: Gressel: Sabotageakt nicht unwahrscheinlich

16.08.2022 | 22:23 Uhr
Was steckt hinter den erneuten Explosionen auf der Krim? Militärexperte Gustav Gressel ordnet die Geschehnisse ein - und erklärt welche möglichen Folgen der Angriff haben könnte.

Taktik der Ukraine könnte sein: Das russische Militär im Unklaren lassen, damit mehr Personal gebraucht wird, um die besetzten Gebiete zu schützen, sagt Militärexperte Gressel.

16.08.2022 | 21:55 min
Sehen Sie oben das gesamte Interview im Video oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Auf der Krim ist es erneut zu schweren Explosionen in einem Munitionslager gekommen - zum zweiten Mal innerhalb rund einer Woche. Das russische Verteidigungsministerium spricht von einem "Sabotageakt", die Ukraine von einer "Meisterleistung" der eigenen Streitkräfte.
Militärexperte Gustav Gressel ordnet die Ereignisse ein. Sehen Sie oben das gesamte Interview im Video oder lesen Sie es hier in Auszügen. Das sagt Gressel zu ...

... der Ursache der Krim-Explosionen

Bei dem nun betroffenen Munitionslager handele es sich Berichten zufolge um einen Bahnhof, der kurzfristig umfunktioniert wurde. Ein solches Lager sei viel leichter anzugreifen als eine etablierte Luftwaffenbasis, so der Militärexperte.
Das liege vor allem auch daran, dass die Munition dort oberirdisch gelagert werde - anders als in einer Luftwaffenbasis, wo die Munitionsbunker unterirdisch seien. Auf den Bildern der aktuellen Explosionen sei klar erkennbar, dass es sich um oberirdische Explosionen handele. Dass diese von Partisanen oder Spezialkräften ausgelöst wurden, sei deshalb nicht auszuschließen.

Die Ukraine schweigt zu den Explosionen auf der Halbinsel Krim. Der Kreml spricht von Sabotage. Experten vermuten neue ukrainische Raketensysteme.

16.08.2022 | 02:02 min
Die Hypothese, dass es sich bei den Angriffen um einen Sabotageakt gehandelt hat, hält Gressel für nicht unwahrscheinlich.
Dafür spreche zum Beispiel auch, dass Russland jetzt die Gegend abgeriegelt habe, Leute würden evakuiert und Checkpoints eingerichtet, um Kontrollen durchzuführen. Das sei vor einer Woche bei dem Angriff auf Sarki nicht der Fall gewesen.

... Russlands Reaktion auf ukrainische Angriffe

Es habe schon mehrfach ukrainische Angriffe auf russische Ziele gegeben - zum Beispiel auf einen Luftwaffenstützpunkt, Öllager oder Eisenbahnbrücken. Diese Angriffe seien in russischen Staatsmedien nicht vorgekommen, sagt Gressel.
Es ist natürlich peinlich für Russland.
Gustav Gressel, Militärexperte
Russland brüste sich zwar damit, Fliegerabwehrsysteme zu haben, die Angriffe sicher abschießen können. "Zwischen Können und Tun ist natürlich immer ein Unterschied und dass dieses Delta so groß ist, das ist natürlich jetzt unangenehm", sagt der Militärexperte. Deshalb spreche Russland ungern darüber.

... dem Zustand der russischen Luftabwehr

Die russischen Flugabwehrsysteme hätten einen geringen Automatisierungsgrad und sind schwer zu lesen, erklärt Gressel. Es liege daher vor allem am Bediener, das Radar-Bild zu interpretieren.
Und das ist das Problem: Wenn ich jetzt über 160 Tage im Krieg bin, dann sind die Leute irgendwann nicht mehr so aufmerksam.
Gustav Gressel, Militärexperte
Das gelte vor allem auf der Krim, da es dort monatelang keinen Angriff gegeben habe. Wenn man allerdings kurz nicht aufpasse, sei das Unheil schon angerichtet, sagt Gressel. Das klinge zwar amateurhaft, sei aber auch in anderen Armeen nicht unüblich.

... den möglichen Folgen des Vorfalls

Für die Ukraine seien diese Erfolge wichtig, um die Moral aufzurichten. Denn ihre militärische Lage sei noch immer alles andere als einfach, sagt Gressel. Russland hingegen sei nach solchen Angriffen gezwungen, Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen. Sollte sich bestätigen, dass Partisanen oder Spezialkräfte hinter dem Angriff stecken, müssten russische Munitionsstützpunkte und -verteiler stärker durch Fußtruppen bewacht werden.
Diese Leute können dann natürlich nicht an die Front geworfen werden. Die können weder in Cherson kämpfen, noch im Donbass.
Gustav Gressel, Militärexperte
Das wiederum würde Russlands Angriffsgeschwindigkeit senken. Denn die Armee habe eher ein Problem damit, Personal aufzutreiben, als schwere Waffen und Munition, erklärt der Militärexperte.
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