischen Sumte aus einem leerstehenden Bürokomplex eine Flüchtlingsunterkunft zu bauen.
Alles ist nun bereit für die Ankunft von ukrainischen Flüchtlingen. Bis zu 750 Menschen können jetzt hier aufgenommen werden.
Die letzten Tage waren emotional und sehr bewegend. Die Stimmung hier in Sumte ist euphorisch. Die Hilfsbereitschaft bemerkenswert.
Holger Pilch, Deutsches Rotes Kreuz

Ein Dorf wird weltberühmt

Schon bei der Flüchtlingskrise 2015 nahm das kleine Dorf mehr als 700 Menschen auf. Das heißt, sieben Flüchtlinge auf jeden Dorfbewohner. Das hat Sumte schon damals berühmt gemacht. Journalisten aus aller Welt reisten damals in das verschlafene Nest östlich von Lüneburg und stellten die Frage: Wie kommt dieser winzige Ort an der Elbe mit vielen Flüchtlingen klar?

Fragen und Antworten zum Russland-Ukraine-Konflikt

Es ging gut. Nun wollen es die Sumter wieder tun. Bei der Bürgerversammlung letzte Woche, berichtet Bürgermeister Andreas Gehrke (CDU), gab es keine Befürchtungen vor dieser neuen Herausforderung. Im Gegenteil. Die einzige Frage, die gestellt wurde, war, wie jeder Einzelne jetzt noch helfen kann.

In Deutschland geht die Debatte um den Umgang mit den geflüchteten Menschen aus der Ukraine weiter. Viele fordern einen nationalen Gipfel, um etwa die Verteilung zu regeln.

21.03.2022 | 01:41 min

Wie die Sumter lieben lernten

2015 war das anders. Da waren nicht alle Sumter glücklich über die Aufnahme von Flüchtlingen in ihrem Dorf. Eine Informationsveranstaltung damals sollte die Gemüter beruhigen. Die Stimmung war aufgeheizt: Was können wir bieten? Wir haben ja selbst kaum etwas hier, so dachten damals viele Sumter.
Der ehemalige Ortsvorstand Christian Fabel (CDU) erinnert sich. Völlig unverhältnismäßig fand er das im ersten Moment.
Das Chaos blieb aus. Die Gemeinde profitierte von den Flüchtlingen allein durch Arbeitsplätze im Heim. Was will man jetzt anderes machen bei den ukrainischen Flüchtlingen? Was hat man gelernt aus den Erfahrungen?

Erste Geflüchtete angekommen

Projektleiter Holger Pilch steht am Bus und hilft den ersten Ankömmlingen heraus. Er nimmt ein kleines Kind auf den Arm, hält es eine Weile. Die ukrainischen Flüchtlinge sind erschöpft. Reden will jetzt niemand. Sie wollen reingehen und schlafen. Für viele ist es die erste Nacht nach ihrer Flucht, in der sie endlich durchschlafen können.
Ohne Bombenalarm, so erzählen sie das dem DRK-Leiter Pilch. Er wird die nächsten Wochen bleiben und noch ganz viele Geschichten hören. Ab jetzt sollen regelmäßig Busse ukrainische Flüchtlinge in die niedersächsische Provinz nach Sumte bringen. Hier können 750 Menschen unterkommen.
Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine