: GroKo einigt sich auf Klimaschutzmaßnahmen

22.06.2021 | 12:02 Uhr
Nach langem Ringen haben sich Union und SPD auf ein Maßnahmenpaket für Klimaschutz und Energiewende geeinigt. Insbesondere sollen erneuerbare Energien schneller ausgebaut werden.
Mehr Strom aus Windkraft und Solaranalgen soll es künftig geben.Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild vom 18.01.2018
Laut einem noch inoffiziellen Papier, das der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag in Berlin vorlag, sollen für das kommende Jahr die Ausschreibungsmengen für neue Windkraftanlagen an Land um 1,1 Gigawatt auf vier Gigawatt und für Solaranlagen um 4,1 Gigawatt auf sechs Gigawatt angehoben werden.
Erleichtert werden soll auch das Repowering vorhandener Anlagen. So sollen in Genehmigungsverfahren bestehende Belastungen durch die Altanlage mit berücksichtigt werden.
Uns ist wichtig, dass bereits vorhandene Windstandorte mit modernster Anlagentechnik genutzt werden können, denn auf diese Weise kann deutlich mehr Strom auf gleicher Fläche erzeugt werden.
So heißt es in dem Text, auf den sich Fachpolitiker der Koalitionsfraktionen am Montag verständigt hatten. Vereinfacht werden sollen auch Regelungen für neue Photovoltaikanlagen "im agrarwirtschaftlichen Bereich" sowie für Stromspeicher. Kommunen sollen sich leichter an Solaranlagen beteiligen können.

Mehr Wasserstoff und Entlastungen für kleine und mittlere Unternehmen

Weitere Maßnahmen betreffen den Ausbau der Wasserstoffwirtschaft. Regenerativ erzeugter Wasserstoff soll von der EEG-Umlage befreit werden. Änderungen der Carbon-Leakage-Verordnung sollen besonders kleine und mittlere Unternehmen beim Emissionshandel entlasten. Beschlossen wurde zudem eine Klausel, wonach bei der Erarbeitung von Klimaschutzprogrammen "künftig auch stärker die Auswirkungen auf die Wirtschaftsstruktur und Beschäftigung berücksichtigt" werden sollen.
Die Neuregelungen vor allem zur Energiepolitik sollen zusammen mit der Reform des Klimaschutzgesetzes am Donnerstag vom Bundestag beschlossen werden. 

SPD: Eine "Brücke" in die nächste Legislaturperiode

SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch sprach von einer "Brücke" in die nächste Legislaturperiode für einen schnelleren Ausbau von Solar- und Windkraft. Dabei werde die Novelle des Klimaschutzgesetzes "die entscheidende Basis für künftige Regierungen sein".
Hier wurde die Verschärfung der deutschen Emissionsziele auf minus 65 Prozent bis 2030 und minus 88 Prozent bis 2040 sowie Treibhausgasneutralität bis spätestens 2045 bekräftigt.
Die Koalition steckt den Kurs in Richtung Klimaneutralität 2045 ab.
Stephan Stracke (CSU), Unions-Fraktionsvize
Der Weg für das neue Klimaschutzgesetz sei "frei", so Stephan Stracke von der CSU. "Deutschland setzt sich überaus ambitionierte Klimaziele." Diese müssten fortlaufend mit den europäischen Klimaschutzinstrumenten abgeglichen und "wenn erforderlich" angepasst werden.
Keine konkreten Aussagen gibt es in dem Koalitionspapier zur Weiterentwicklung der nationalen CO2-Bepreisung für die Sektoren Gebäude und Verkehr. "Der Brennstoffemissionshandel entfaltet mit seinem ambitionierten Preispfad eine Signalwirkung für Wirtschaft und Verbraucher", heißt es lediglich.

Umweltministerin Schulze: Union bremst beim Klimaschutz

Bundesumweltministerin Svenja Schulze zeigte sich zufrieden mit der Einigung der großen Koalition. Zugleich übte die SPD-Politikerin aber auch deutliche Kritik am Koalitionspartner CDU/CSU. "Wir machen das Gesetz nochmal strenger, wir haben höhere Ziele gesetzt und das ist ein guter Schritt nach vorne", sagte Schulze am Dienstag im RTL/ntv-"Frühstart". Man könne allerdings "noch viel mehr tun, wenn es nicht so eine Bremse in der Bundesregierung geben würde".
Als konkrete Maßnahme für das Erreichen der Klimaziele nannte Schulze unter anderem die Unterstützung für den Austausch alter Ölheizungen. Die Ministerin kritisierte jedoch fehlende Unterstützung für Mieter.
Ich will, dass auch Mieterinnen und Mieter entlastet werden, die können nämlich gar nicht über ihre Heizung entscheiden.
Svenja Schulze, Bundesumweltministerin
Der Ministerin zufolge ist die Union in diesem Punkt jedoch "streng in der Hand der Lobbyisten".
Quelle: AFP, dpa

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