: "Klartext" mit Laschet: "Nicht mit AfD reden"

von Jens Bednarek
09.09.2021 | 22:13 Uhr
Armin Laschet hat sich zum Auftakt der ZDF-Reihe "Klartext" den Fragen von Bürgerinnen und Bürgern gestellt. Der CDU/CSU-Kanzlerkandidat nahm Stellung zu kontroversen Themen.
Armin Laschet, Kanzlerkandidat der Union, stellt sich den Fragen von Bürgerinnen und Bürgern. Unter anderem zu den Themen Klimawandel, Corona und gesellschaftlicher Zusammenhalt.
Kritische Fragen, aber auch zustimmender Applaus: Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet ist zum Auftakt der ZDF-Reihe "Klartext" in den Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern getreten. Nachfolgend Laschets wichtigste Aussagen...

... zu den schwachen Umfragewerten der Union vor der Bundestagswahl:

"Wir merken, es wird knapp. Ich empfehle, die 17 Tage jetzt noch abzuwarten. Dann können wir am Wahltag sehen, wie es ausgeht." Ein Bürger fragte, warum Laschet nicht CSU-Chef Markus Söder den Vortritt gelassen habe: "Es geht darum, wen die Mehrheit der CDU als Kanzlerkandidaten wollte." Und in dieser Frage hätten sich zwei Drittel der Delegierten für ihn, Laschet, entschieden.

... zum Führungsanspruch der Union nach der Wahl

"Ich würde allen empfehlen, alles zu tun, dass wir auf Platz eins sind", sagte Laschet eindringlich. Er betonte den Führungsanspruch der Union: "Ich will nicht als Juniorpartner in eine andere Koalition gehen." Und er wolle, dass die CDU auch den Bundeskanzler stelle. 

...zum Thema Erneuerbare Energien:

Laschet sagte, in Deutschland sei "parteiübergreifend die falsche Reihenfolge gewählt" worden. Man hätte zunächst aus der Kohleenergie aussteigen sollen, dann erst aus der Kernenergie. Der Ausstieg aus der Kohlekraft bringe soziale Folgen mit sich, vor denen man nicht die Augen verschließen dürfe, etwa Arbeitslosigkeit in der Lausitz oder anderen Kohlerevieren.
Armin Laschets erster Schlagabtausch eben nicht mit der Konkurrenz, sondern direkt mit Wählerinnen und Wählern vor einem Millionenpublikum in der ZDF-Sendung "klartext". Eine Analyse der wichtigsten Momente.
Laschet will dennoch am Kohleausstieg bis zum Jahr 2038 festhalten. "Wenn wir es schneller hinkriegen, gerne auch früher. Aber nicht jedes Jahr die Zahlen ändern, dann geht Vertrauen in die Politik verloren" - für diese Aussage gab es Applaus vom Studiopublikum.

...zum Klimawandel:

Laschet verteidigte das Wahlprogramm der Union: Das Erreichen des Klimaziels des Pariser Abkommens, die Erderwärmung bis 2045 auf 1,5 Grad zu begrenzen, sei mit diesem Programm möglich. Wichtig dabei sei, Wissenschaft und Forschung einzubinden und klimaneutrale Wege der Energieerzeugung vor allem für die Industrie auf den Weg zu bringen.

...zur AfD und dem Vorwurf der Spaltung im Land:

Laschet beantwortete die Frage, ob er eine Koalition mit der AfD ausschließen könne, mit der klarsten Replik des Abends:
Wir werden mit der AfD nicht reden, nicht kooperieren, nicht koalieren, gar nichts. Eine rechtsradikale Partei, die gegen andere Menschen hetzt, hat in deutschen Parlamenten nichts verloren.
Armin Laschet
Sein "politisches Ziel" sei es, "dass sie (die AfD) wieder verschwinden". Ärger über die übrigen politischen Parteien sei legitim, aber man dürfe nicht eine Partei wählen, "die Ressentiments schürt, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, die in Teilen antisemitisch ist". Dafür erntete er den lautesten Applaus des Abends.
Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat im ZDF eine Koalition mit der AfD "klipp und klar" ausgeschlossen. Er wolle eine Spaltung der Gesellschaft durch Zuhören beruhigen.
Ein Fragesteller warf Laschet vor, mit solchen Aussagen die Gesellschaft zu spalten. Laschet gestand ein, dass eine solche Spaltung zu beobachten sei und alles zu tun sei, um die Lager zu versöhnen und zu "beruhigen" - "zum Beispiel, indem man zuhört. Jeder darf in Deutschland alles sagen. Und es wird ja alles gesagt."

...zur Flutkatastrophe im Westen Deutschlands:

Laschet verwies darauf, sich für unbürokratische Soforthilfen in Nordrhein-Westfalen stark gemacht zu haben. "Es wird alles wieder aufgebaut", so der Ministerpräsident, auch wenn zurzeit etwa ein Mangel an Handwerkern herrsche. Dafür brauche man ein entsprechendes Planungsrecht auf Bundesebene.

Das Foto aus dem Ahrtal, dass Laschet lachend bei einem Ortstermin während einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte, bedauerte der CDU-Politiker: "Das ärgert mich, das war dämlich. Irgendjemand hatte eine blöde Bemerkung gemacht."

...zum Einsatz und zur Lage in Afghanistan:

Die Situation nach 20 Jahren und dem Abzug der internationalen Truppen nannte Laschet "das größte Desaster für die Nato, seit es sie gibt". Zwar sei durch den Einsatz erreicht worden, dass von dem Land keine Terrorgefahr ausgeht - eine nachhaltige Änderung der Gesellschaft, etwa hin zu mehr Rechten für Frauen, allerdings nicht.
"Er hat heute Abend nicht jedem nur Recht gegeben und war nur der Kümmerer, der sympathisch rüberkam, sondern er hat offenen Widerspruch artikuliert", sagt Parteiforscher Karl Rudolf Korte zum Auftritt Armin Laschets in der Sendung "klartext".
Zur Frage der afghanischen Ortskräfte sagte der Unions-Kanzlerkandidat, dass "viel zu spät" damit angefangen wurde, die Ortskräfte auszufliegen. Laschet kündigte an, weitere Menschen aus dem Land auszufliegen: "Alle, die eine besondere Gefährdung haben, müssen diese Möglichkeiten haben."
Laschet sprach sich gegen eine diplomatische Anerkennung des Taliban-Regimes aus - mit einer Einschränkung:
Wir werden weiter Druck machen auf die Taliban. Wenn Sie was erreichen wollen, müssen Sie reden, und dieses Reden muss stattfinden.
Armin Laschet

...zur Corona-Pandemie:

Laschet kündigte an, die Forschung nach Medikamenten gegen Long Covid zu unterstützen: "Das ist richtig und wichtig, das sollten wir auch tun." Wenn Medikamente regulär getestet worden seien, müsse eine Zulassung schnell erfolgen.
Der Kanzlerkandidat sprach sich erneut gegen eine Impfpflicht aus. Hauptgrund seien rechtliche Hürden. Auf die Frage warum, erläuterte er: "Weil das grundgesetzlich so einfach nicht möglich ist. Wir haben Versuche gemacht, die Richter haben das dann aber gestoppt."

Warum gibt es die Sendung klartext?

Das ZDF setzt eine Fülle von Formaten zur Bundestagswahl 2021 sowohl im TV als auch im Netz um. Damit leisten wir einen Beitrag zur politischen Meinungsbildung. Bei der Sendung klartext können Wahlberechtigte direkt mit den Kanzlerkandidaten und der Kanzlerkandidatin diskutieren.

Wie werden Bürgerinnen und Bürger im Studio ausgewählt?

Bei der Suche setzen wir in erster Linie auf unsere Online-Aufrufe bei Facebook und Instagram. Zusätzlich nutzen wir bestehende Formate und Plattformen und kontaktieren Zuschauerinnen und Zuschauer, die uns schon auf Aufrufe anderer Sendungen angeschrieben haben, aber nicht berücksichtigt werden konnten.

Wir versuchen, ein breites Spektrum an politischen Themen abzudecken und gleichzeitig so gut wie möglich einen Querschnitt der Bevölkerung abzubilden.

Uns ist es wichtig, im Publikum die Positionen des gesamten im deutschen Bundestag vertretene Parteienspektrums wiederzufinden.

Wo und wann finden die die klartext-Sendungen statt?

Die Sendungen kommen aus Berlin Mitte, unser Studio befindet sich im Gebäude der Telekom. Wir senden jeweils live um 20:15 Uhr, ca. 90 Minuten lang.

Unsere Termine:

  • 09.09.2021: Klartext, Herr Laschet! Das ZDF Wahlforum mit dem Kanzlerkandidaten von CDU/CSU
  • 14.09.2021: Klartext, Herr Scholz! Das ZDF Wahlforum mit dem Kanzlerkandidaten der SPD
  • 16.09.2021: Klartext, Frau Baerbock! Das ZDF Wahlforum mit der Kanzlerkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen
Durch die Sendung führen Bettina Schausten und Peter Frey.

Eine Sendung mit Publikum unter Corona-Bedingungen?

Bei den klartext-Sendungen zur Bundestagswahl 2017 hatten wir 150 Bürger pro Sendung im Studio, das ist diesen September nicht möglich.

Wir sind in enger Absprache mit unserem Hygienebeauftragten und den Behörden der Stadt Berlin und in der Lage kurzfristig zu reagieren. Das heißt auch die Zahl der Gäste im Publikum gegebenenfalls an die Corona-Bestimmungen anzupassen und auch entsprechende Hygienemaßnahmen vorzusehen. Ihre Sicherheit geht vor.

Warum gerade diese Politiker*innen von diesen Parteien?

Das ZDF hat für klartext die drei Kanzlerkandidat*innen für die Bundestagswahl 2021 eingeladen: Armin Laschet von der Christlich Demokratischen Union, Olaf Scholz von den Sozialdemokraten und Annalena Baerbock von Bündnis 90/Die Grünen. Eine oder einer von ihnen wird voraussichtlich unser nächster Kanzler oder unsere nächste Kanzlerin.

Werden auch die anderen Parteien berücksichtigt?

Das ZDF setzt auf das Prinzip der abgestuften Chancengleichheit, das sich bereits bewährt hat. Es bedeutet: Die Parteien und ihre Vertreterinnen und Vertreter werden entsprechend ihrer aktuellen politischen Bedeutung berücksichtigt.

Die Informationssendungen des ZDF berichten im Wahlkampf über alle relevanten Ereignisse, Akteure und Entwicklungen.

Auf allen Ausspielwegen – im TV, Online und auf Social Media – werden die unterschiedlichsten Themen zur Bundestagwahl behandelt, Positionen und Profile der Parteien dargestellt, sowie Zusammenhänge und Hintergründe des politischen und gesellschaftlichen Diskurses analysiert. Ob im Regelprogramm, in Gesprächsformaten, in Reportagen, Dokumentationen, Online oder auf Social Media: Die einzelnen Programme, Sendungen und Formate setzen dabei unterschiedliche Akzente durch eigene Schwerpunkte, Serien und Interviews. Dabei werden selbstverständlich auch Porträts der kleineren Parteien gefertigt.

Findet klartext auch im Netz statt?

Alle drei Sendungen werden in der ZDF-Mediathek zu finden sein, außerdem werden auf ZDFheute und den ZDFheute Social Media Kanälen Clips mit den Highlights der Sendungen zu sehen sein.

Was ist #JetztRedenWir?

#JetztRedenWir ist ein Online-Projekt, das in Synergie mit den klartext-Sendungen entsteht. Damit gibt es klartext nicht nur im TV, sondern auch als Meinungsformat auf den Plattformen der ZDFheute. Eine Reihe von Bürgerinnen und Bürgern, die wir zu klartext nach Berlin einladen, werden im Umfeld der Sendung auch die Gelegenheit erhalten, sich bei #JetztRedenWir mit ihrem Anliegen an die Öffentlichkeit zu wenden.

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