: CDU für Armin Laschet, CSU für Markus Söder

12.04.2021 | 18:09 Uhr
Klares Votum: Laschet (CDU) und Söder (CSU) haben ihre Bereitschaft erklärt, die Union in den Wahlkampf zu führen. Die Präsidien stehen jeweils hinter ihren Kandidaten.
Die CDU-Führungsgremien haben sich hinter Armin Laschet gestellt. Das CSU-Präsidium ist einstimmig für Söder.
CDU-Chef Armin Laschet hat vom Präsidium und Bundesvorstand seiner Partei einhellige Rückendeckung für seine geplante Kanzlerkandidatur bekommen und drängt nun auf eine rasche Klärung der Personalfrage. Das CSU-Präsidium stellt sich derweil hinter Bayerns Ministerpräsident Markus Söder als ihren Kandidaten.
CSU-Generalsekretär Markus Blume sagte nach Beratungen der Parteigremien, Söder habe "einstimmig" Rückendeckung für seine Kanzlerkandidatur erhalten. Es gehe jetzt nicht um schnelle Entscheidungen, es gehe um richtige Entscheidungen, sagte Blume.
Heute ist nicht der Tag der Entscheidung, sondern der Beginn der Beratung.
Markus Blume, CSU-Generalsekretär
"Es gibt eine breite Unterstützung für Armin Laschet als Kanzlerkandidat der Union", sagte zuvor CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak nach den Beratungen in Präsidium und Vorstand bei einer Pressekonferenz in Berlin. Es habe ein klares Votum für Gespräche mit der CSU gegeben, und Laschet habe das Mandat, diese zu führen.
Was die Position der CSU bedeutet und was dahinter steckt, erklärt Jürgen Bollmann aus München.

Laschet will zügig Gespräch mit Söder suchen

"Ich habe mich sehr gefreut über die große Unterstützung im Präsidium und im Bundesvorstand", sagte Laschet bei seiner Pressekonferenz. Es sei kein Beschluss gefällt worden, sondern es sei um ein Meinungsbild gegangen. Er habe mit CSU-Chef Söder dieses Verfahren verabredet und werde "recht bald am heutigen Tag mit ihm das Gespräch suchen", so Laschet.
Er machte allerdings deutlich, dass der Druck in der Union groß sei, recht schnell eine endgültige Entscheidung zu treffen:
Eines war heute in unseren Gremien erkennbar, alle wollen eine schnelle Entscheidung.
Armin Laschet, CDU-Chef
Wie nun die CDU damit umgeht – dazu Theo Koll aus dem Hauptstadtstudio in Berlin.
Zuvor hatte sich das CDU-Präsidium, der engste Führungszirkel um Laschet, im Machtkampf mit CSU-Chef Markus Söder hinter dessen Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur gestellt. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier sagte nach der Sitzung, das CDU-Präsidium habe Laschet ohne Ausnahme unterstützt.

Laschet: "Ich will ein modernes Deutschland"

Laschet skizzierte nach den Vorstandsberatungen Grundlagen seiner politischen Botschaft: "Ich will ein modernes Deutschland", hob er hervor. Dabei gehe es darum, "die Klimaschutzfrage mit wirtschaftlichen Fragen zu verbinden", aber auch um soziale Fragen und darum, "dafür zu kämpfen, dass wir Industrieland bleiben", sagte der CDU-Chef weiter. "Wir wollen ein nachhaltiges Land, aber auch ein vielfältiges Land sein."
Der NRW-Ministerpräsident gibt sich im Unions-Kanzlerduell selbstbewusst. Auch die CDU-Spitze steht hinter ihm. Sein Problem: Umfragewerte. Nur 23 Prozent sehen ihn als Kanzler.
Im Vordergrund stehe aber zunächst der Kampf gegen die Corona-Pandemie, betonte Laschet. Und auch nach der Pandemie werde Deutschland "große Kraftanstrengungen unternehmen müssen, um wieder zu wirtschaftlicher Stärke zurückzufinden".

Söder äußert sich in Pressekonferenz nach CSU-Präsidium

Söder erklärte anschließend in München: "Das sind jetzt keine einfachen Tage, aber es geht um eine entscheidende Weichenstellung." Umfragen seien nicht alles, "aber sie sind ein deutlicher Maßstab", sagt Söder und fügt hinzu:
Wir können uns nicht abkoppeln von einer Mehrheit der Menschen im Land.
Markus Söder, CSU-Chef
Dennoch sprach Söder seinem Konkurrenten Laschet Respekt aus betonte deren freundschaftliches Verhältnis, das ihm wichtig sei: "Uns eint der Wille zur Gemeinsamtkeit."
"Mein Platz ist in Bayern" - den Satz hörte man oft von Markus Söder. Doch der CSU-Chef inszenierte sich in der Corona-Krise als Staatsmann und erntete so bundesweit Zustimmung.

Söder: Für Mitgliederbefragung fehlt die Zeit

Zur Wahl des Unions-Kanzlerkandidaten eine Mitgliederbefragung durchzuführen, sieht Söder keine Möglichkeit. Dafür sei die Zeit zu kurz, sagte er. Es müsse aber in die Bundestagsfraktion hineingehört werden. Dazu sei er bei der Sitzung der Fraktion am Dienstag bereit. Er rechne damit, dass die Entscheidung über den Kanzlerkandidaten der Union im Laufe der Woche fallen werde.
Und aus der Fraktion könnte Söder tatsächlich Schützenhilfe bekommen: Am Abend forderten 70 CDU-Bundestagsabgeordnete in einer gemeinsamen Erklärung, die dem ZDF vorliegt, bei der K-Frage mitzuentscheiden.
Strauß, Stoiber. Und nun Söder? Die drei CSU-Politiker teilen nicht nur den Anfangsbuchstaben, sondern auch den Willen Kanzler zu werden – gegen Kandidaten der CDU. Ein Rückblick.
Eine Hängepartie kann sich die Union angesichts sinkender Umfragewerte nicht leisten. Sie muss schnell und geschlossen Tritt fassen: Denn bis zur Bundestagswahl am 26. September ist es nicht mal mehr ein halbes Jahr, und nach der SPD wollen am Montag kommender Woche auch die ohnehin Umfrage-starken Grünen erstmals eine Kanzlerkandidatur verkünden.
Quelle: dpa, Reuters, AFP, ZDF

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