: Luftangriffe und Raketen in Nahost

06.08.2022 | 20:03 Uhr
Raketen, Sirenengeheul und Tausende mobilisierte Reservisten in Israel, Luftangriffe und Tote im Gaza-Streifen, Razzien im Westjordanland: Im Nahost-Konflikt eskaliert die Gewalt.

Bei der schwersten Gewalteskalation zwischen Israel und militanten Palästinensern seit einem Jahr gab es zwei Dutzend Tote.

06.08.2022 | 02:02 min
Im Gazastreifen ist es zur schwersten Gewalteskalation zwischen Israel und Palästinensern seit mehr als einem Jahr gekommen. Nach der gezielten Tötung eines militanten Palästinenserführers im Gazastreifen sind Dutzende Raketen auf Israel abgefeuert worden. Auch die israelische Luftwaffe griff an diesem Samstag erneut Ziele im Gazastreifen an.

Kommandeur des Islamischen Dschihad getötet

Israels Streitkräfte hatten zuvor den Militärchef der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad (PIJ) im Gazastreifen, Taisir al-Dschabari, getötet. Der hochrangige Kommandeur war dem Militär zufolge verantwortlich für zahlreiche Raketenangriffe aus dem Gazastreifen.
Quelle: ZDF
Insgesamt wurden einem israelischen Sprecher zufolge seit Freitag mehr als 190 Raketen auf Israel gefeuert. Sie gingen demnach auf offenem Gelände nieder oder wurden vom Raketenabwehrsystem Iron Dome abgefangen. Rund 36 Raketen seien innerhalb des Gazastreifens gelandet. 
In mehreren Städten bis zum südlichen Rand der Küstenstadt Tel Aviv waren am Freitagabend Sirenen zu hören. "Die ganze Nacht hindurch und bis in die südlichen Vororte von Tel Aviv hinein gab es immer wieder Raketenalarm", berichtet ZDF-Korrespondent Andreas Kynast. Einige wenige Menschen in Israel hätten sich leicht verletzt, als sie in Schutzräume gerannt seien, erklärte das Militär.
Das hat es hier in Tel Aviv lange nicht gegeben, dass die Stadt aus Angst vor Raketeneinschlägen ihre Schutzräume öffnet.
ZDF-Korrespondent Andreas Kynast

Palästinenser: Mindestens 24 Tote

Nach Angaben der israelischen Armee waren bei dem Einsatz am Freitag außer Al-Dschabari weitere Dschihad-Mitglieder ins Visier genommen worden. Sie sollen einen Angriff gegen israelische Zivilisten vorbereitet haben. Zudem sei eine Waffenproduktionsstätte und eine Raketenabschussanlage angegriffen worden sowie ein Militärposten. Bei dem Einsatz im Gazastreifen seien 15 Extremisten getötet worden.
Nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörden kamen bei der israelischen Militäraktion seit Freitag mindestens 24 Menschen ums Leben, darunter auch sechs Kinder. Mehr als 200 Menschen seien verletzt worden. Die Angaben lassen sich bislang nicht überprüfen.
Gezielte Tötungen sind umstritten, unter anderem die Vereinten Nationen bemängeln beispielsweise, dass damit Rechtsgrenzen verwischt würden. Sie sprechen zudem von einer Verletzung des Völkerrechts.

Zu den erneuten Gewaltausbrüchen zwischen Israel und Palästina eine Einschätzung von ZDF-Korrespondent Andreas Kynast.

06.08.2022 | 01:09 min
Der Islamische Dschihad wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. "Wir greifen Tel Aviv und die Städte des Zentrums und der Umgebung mit mehr als 100 Raketen an", teilte der militärische Arm der Organisation am späten Freitagabend mit. Dies sei die Antwort auf Al-Dschabaris Ermordung.

Tausende israelische Reservisten mobilisiert

Israels Ministerpräsident Jair Lapid sagte, seine Regierung werde es nicht zulassen, dass Terrororganisationen die Agenda in den Orten am Rande des Gazastreifens bestimmten und israelische Bürger bedrohten. "Wer Israel angreifen will, muss wissen, dass wir zu ihm gelangen werden." Verteidigungsminister Benny Gantz genehmigte am Abend die Mobilisierung von 25.000 Reservisten.
Israel ist nicht an einer breiten Operation im Gazastreifen interessiert, hat aber auch keine Angst vor ihr.
Jair Lapid, Ministerpräsident Israels
Der Anführer des "Islamischen Dschihads", Siad al-Nachalah, sagte dem Sender Al-Majadin: "Wir beginnen den Kampf und die Kämpfer des palästinensischen Widerstands müssen zusammenhalten, um diese Aggression zu konfrontieren." Dabei gebe es "keine roten Linien".
Israels Streitkräfte stellen sich auf einen längeren Einsatz ein. "Das Militär ist auf eine einwöchige operative Tätigkeit vorbereitet, entsprechend der Anweisung der politischen Ebene und des Generalstabschefs", teilte das Militär mit.

Ägypten will vermitteln

Angesichts der neuen Gewalteskalation versucht Ägypten zu vermitteln. ZDF-Korrespondent Kynast berichtet, dass eine ägyptische Delegation "bereits in Israel" sei. Wir hoffen, einen Konsens zu erzielen, um so schnell wie möglich zur Ruhe zurückzukehren", sagte ein ägyptischer Sicherheitsvertreter der Nachrichtenagentur AFP im Gazastreifen. Auch der israelische Armeesprecher Richard Hecht hatte von einer ägyptischen Mediation gesprochen.
Der Eskalation voran gegangen war die Festnahme eines Anführers des Islamischen Dschihads im Westjordanland, Bassem Saadi, bei einem israelischen Anti-Terror-Einsatzes am Montag. Der Dschihad ist eng mit Israels Erzfeind Iran verbunden und verübt aus dem Gazastreifen regelmäßig Raketenangriffe auf Israel. Das israelische Militär sperrte aus Angst vor Vergeltungsangriffen über mehrere Tage hinweg Gebiete am Rande des Küstenstreifens ab und erhöhte die Alarmbereitschaft.
Quelle: dpa, AFP, Reuters, ZDF

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