: Wer sind Ricarda Lang und Omid Nouripour?

29.01.2022 | 17:36 Uhr
Die neue Doppelspitze der Grünen besteht aus Ricarda Lang und Omid Nouripour. Wer sie sind und was sie ausmacht - Kurzporträts der beiden.
Eine Delegierte hält ihre Stimmkarte hochQuelle: picture alliance/dpa/Stefan Puchner
Annalena Baerbock und Robert Habeck haben wegen der Übernahme von Ministerämtern die Grünen-Führung abgegeben. Die am Samstag auf dem Parteitag neu gewählte Doppelspitze besteht aus Ricarda Lang und Omid Nouripour.
Wer die beiden sind - hier im Kurzporträt:

Ricarda Lang - die Feministin

Die 28-Jährige blickt bereits auf eine erfolgreiche Parteikarriere zurück. Im November 2019 wurde sie stellvertretende Vorsitzende und frauenpolitische Sprecherin der Grünen. Seit der diesjährigen Bundestagswahl sitzt sie zudem im Parlament.

Geboren 1994 in Filderstadt in Baden-Württemberg, trat Lang mit 18 Jahren in die Partei ein. Ein 2012 begonnenes Jurastudium schloss sie nicht ab. Von 2017 bis 2019 war Lang Vorsitzende der Grünen Jugend. Als Parteivize macht sie sich insbesondere für die Themen Feminismus, Vielfalt und Strategien gegen Rechts stark. Daneben engagiert sie sich in der Gesundheits- und Pflegepolitik.
Soziale Gerechtigkeit, verbunden mit dem Klimaschutz, ist ein weiterer Schwerpunkt der Frau, die bei einer alleinerziehenden Mutter aufwuchs. Deren Erfahrungen als Sozialarbeiterin in einem Frauenhaus hätten sie bewogen, in die Politik zu gehen. Es gehe ihr darum, "dass es Menschen wie meine Mutter in Zukunft leichter haben", sagte Lang dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Ich stehe für Gerechtigkeit.
Ricarda Lang
Egal zu welchem Thema - die Auftritte der redegewandten Grünen-Politikerin sind immer engagiert und kämpferisch. Ihr offensives Auftreten bringt Lang viel Gegenwind in den sozialen Medien ein, viele Kommentare zielen in den persönlichen Bereich. Das Ziel sei es, Frauen mundtot zu machen, sagte die Grünen-Politikerin im vergangenen Sommer. Sie habe mit Gegenwind "überhaupt kein Problem, solange er nicht in Hass und Hetze umschlägt", betont sie. Entsprechende Kommentare würden zur Anzeige gebracht.
Als Grünen-Vorsitzende will Lang, die dem linken Parteiflügel zugerechnet wird, "die ganze Partei zusammenhalten". Dem RND sagte sie: "Man ist immer Vorsitzende für die gesamte Partei, nicht für einen Teil."

Omid Nouripour - der Außenpolitiker

Außenpolitiker Omid Nouripour hatte Anfang Dezember bereits seine Kandidatur für den Grünen-Vorsitz erklärt. Quelle: dpa
Der 46-Jährige machte sich bisher vor allem als Außenpolitiker einen Namen. Der zum Realo-Lager zählende Omid Nouripour sieht bei den Grünen aktuell eine Mischung aus Euphorie und Aufbruchsstimmung, aber auch Enttäuschung über das hinter den Erwartungen zurückgebliebene Ergebnis bei der Bundestagswahl.
Als Parteichef will er dies aufarbeiten und die Grünen zur "führenden Kraft der linken Mitte in Deutschland" machen, wie Nouripour kürzlich im Deutschlandfunk sagte. Der künftige Parteivorstand habe eine "Scharnierfunktion" zwischen der Basis und den an der Bundesregierung beteiligten Grünen.
Zu den aktuellen außenpolitischen Krisen meldet sich Nouripour eifrig zu Wort. So forderte er, Deutschland solle sich dem diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking anschließen. Als die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im November mit dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko telefonierte, sprach Nouripour von einem "verheerenden Signal".

Omid Nouripour (Grüne) vor der Kanzlerwahl im Gespräch zum Koalitionsvertrag und dem Blick in die Zukunft. Die Kompromisse müssten für alle gut tragbar sein, so der Politiker.

08.12.2021 | 07:01 min
In der iranischen Hauptstadt Teheran geboren kam Nouripour 1988 mit seiner Familie als 13-Jähriger nach Frankfurt am Main. Sein Studium unter anderem in Philosophie und Rechtswissenschaft beendete Nouripour ohne Abschluss. Er arbeitete nach eigenen Angaben als selbstständiger Berater, bevor er 2006 als Nachrücker von Joschka Fischer in den Bundestag kam.
In der Grünen-Bundestagsfraktion war der Vater eines Kindes unter anderem für Europa-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik zuständig, Ende 2013 wurde er außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion.
Nouripour ist Fan des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt und Vorsitzender des Eintracht-Fanclubs "bundesAdler" im Bundestag. Auf seiner Homepage wirbt er denn auch doppeldeutig "Für Frieden und Eintracht international". Harmonie und Teamgeist dürften für Nouripour auch als Parteivorsitzender ganz weit oben stehen.
Quelle: Claudia Haas, AFP

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