Interview

: Bricht Moskaus Front? - "Noch nicht"

05.10.2022 | 21:43 Uhr
Die Ukraine feiert militärische Erfolge im Krieg gegen Russland. Der ehemalige Nato-General Egon Ramms bewertet die Lage - und warnt, bereits von einer Wende zu sprechen.

Sehen Sie hier das Interview mit General a.D. Ramms in voller Länge.

05.10.2022 | 09:33 min
Der russische Präsident Wladimir Putin hat Gesetze zur Annexion von vier ukrainischen Regionen unterzeichnet, in denen seine Truppen militärische Rückschläge hinnehmen müssen. Kiew feiert derweil Rückeroberungen.
Wie ist die militärische Lage einzuschätzen? Ex-Nato-General Egon Ramms bewertet im Interview mit ZDFheute live die Situation in den Kriegsgebieten.
Sehen Sie das ganze Interview oben im Video oder lesen Sie hier Auszüge.

Ramms zu einem möglichen Zusammenbruch der russischen Front:

"Das sehe ich so noch nicht. Die Russen haben noch genügend Kräfte in der Ukraine. Es ist letztendlich eine Frage der geschickten Befehlsgebung und der geschickten Führung, um hier wieder einen Zusammenhalt aus russischer Sicht herzustellen. Von einem Zusammenbruch zu reden, ist zu früh. Das bedarf noch vieler Kampfhandlungen und wird noch viele Menschenleben kosten."

... zur Lage an der Front:

"Ich schätze das so ein, dass die ukrainischen Kräfte sehr erfolgreich angreifen, dass den Russen möglicherweise die Voraussetzungen fehlen, um das Gefecht weiterzuführen. Das beginnt mit der Versorgung der russischen Soldaten, setzt sich fort mit der entsprechenden Logistik hinsichtlich Munition, Betriebsstoff und dergleichen. Wenn meine Kampffahrzeuge nicht mehr fahren, wenn ich nicht mehr schießen kann, dann bleibt mir nichts anderes übrig als die Flucht anzutreten."

Kiew meldet russische Angriffe, zugleich aber neue Rückeroberungen in Regionen, die Moskau für annektiert erklärt.

05.10.2022 | 01:49 min

... zu weiteren Gründen für die ukrainischen Erfolge:

"Es sieht so aus, dass die vom Westen gelieferten Waffen die Ukrainer dazu befähigen, auch hinter die Kampflinien der russischen Seite zu wirken. Damit die Versorgung zu unterbrechen, Depots zu zerstören, logistische Schwerpunkte zu zerstören, aber auch Gefechtsstände und Kommandoposten zu zerstören, sodass dadurch auch die Führung für die russischen Einheiten schwierig wird."

... zum Ausblick auf das weitere Kriegsgeschehen:

"Wir stehen im Augenblick an einem Punkt, der für die Ukraine positiv ist. Die Ukraine muss das, was sie in ihren Angriffshandlungen erreicht hat, weiter ausnutzen können. Dazu bedarf sie der Unterstützung des Westens. Ich möchte noch nicht von einem Wendepunkt reden, weil ich nicht weiß, was Putin möglicherweise noch ins Gefecht führt."
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Quelle: ZDF

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