Interview

: Özdemir: Fleisch soll kein Luxusprodukt sein

14.01.2022 | 10:52 Uhr
Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir (Grüne) spricht im ZDF über die Schwerpunkte seiner Amtszeit und darüber, wie Preise für bessere Lebensmittel trotzdem fair bleiben sollen.
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir im ZDF-Morgenmagazin
Hochwertige und bezahlbare Lebensmittel, ausreichende Einkommen für die Landwirte und eine artgerechte Tierhaltung - diese Ziele will der neue Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) "zusammenbringen". Das sei ein "riesiges gesellschaftliches Ziel", sagte Özdemir am Freitag im Bundestag. "Aber wir haben auch was davon."
Im ZDF sprach Özdemir über seine Pläne und wie er sie realisieren will.

Wie viel zahlen wir künftig für Essen?

Wenn es nach Özdemir geht, muss Schluss sein mit Ramschpreisen für Lebensmittel. Es sei nötig, dass Lebensmittel in Zukunft zu höheren Preisen angeboten würden - dabei aber weiter bezahlbar bleiben.
Der Minister erklärt, bei diesem Punkt grundsätzlich auf breite Zustimmung zu stoßen. Alle wollten Veränderungen und viele Menschen seien bereit, "auch mehr Geld zu bezahlen, wenn am Ende mehr Tierwohl rauskommt". Auf der anderen Seite gebe es aber auch klare Lobby-Interessen.
Der Landwirtschaftsminister erklärt am Beispiel von einem Kilogramm Schweinehack, warum ein Umdenken nötig sei. Der durchschnittliche Verbraucherpreis liege hier bei 6,49 Euro. Der durchschnittliche Discounterpreis bei 4,97 Euro und das aktuelle Angebot bei 3,38 Euro. Solche Preise könnten nur mit großen Fabriken realisiert werden, mit Tierwohl oder Qualität habe das nichts zu tun. Das könne man auch auf anderen Lebensmittel wie Brot übertragen. Das derzeitige System "Wachse oder weiche" sei nicht tragbar, so Özdemir.

Preise für Lebensmittel sollen "sozial gerecht" bleiben

Eine Steigerung der Lebensmittelpreise müsse laut Özdemir "sozial fair" bleiben: "Fleisch soll kein Luxusprodukt sein". Jedoch müsse soziale Gerechtigkeit für den Verbraucher gleichgesetzt werden mit sozialer Gerechtigkeit für Landwirte.
Es sei beispielsweise nicht fair, "wenn Sie von dem Euro, den Sie für Fleisch ausgeben, 22 Cent an Bäuerinnen und Bauern geben". Es gehöre auch dazu, dass Landwirte von ihrer Arbeit leben können, fordert Özdemir. Neben einer größeren Wertschätzung für Landwirte müsse es daher auch um "Wertschöpfung" gehen.
Quelle: ZDF, AFP

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