: Wer ist Friedrich Merz?

von Mathis Feldhoff
17.12.2021 | 16:22 Uhr
Er war schon mal ganz oben in der CDU und ist zurück. Friedrich Merz, 66 Jahre alt, Sauerländer. Doch wer ist der Mann, der jetzt Parteivorsitzender der CDU werden soll, wirklich?

Er war schon mal ganz oben, überwarf sich mit Merkel und zog sich in die Wirtschaft zurück. Jetzt hat Friedrich Merz beim CDU-Mitgliederentscheid klar gewonnen. Ein Porträt.

17.12.2021 | 02:30 min
Es ist ein Schritt aus der Kulisse, mit der Friedrich Merz jetzt zurück auf die große Bühne drängt. Drei Jahre lang hatte er sich immer wieder bemüht, CDU-Chef zu werden. Zweimal war er dabei gescheitert – zuletzt an Armin Laschet, davor an Annegret Kramp-Karrenbauer. Dass er jetzt auch im dritten Anlauf angetreten ist, sagt viel über seinen Charakter.
Friedrich Merz hält sich für den am besten geeigneten Kandidaten, den mit dem klarsten Kompass, mit der klarsten Haltung. Es ist dieses klare Image, dass ihm jetzt im Mitgliederentscheid möglicherweise am meisten genützt hat. Die CDU will gerne geführt werden – Merz verspricht diese Führung.
Es wird mit mir hier keinen Rechtsruck in der Union geben. Es wird keine Achsenverschiebung in der Union geben. Mit mir soll es ein klares Profil geben.
Friedrich Merz, CDU
So hat er es bei der Vorstellung seines Teams Mitte November gesagt.

Er war schon mal ganz oben in der CDU und ist zurück. Friedrich Merz, 66 Jahre alt, Sauerländer. Doch wer ist der Mann, der jetzt Parteivorsitzender der CDU werden soll, wirklich?

17.12.2021 | 02:30 min

Das Image muss weg

Da schwingt aber auch mit, dass er durchaus erkannt hat, dass das Image des konservativen Rechtsaußen ein Problem ist. Dass er sich als Vorsitzender breiter aufstellen muss, die Flügel der Partei ansprechen, bedienen und vertreten muss. Und er muss vergessen machen, dass sein Rückzug aus der Politik mit seinem Bruch mit Angela Merkel zusammenhängt.

Seine Kandidatur war keine Überraschung, sein Team aber schon: Mit wem Friedrich Merz seine Bewerbung für den CDU-Parteivorsitz bekannt gab.

16.11.2021 | 01:34 min
Die Alt-Kanzlerin ist viel zu beliebt in der CDU, als dass der neue Vorsitzende sich weiter an ihr abarbeiten könnte. Nach seiner Niederlage gegen AKK war er dazu noch nicht bereit.
Als die ehemalige CDU-Vorsitzende Ende 2019 zu straucheln beginnt, attackiert Merz Merkel. Über das Land habe sich "ein Nebelteppich" gelegt, der "Untätigkeit und mangelnden Führung durch die Bundeskanzlerin", sagt er in einem ZDF-Interview.
[Das sagte Merz im ZDF-Interview am 29.10.2019]

Friedrich Merz soll neuer Vorsitzender der CDU werden. ZDF-Korrespondent Theo Koll erklärt aus Berlin, was von Merz in seiner neuen Rolle zu erwarten ist.

17.12.2021 | 01:22 min

Der geheime Plan des Establishments

Und auch bei seiner zweiten Kandidatur unterstellt er Merkel und ihren Unterstützern, dass sie den geheimen Plan verfolgen, ihn zu verhindern. Auf die Frage im ZDF heute-journal, wer genau ihn da sabotiere, sagte er:
Dass ich nicht der Liebling des Partei-Establishments in Berlin bin, das wissen Sie auch.
Friedrich Merz, CDU
Merz und die dunklen Mächte – diesen Mythos nährt er gerne. Jahrelang ist es seine Ausrede für seine politische Isolation.
Dass es seinen umstrittenen Aussagen zur Homosexualität oder zur Asylgesetzgebung sein könnten, diesen Gedanken lässt er lange nicht zu. Dabei galt er mal als Visionär. Als er Anfang der 2000er gemeinsam mit der damals neuen Vorsitzenden Merkel die Partei und das Land reformieren wollte.

Rückzug nach Bruch mit Merkel

Eine Reform der Einkommenssteuer, die auf einen Bierdeckel passt, eine Neuordnung der Krankenversicherung als Kopfpauschale – das schlugen beide vor und begeisterten damit zeitweise die CDU. Doch letztlich scheiterten sie und mussten einsehen, dass der neoliberale Ansatz kein Politikmodell für Deutschland ist.

Friedrich Merz im Gespräch bei "maybrit illner".

16.12.2021 | 01:35 min
Merkel zog daraus die Lehre, dass Wahlen nur in der Mitte zu gewinnen sind. Merz blieb politisch am konservativen Rand. Als Merkel dann 2002 nach dem Fraktionsvorsitz griff, zerbrach das Bündnis der beiden. Friedrich Merz zieht sich in die Wirtschaft zurück – seine politische Karriere scheint eigentlich vorbei. Er wird Aufsichtsrat beim weltgrößten Finanzanleger Blackrock – und zementiert in dieser Zeit sein Image vom neoliberalen Hardliner.

Mit 66 Jahren noch mal durchstarten

Vor 20 Jahren, beim ersten Karriereende, war Merz mit Mitte 40 ein schwerer Verlust im Portfolio der CDU. Jetzt, mit 66 Jahren, stellen sich viele in der CDU die Frage, ob der Sauerländer nicht eigentlich zu alt sei, um für einen Neuanfang der CDU zu stehen.

Friedrich Merz habe deutlich gemacht, dass er die junge Generation mitnehmen will, sagt der Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban. Er freue sich auf den "gemeinsamen Weg".

17.12.2021 | 08:36 min
Für Friedrich Merz scheint es eine Genugtuung zu sein, dass er im Jahr des Abtritts seiner alten Rivalin Merkel noch mal durchstartet.
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Quelle: ZDF

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