Joe Biden: Der Zielstrebige aus Delaware

von Caroline Leicht
07.11.2020 | 17:50 Uhr
Joe Biden wusste schon früh, dass er US-Präsident werden will. 2020 hat es nun geklappt. Ein Blick auf Bidens Karriere und politische Positionen.
Joe Biden, der Gewinner der US-Wahl, hat sich als Anti-Trump präsentiert: Einer der zuhört, der versöhnt, der Mitgefühl kennt. Wer genauer hinsieht, stellt fest, das war keine Show. Joe Biden ist so – und das hat auch etwas mit Schicksalsschlägen zu tun.

Kurz und knapp: Zur Person Joe Biden

  • Geboren am 20. November 1942 in Scranton, Pennsylvania
  • Studium der Politikwissenschaften und Geschichte an der University of Delaware, anschließend Jura-Studium an der Syracuse University
  • 1969 Aufnahme der Tätigkeit als Anwalt
  • Erste politische Erfahrung als Abgeordneter im New Castle County Council ab 1970
  • Abgeordneter für Delaware im US-Senat von 1973 bis 2009
  • Vorsitzender des Justizausschusses (1987 bis 1995) und des außenpolitischen Ausschusses (2001, 2001 bis 2003, 2007 bis 2009)
  • Von 2009 bis 2017 US-Vizepräsident unter Barack Obama
  • Verwitwet seit 1972, seit 1977 in zweiter Ehe mit Dr. Jill Biden verheiratet
  • Vier Kinder: Beau, Hunter und Naomi (aus erster Ehe), Ashley (aus zweiter Ehe)
  • Wurde 2017 mit der Presidential Medal of Freedom, der höchsten Auszeichnung für Zivilisten in den USA, ausgezeichnet
  • Trat 2020 zum dritten Mal um die Präsidentschaft an, zuvor war er 1988 und 2008 in den Vorwahlen gescheitert
Joe Biden wuchs in den US-Bundesstaaten Pennsylvania und Delaware auf. Bis heute lebt er in Wilmington, Delaware. Für den Bundesstaat arbeitete er sechs Amtszeiten als Abgeordneter im US-Senat, bis er 2009 als Vizepräsident in die Obama-Regierung einstieg. Bei der US-Wahl 2020 hat es Biden nun selbst ins Weiße Haus geschafft. Aber wer ist der Demokrat aus Delaware und wofür steht er?

Zwei politische Ziele schon früh formuliert

Noch während seines Jura-Studiums heiratete Biden Neilia Hunter, mit der er später drei Kinder hatte: Beau, Hunter und Naomi. Seiner Frau erzählte Biden bereits früh über seine politischen Ambitionen: US-Senator mit 30 Jahren, dann später Präsident.
Das erste Ziel erreichte Biden, als er 1972 zum Abgeordneten für den Bundesstaat Delaware in den US-Senat gewählt wurde. Biden war am Tag der Wahl 29 Jahre alt. Seine Frau erlebte den Wahlsieg, doch nicht seinen Amtsantritt. Im Dezember 1972 kam sie bei einem Autounfall ums Leben. Auch die gemeinsame Tochter Naomi (damals ein Jahr alt) überlebte den Unfall nicht. Biden zog damals einen Rückzug aus der Politik in Betracht, entschied sich schlussendlich aber doch für den Amtsantritt im US-Senat.
Mit einer Serie von Wahlerfolgen hat sich Joe Biden die Nominierung für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten in den USA gesichert. Gewählt wird am 03. November.

Sechs Amtszeiten im US-Senat

Während seiner Zeit im US-Senat lernte Biden 1975 Jill Jacobs kennen. Die beiden heirateten im Juni 1977 in New York und haben eine gemeinsame Tochter, Ashley.
Joe Biden arbeitete sechs Amtszeiten im US-Senat. In seinem Amt war er von 1987 bis 1995 Vorsitzender des Senate Judiciary Committee (Justizausschuss) und 2001, 2001 bis 2003 sowie von 2007 bis 2009 Vorsitzender des Senate Foreign Relations Committee (außenpolitischer Ausschuss).
Seit dem Amoklauf an einer Schule in Florida, mit 17 Toten wehrt sich eine junge Protestbewegung gegen den grassierenden Waffenwahn in den USA. Ihr Gegner: die Waffenlobby.

Politische Positionen über Lauf der Karriere geändert

Biden gilt als Teil des "Mainstreams" der Demokratischen Partei und wird oft als "Mitte-Links" eingeordnet. Seine Politik fokussiert sich oft auf die US-amerikanische Mittel- und Arbeiterschicht. Bereits während seiner Zeit im US-Senat sprach sich Biden gegen Waffenbesitz aus und unterstützte 1994 den Violent Crime Control and Law Enforcement Act, der unter anderem den Waffenbesitz einschränkte.
Einige seiner Entscheidungen im US-Senat bereut Biden nach eigenen Angaben jedoch heute, so zum Beispiel seine Stimme für den Irak-Krieg. Seine Position im Bezug auf mehrere Themen hat sich im Laufe seiner politischen Karriere geändert, unter anderem im Hinblick auf LGBTQ-Rechte, Sozialversicherung und Abtreibung. In den Vorwahlen der Demokraten hatten Bidens Mitstreiter immer wieder Kritik an seinen früheren Positionen geäußert.

Auf dem Weg zum zweiten politischen Ziel

Seine Kandidatur 2020 war nicht Bidens erster Versuch, Präsident zu werden. Bereits 1988 und 2008 kämpfte er um die Gunst der Wähler, scheiterte jedoch stets in den Vorwahlen der US-Demokraten. 2008 unterlag er in den Vorwahlen Barack Obama, der ihn aber zurück in den Wahlkampf holte - als Vizepräsident. Während Bidens Amtszeit als Vizepräsident erlitt er erneut einen Verlust im Familienkreis: Sein Sohn Beau starb 2015 an einem Hirntumor.
Kurz vor dem Ende ihrer Amtszeit verlieh Obama seinem Freund und Vizepräsidenten die höchste Auszeichnung für Zivilisten in den USA, die Presidential Medal of Freedom. Seine Rede rührte Biden zu Tränen. Für 2020 hatte Obama Biden seine Unterstützung zugesagt. Der Wahlsieg bedeutet das Erreichen seines zweiten politischen Ziels.
Der Autorin auf Twitter folgen: @carolineleicht

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