: Scholz fordert Aufnahme weiterer Geflüchteter

12.09.2020 | 15:37 Uhr
SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat zur Aufnahme weiterer Geflüchteter aus dem abgebrannten Flüchtlingslager Moria aufgerufen. Das gebiete die "humanitäre Vernunft".
Deutschland sollte nach Ansicht von Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) mehr Migranten aus dem zerstörten griechischen Flüchtlingslager Moria aufnehmen als von Innenminister Horst Seehofer (CSU) vorgesehen.
Dass zehn europäische Staaten 400 unbegleitete Minderjährige aufnehmen wollten, könne angesichts der schrecklichen Schicksale nur ein erster Schritt sein, sagte Scholz am Rande eines Treffens der EU-Finanz- und Wirtschaftsminister am Samstag in Berlin.

"Humanitäre Vernunft" gebietet Aufnahme weiterer Migranten

"Das muss mehr werden und ein deutlicher, klarer Schritt sein, den auch Deutschland begleitet mit der eigenen Bereitschaft, in größerem Umfang weitere Flüchtlinge aufzunehmen", so Scholz.
Der SPD-Kanzlerkandidat betonte, es sei gut, wenn andere europäische Staaten auch mitzögen - doch das sei keine Voraussetzung für deutsche Hilfe:
Dass wir auf alle Fälle bereit sind, etwas zu tun, das, glaube ich, gebietet unsere humanitäre Vernunft.
SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz (SPD)

SPD will über Aufnahme weiterer Flüchtlinge sprechen

Seehofer hatte erklärt, Deutschland werde 100 bis 150 unbegleitete minderjährige Migranten aus Moria aufnehmen. Die SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans haben bereits angekündigt, "zeitnah" ein Gespräch in der Koalition zum Thema zu suchen.
Die SPD will dabei über sofortige humanitäre Hilfe vor Ort und die Aufnahme "eines maßgeblichen Anteils" der Menschen in Not sprechen.
Das Lager Moria war in der Nacht zum Mittwoch durch Brände fast vollständig zerstört worden. Statt der vorgesehenen knapp 3.000 Migranten waren dort mehr als 12.000 untergebracht gewesen. Einige von ihnen sollen Feuer gelegt haben, nachdem für die Bewohner des Lagers wegen Corona-Infektionen Quarantäne verordnet worden war.
Thomas von der Osten-Sacken, der für eine Hilfsorganisation arbeitet, zeichnet ein düsteres Bild des Lagers. Corona-Angst sei der "Trigger" gewesen, der in die Katastrophe führte.
Quelle: dpa

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