: Wo die kostenlose Kita nicht nur Freunde hat

von Susanne Seidl und Katharina Kersten
18.01.2020 | 15:43 Uhr
Gute Kita? Die SPD feiert die Beitragsfreiheit in Mecklenburg-Vorpommern als Errungenschaft für die soziale Gerechtigkeit. Doch die Neuregelung stößt auch auf Gegenwind.
Seit diesem Jahr sind die Kitas im Nordosten kostenlos.Quelle: dpa
Seit Januar 2020 sind Kita- und Krippenbesuche in Mecklenburg-Vorpommern kostenfrei. Auch für Tagesmütter und -väter sowie für den Schulhort müssen die Eltern seit Beginn des Jahres nichts mehr zahlen. Eine große finanzielle Entlastung, von der 110.000 Kinder und deren Familien im Land profitieren. Durchschnittlich sparen die Eltern nun monatlich
  • 122 Euro für einen Krippenplatz,
  • bis zu 95 Euro für die Kita und
  • 90 Euro für den Hort.
Mecklenburg-Vorpommern übernehme eine Vorreiterrolle bezüglich der Kita-Gebühren, heißt es. Ziel ist es, Berufstätige mit Kindern zu entlasten und so einen gerechteren Zugang zur Bildung zu schaffen. Denn während für Kinder, deren Eltern Hartz IV beziehen, die Kita bereits kostenfrei war, mussten Geringverdiener die Gebühren weiter aufbringen.

Warum die Regelung trotzdem auch Gegner hat

Die neue Regelung kostet das Land rund 145 Millionen Euro jährlich, davon sollen 37 Millionen vom Bund kommen. Denn im Rahmen des "Gute-Kita-Gesetzes" erhält Mecklenburg-Vorpommern für Qualitätsmaßnahmen 106 Millionen Euro bis 2022 vom Staat. Diese steckt das Land komplett in die Finanzierung der Beitragsfreiheit.
Das sorgt für viel positive Resonanz. Gerade Alleinerziehende und Eltern mit geringen Einkommen erleben eine starke finanzielle Entlastung. Auch der gerechtere Bildungszugang wird gelobt.
Doch die Änderung stößt auch auf Unmut. Sowohl die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) als auch Elternräte und Kitas kritisieren, dass auch gutverdienende Eltern von den Gebühren befreit werden und fast gar nichts in die Verbesserung des Personalschlüssels fließt. Mecklenburg-Vorpommern ist diesbezüglich bundesweites Schlusslicht. So muss ein Erzieher hier im Schnitt 13,2 Kindergarten-Kinder beaufsichtigen. Experten empfehlen einen Fachkraft-Kind-Schlüssel von 1:7,5.

Kita-Gebühren in Deutschland - vier Beispiele:

Hamburg

Bisher sind 25 Stunden wöchentlich in Krippe und Kita kostenlos. Wer mehr buchen möchte, zahlt je nach Einkommen drauf, höchstens aber 204 Euro. Der Hort an staatlichen Schulen ist bis 16 Uhr beitragsfrei. In Hinblick auf den Fachkraft-Kind-Schlüssel zeigt sich die Hansestadt als Vorreiter. Die gesamten staatlichen Fördergelder und zusätzliche Landesmittel fließen in die Verstärkung des Personals. 2021 soll ein Betreuer nur noch maximal vier Kinder in der Krippe beaufsichtigen.

Berlin

Sowohl der Besuch der Krippe, der Kita als auch die Betreuung durch Tagesmutter/-vater ist in Berlin schon seit 2018 kostenfrei. Unter Umständen können zwar Beiträge für Extraleistungen wie zusätzliche Sportangebote anfallen. Diese dürfen jedoch einen monatlichen Beitrag von 90 Euro nicht überschreiten. Für Kinder der ersten und zweiten Klasse fallen keine Hortgebühren an. Mit den Bundesmitteln des "Gute-Kita-Gesetzes" möchte Berlin nun finanzielle Anreize für Fachkräfte in sozialen Brennpunkten schaffen. In Berlin betreut ein Erzieher bisher durchschnittlich 8,6 Kinder.

Bayern

Der Freistaat gesteht den Eltern von Kindergarten-Kindern einen monatlichen Beitragszuschuss von 100 Euro zu. Seit Januar 2020 erhalten die Bayern zusätzlich bis zu 100 Euro Krippengeld. Davon profitieren Eltern mit Kindern ab dem zweiten Lebensjahr. Allerdings erfolgt die Zahlung nur bis zu einer Einkommensgrenze von 60.000 Euro. Die Beiträge im Land variieren stark. In München ist der Besuch der städtischen Kita kostenfrei, während die Beiträge in Nürnberg bei bis zu 150 Euro liegen. Für den Hort gib es keine Beitragsentlastung.

Sachsen

Im letzten Kindergartenjahr können die Gemeinden in Sachsen auf die Erhebung eines Elternbeitrages verzichten. Das wird jedoch nur in Chemnitz, Zwickau und Meerane umgesetzt. Auch für den Hort müssen Eltern weiterhin zahlen.  Und im Schnitt kostet hier ein Kita-Platz 120 Euro. Für einen Krippenplatz fallen monatliche Beiträge in Höhe von circa 190 Euro an. Die sächsische Landesregierung investiert den Großteil der Bundesmittel in den Fachkraft-Kind-Schlüssel. In Sachsen muss sich bisher ein Pädagoge um 12,7 Kinder kümmern. Zukünftig sollen den Fachkräften mehr Stunden für mittelbare pädagogische Tätigkeiten zur Verfügung stehen.

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