: Von der Leyen fühlte sich herabgesetzt

26.04.2021 | 23:20 Uhr
Drei Politiker, zwei Stühle, ein Sofa: Der Sofagate-Vorfall in Ankara empört die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Jetzt nahm sie dazu Stellung im EU-Parlament.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sitzt bei einem Türkei-Besuch auf einem Sofa, weil es nur zwei Sessel gibt.Quelle: ZDF
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich durch die Sitzordnung während einer Zusammenkunft von Spitzenpolitikern der EU und der Türkei herabgesetzt gefühlt. Es habe sie verletzt, dass sie in Ankara auf einem Sofa sitzen musste, weil kein Stuhl neben dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für sich bereitstand, erklärte von der Leyen am Montag vor den EU-Abgeordneten.

"Sofagate": Zwei Stühle für drei Politiker

Es gehe nicht um das Protokoll, sondern um die Werte der Europäischen Union. Von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel hatten vor zwei Wochen Erdogan im Präsidentenpalast in Ankara getroffen. Für die drei Politiker standen allerdings nur zwei Stühle vor Flaggen der EU und der Türkei bereit.
Das passt für viele zum Machogehabe Erdoğans: Beim Türkei-Besuch der EU-Delegation von der Leyen und Michel standen zwei Sessel für die Herren bereit.
Die Kommissionschefin blieb stehen, während die Herren sich auf die Stühle setzten, und nahm schließlich auf einem Sofa Platz, mit deutlichem Abstand zu ihren männlichen Kollegen. Sie habe erwartet, in der Türkei wie eine Kommissionspräsidentin behandelt zu werden, aber das sei nicht geschehen, erklärte von der Leyen.
Ich kann in den Europäischen Verträgen keine Erklärung für meine Behandlung finden.
Ursula von der Leyen
"Deshalb muss ich den Schluss ziehen, dass ich so behandelt wurde, weil ich eine Frau bin." Ob wohl das gleiche geschehen wäre, wenn sie einen Anzug und Krawatte getragen hätte, fragte die Kommissionschefin. Der Vorfall zeige, dass es noch ein weiter Weg sei, bis Frauen überall und immer als ebenbürtig behandelt würden.

Ratspräsident Michel entschuldigte sich

Ratspräsident Michel entschuldigte sich am Montag für den Zwischenfall. Er hätte seinen Stuhl anbieten sollen, erklärte er. Er habe aber befürchtet, so einen noch größeren diplomatischen Aufruhr auszulösen, besonders angesichts des schlechten Zustands der Beziehungen zwischen der Türkei und der EU.
Von der Leyen erklärte, sie habe in Ankara die türkische Entscheidung zum Austritt aus der Istanbul-Konvention, die sich den Schutz von Frauen vor Gewalt zum Ziel gesetzt hat, zur Sprache gebracht. "Der Austritt eines der Gründungsmitglieder des Europarats ist ein furchtbares Signal", erklärte die Kommissionspräsidentin.

Von der Leyen: "Das ist inakzeptabel"

Aber auch mehrere EU-Mitglieder hätten die Konvention nicht ratifiziert und andere erwögen sogar einen Ausritt. "Das ist inakzeptabel", so von der Leyen. Sie wünsche sich, dass die EU Mitglied der Konvention werde, erklärte von der Leyen.
Ein solcher Schritt werde allerdings von einigen Mitgliedern blockiert. Bis Ende des Jahres werde die Europäische Kommission daher einen eigenen Entwurf vorlegen, mit dem Frauen und Kinder vor Gewalt geschützt werden sollten.

Mehr zur EU-Politik