: Griechenland bekräftigt Reparationsansprüche

05.04.2021 | 13:50 Uhr
Mindestens 289 Milliarden fordert Griechenland von Deutschland als Entschädigung für Verbrechen im Zweiten Weltkrieg.
Bis 1944 verübten SS und Wehrmacht in Griechenland wie hier in Distomo zahlreiche Massaker.Quelle: Reuters
80 Jahre nach dem deutschen Angriff auf
Griechenland im Zweiten Weltkrieg hat die Regierung in Athen ihre Forderung nach Verhandlungen über Reparationen für die verursachten Kriegsschäden bekräftigt. Kurz vor dem Jahrestag an diesem Dienstag erklärte das Außenministerium, dass die Frage der Entschädigung aus griechischer Sicht weiterhin offen sei.
"Die Frage bleibt offen bis zur Erfüllung unserer Forderungen. Diese Forderungen sind gültig und aktiv und sie werden mit jedem Mittel geltend gemacht", sagte Ministeriumssprecher Alexandros Papaioannou der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage. "Verhandlungen würden sehr positiv zur weiteren Förderung der griechisch-deutschen Beziehungen beitragen."

Mitsotakis bekräftigt Tspiras Forderung nach Reparationen

Griechenland hatte Deutschland im Juni 2019 - damals noch unter dem linken Ministerpräsidenten Alexis Tsipras - zu Verhandlungen über Reparationen aufgefordert. Im Oktober wurde diese Forderung von deutscher Seite zurückgewiesen.
Anschließend bekräftigte auch die Regierung des heutigen konservativen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis im Januar 2020 noch einmal in einer diplomatischen Note, dass die Reparationsfrage für sie offen sei.

Reparationszahlungen in Friedensvertrag nicht vorgesehen

Nazi-Deutschland hatte Griechenland und das damalige Jugoslawien am 6. April 1941 überfallen. Bis 1944 verübten SS und Wehrmacht in Griechenland zahlreiche Massaker. Sie bezeichneten das als Vergeltung für Partisanenangriffe. Zehntausende griechische Zivilisten kamen im Krieg ums Leben. Eine griechische Parlamentskommission schätzte die Summe für die von Deutschland verursachten Kriegsschäden im Land auf mindestens 289 Milliarden Euro - inklusive einer Zwangsanleihe, die Griechenland der Deutschen Reichsbank während des Krieges gewähren musste.
Zum 80. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkrieges zeigt "ZDF-History" kompakt und umfassend, was in sechs Kriegsjahren passierte und wie dieser Krieg die Welt veränderte.
Für die Bundesregierung in Berlin ist das Reparationsthema dagegen mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag über die außenpolitischen Folgen der deutschen Einheit von 1990 rechtlich und politisch abgeschlossen. In dem Vertrag zwischen der Bundesrepublik, der DDR und den vier ehemaligen Besatzungsmächten USA, Sowjetunion, Frankreich und Großbritannien sind Reparationen allerdings nicht ausdrücklich erwähnt. Zahlreiche von Nazi-Deutschland angegriffene und besetzte Staaten wie Griechenland und Polen waren an den Verhandlungen darüber nicht beteiligt.
Quelle: dpa

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