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: Wie die Klimaunion ausgebremst wird

von Astrid Randerath und Julia Klaus
06.09.2021 | 13:15 Uhr
Die Klimaunion will mehr Klimaschutz in der Union. Ihre Ziele sind teils ambitioniert, doch sie dringen kaum durch. Das zeigt ein Papier, mit dem Laschet Wahlkampf macht.
Kollektoren für Solarenergie auf dem Dach - die Klimaunion will bis 2030 saubere Energie, mit der Union ist das noch nicht zu machen.Quelle: dpa
"Lieber 63 Milliarden von Sonne und Deich als für Putin oder'n Scheich" - so wirbt die Klimaunion für mehr saubere Energie. Die Gruppe von Klimaschützern will in der Union für mehr Klimaschutz sorgen und so erreichen, dass das Pariser Klimaabkommen eingehalten werden kann.
Putin oder ein Scheich - dieser Sprech klingt nicht nach Fridays for Future, doch die Klimaunion hat ambitionierte Ziele. In offiziellen Papieren der CDU finden die sich aber nur verwässert wieder. Ist sie ein Feigenblatt?
Die Klimaunion hat sich vor einem halben Jahr gegründet und mittlerweile 600 Mitglieder. Ihr Gründer Heinrich Strößenreuther war mal bei den Grünen Mitglied und ist seit vielen Jahren in der Klima-Szene unterwegs.
Im Gespräch mit ZDFheute gibt er zu, dass sich die Klimaunion mit vielen Positionen nicht durchsetzen kann - noch nicht, wie er meint. Er betont, "dass wir die CDU gerade Stück für Stück für diese Positionen erwärmen". Welche Positionen das sind?
Wasserfluten, Waldbrände, Hitzewellen: Der Weltklimarat IPCC warnte kürzlich erneut vor einer weiteren Erderwärmung, wenn nicht umgehend der Ausstoß von Treibhausgasen verringert würde.

Klimaneutralität und Erneuerbare: Wo sich die Klimaunion nicht durchsetzen kann

Die Klimaunion will die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen. Dazu hat sich Deutschland im Pariser Klimaabkommen ohnehin bekannt. Die Frage ist nur, wie und mit welchen Vorgaben das erreicht werden soll. Die Union will bis 2045 klimaneutral werden - viel zu spät, glaubt die Klimaunion und peilt 2030 bis 2040 an.
In einem Positionspapier formuliert sie deshalb konkrete Ziele für den Ausbau der Erneuerbaren - einen Ausbau, den Union-Kanzlerkandidat Armin Laschet in NRW durch strengere Abstandsregeln bei Windrädern bisweilen blockieren wollte.

Photovoltaik-Ziel nur verwässert bei der CDU

Die Klimaunion fordert nun: 85 Gigawatt Photovoltaik müsse jedes Jahr zugebaut werden. Ansonsten sei das 1,5-Grad-Ziel kaum zu erreichen. Vergangene Woche hat Laschet ein Strategiepapier zum Ausbau der Erneuerbaren vorgestellt - Strößenreuther nennt das ein Hauptergebnis seines bisherigen Engagements in der CDU.
Darin steht aber nur ein jährliches Ziel von mindestens zehn Gigawatt Zubau - und das auf Solar und Photovoltaik bezogen. Das ehrgeizige Ziel von 85 Gigawatt Photovoltaik der Klimaunion - verwässert und um ein Vielfaches geringer.
"Na, da liegen ja Lichtjahre zwischen dem Positionspapier der CDU und den Zielen der Klimaunion. Das, was die Klimaunion aufgeschrieben hat, geht deutlich über das hinaus, was die Grünen fordern", bilanziert Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin. Was die CDU daraus gemacht hat, sieht er kritisch:
Da geht es darum, sich einen schönen Anstrich für den Wahlkampf zu geben.
Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin
Mit den Zielen der Union erreiche Deutschland derzeit nicht das Pariser Klimaschutzabkommen - weder die 2-Grad-Zielmarke noch die 1,5 Grad, sagt Quaschning.

Klimapolitik der Union: eine offene Flanke

Der Wahlkampf läuft nicht rund für die Union, laut ZDF-Politbarometer liegt sie sogar hinter der SPD. In der Klimapolitik hat sie eine offene Flanke, die nach der Flutkatastrophe im Ahrtal noch sichtbarer geworden ist. Strößenreuther und weitere CDU-ler wollen die nun schließen - darunter die Bremerin Wiebke Winter, die beide Papiere mitgeschrieben hat und für den Bundestag kandidiert. Armin Laschet holte sie vergangene Woche in sein Klima-Team.
Neben Winter werden auch zwei Männer mit der Klimaunion in Verbindung gebracht, die man dort erst einmal nicht vermutet hätte: Friedrich Merz aus dem konservativen Wirtschaftsflügel und Frank Thelen, Investor und bekannt aus der TV-Serie "Die Höhle der Löwen". Thelen sei Gründungsmitglied, mit Merz habe es Gespräche gegeben, sagt Strößenreuther.

Hobbyflieger Friedrich Merz: Flugplatz als "Perle"

Merz fiel bisher nicht mit grünen Zielen auf. Bisweilen sitzt der Hobbyflieger selbst auf seinen Flügen von Berlin ins heimische Arnsberg im Sauerland am Steuer, lobt dessen Flugplatz als eine "Perle". Umweltschützern ist der geplante Ausbau des Flugplatzes auf Kosten heimischer Tierarten und Wälder ein Dorn im Auge. Merz scheint der Widerspruch nicht zu stören. Auf Instagram zeigt er sich umweltfreundlich, wirbt für den Ausbau der Erneuerbaren.
Friedrich Merz auf Instagram
Strößenreuther ist kein erbitterter Verteidiger der Unions-Klimapolitik:
Ich nehme einfach die Worte von Angela Merkel: Genug war es nicht.
Heinrich Strößenreuther, Gründer der Klimaunion
Doch er blickt nun nach vorn, in Richtung Koalitionsvertrag. Der müsse "1,5-Grad-konform" sein, fordert die Klimaunion. Ob sie sich damit in der eigenen Partei und in möglichen Konstellationen wie mit der FDP durchsetzen kann, ist sehr offen. Für Quaschning steht fest:
Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder machen alle weiter so und verfehlen alle Klimaziele. Oder die Parteien raufen sich zusammen und machen Klimaschutz.
Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin
Energie aus Sonne und Deich statt von Öl und Scheichs? Wie lange Deutschland noch Öl oder Gas zukaufen muss, hängt auch vom neuen Koalitionsvertrag ab.

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