Wissenschaftler uneins über Maskenpflicht?

von Oliver Klein
09.08.2020 | 22:40 Uhr
Tino Chrupalla bestreitet, dass es einen wissenschaftlichen Konsens über den Nutzen von Masken gibt. Die Aussage des AfD-Bundessprechers aus dem ZDF-Sommerinterview im Faktencheck.
Streit um Maskenpflicht: "Es gibt sehr wohl andere wissenschaftliche Meinungen, zum Beispiel Professor Bhakdi", erklärt Chrupalla. Was ist dran?
In der Diskussion um die Maskenpflicht bestreitet Tino Chrupalla im ZDF-Sommerinterview, dass es einen wissenschaftlichen Konsens über den Nutzen von Alltagsmasken gibt:
Es gibt sehr wohl andere wissenschaftliche Meinungen, zum Beispiel Professor Bhakdi. (...) Ein einheitliches Bild gibt es meiner Meinung nach nicht, was die Maskenpflicht angeht.
Tino Chrupalla, AfD-Bundessprecher
Ein kanadisches Forscherteam hat rund 200 Studien aus aller Welt zu diesem Thema ausgewertet und diese Metastudie im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht. Ergebnis: Masken können dazu beitragen, die Ansteckungsgefahr deutlich zu reduzieren. Die WHO empfiehlt inzwischen Masken, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, das Robert-Koch-Institut.
Eine aktuelle Studie der Universität Washington kommt zu dem Schluss, dass durch das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit in den USA bis Dezember 70.000 Menschen weniger sterben würden. Eine Studie aus den USA und Kanada, die fast 200 Staaten verglich, stellte fest, dass Länder mit Maskenpflicht signifikant niedrigere Todesraten haben.
Der von Chrupalla erwähnte umstrittende Professor Sucharit Bhakdi sprach sich in der Vergangenheit tatsächlich mehrfach gegen die Maskenpflicht aus. In einem Interview mit dem Südkurier Konstanz sagte Bhakdi: "Die Maske für Nase und Mund ist unnütz", denn Corona sei "nicht besonders gefährlich". Die "Passauer Neue Presse" zitiert Bhakdi im Juli mit der Aussage "die Epidemie ist seit Wochen nicht mehr da. Die Leute werden gezwungen, Masken zu tragen, obwohl das Virus nicht mehr da ist."
Diese Behauptungen belegt Bhakdi nicht und stellt sich gegen den wissenschaftlichen Konsens. Selbst die Mainzer Universität, an der Bhakdi bis 2012 das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene geleitet hat, veröffentlichte kürzlich eine Studie, die die Wirksamkeit von Alltagsmasken gegen die Ausbreitung der Pandemie bestätigt.
Fazit: Es gibt einen weltweiten breiten wissenschaftlichen Konsens, basierend auf über 200 Studien, dass Masken dazu beitragen können, die Ausbreitung von Aerosolen und damit die Ansteckungsgefahr von Covid-19 zu begrenzen.

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