Kommentar

: Was von den Querelen um Ministerposten bleibt

von Patricia Wiedemeyer
26.11.2021 | 17:32 Uhr
Trotz Querelen und Flügelkämpfen: Die Grünen im Kabinett Scholz sind gesetzt. Auch wenn manche nicht ihren idealen Posten bekommen haben, findet ZDF-Korrespondentin Wiedemeyer.
Quelle: ZDF/dpa
Ja, es hat Querelen gegeben. Ja, es lief nicht alles so geräuschlos ab, wie gewünscht und wie gewohnt. Und ja, da sind sie wieder, die altbekannten Flügelkämpfe. Aber egal: Am Ende zählt doch das Ergebnis.

Özdemir wäre ideale Besetzung für Außenminister

Es ist richtig, einen der beliebtesten und bekanntesten Grünen-Politiker, Cem Özdemir, zum Minister zu machen - der bei Bundestagswahl das beste Ergebnis geholt hat, mit 40 Prozent sein Direktmandat in Stuttgart, der Migrationshintergrund hat.
Aber warum ausgerechnet das Landwirtschaftsministerium? Fachexpertise hat Özdemir bei den Themen Außenpolitik und Verkehrspolitik. Das Verkehrsressort haben die Grünen nicht, was sich übrigens als Fehler erweisen könnte: Gerade im Verkehrsbereich ist bisher viel zu wenig für den Klimaschutz passiert, dort könnten entscheidende Weichen gestellt werden. Wenn also nicht Verkehr, warum wird dann Özdemir nicht Außenminister, das wäre die ideale Besetzung für ihn gewesen.

Zur Vergabe der grünen Ministerien: Patricia Wiedemayer.

26.11.2021 | 01:18 min

Hofreiter hat für Parteilinke zu wenig erreicht

Aber Annalena Baerbock hatte den ersten Zugriff, wollte das Auswärtige Amt. Sie kommt ja schließlich vom Völkerrecht, ist nun die erste Frau im Amt, und für Özdemir gilt: Besser Landwirtschaftsminister als gar kein Minister. Der unterlegene Anton Hofreiter gilt manchen in der Partei, auch bei den Parteilinken, als nicht wirklich ministrabel. Zudem habe er bei den Verhandlungen im Verkehrsbereich zu wenig erreicht.
Anne Spiegel als Familienministerin ist eine gute Entscheidung. Sie war Familienministerin in Rheinland-Pfalz, stellvertretende Ministerpräsidentin, hat Regierungserfahrung, hat selbst vier Kinder, ist zwar bundesweit noch nicht so bekannt - aber das wird sich ändern.

Der Strei hat einen "sauberen Start verhagelt", so ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Shakuntala Banerjee.

25.11.2021 | 02:20 min

Mehr Frauen als Männer, Ost- und Migrationshintergrund

Mit der aus dem Osten kommenden Steffi Lemke als Umweltministerin, Robert Habeck als Wirtschafts- und Klimaminister und Claudia Roth als Kulturstaatsministerin, geben sich die Grünen fortschrittlich und modern. Mehr Frauen als Männer, Ost- und Migrationshintergrund, von allem etwas, anders als die FDP - mit ihren drei Männern und einer Frau.
Der Parteilinke Jürgen Trittin hat seinen Segen gegeben, lobt die neuen Minister und Ministerinnen als hochqualifiziert. Weitere Flügelkämpfe könnten der Partei damit erspart bleiben - wenn andere Linke das auch so sehen. Flügelkämpfe, von denen man annahm, sie gehörten längst der Vergangenheit an.
Patricia Wiedemeyer ist Korrespondentin im ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin.

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