: Merkels US-Reise: Mit schwerem Gepäck

14.07.2021 | 08:48 Uhr
Der Besuch der Kanzlerin in Washington soll den Neustart der Beziehungen nach der desaströsen Ära Trump untermauern. Doch Angela Merkel kommt mit durchaus schwerem Gepäck.
Reist ein letztes Mal nach Washington: Angela MerkelQuelle: dpa
Viel Wehmut wird sich Angela Merkel kaum anmerken lassen, wenn sie in die USA reist und an diesem Donnerstag vom neuen US-Präsidenten Joe Biden empfangen wird. Es dürfte zwar ihr Abschiedsbesuch als Kanzlerin in Washington sein, denn bei der Bundestagswahl Ende September tritt Merkel nicht mehr an.

Viele wichtige Themen auf der Tagesordnung

Doch auf der Tagesordnung stehen zu viele wichtige Themen, als dass sich die für ihre Nüchternheit bekannte Kanzlerin gegen Ende ihrer Amtszeit doch noch so etwas wie Gefühlsduselei erlauben dürfte. Der Blick von Merkel und Biden dürfte nach vorne gerichtet und optimistisch sein, wenn die Kanzlerin zum ersten Mal seit drei Jahren wieder im Weißen Haus empfangen wird.

Angela Merkel und George W. Bush

GEORGE W. BUSH (2001-2009): Von Merkels Treffen mit dem Texaner Bush dürften vielen die Bilder von ihrem Besuch auf dessen Ranch in Crawford 2007 im Gedächtnis geblieben sein.

Quelle: AP

Nach den schwierigen Jahren mit Biden-Vorgänger Donald Trump soll der Besuch einen deutsch-amerikanischen Neuanfang markieren, selbst wenn der Umgang mit manch schwierigem Thema auch mit Biden nicht wirklich leichter geworden ist: etwa der Umgang mit China, der Streit um Zölle oder die Zukunft der Welthandelsorganisation WTO. Und der Streit um die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2.

Transatlantische Gemeinsamkeiten herausstreichen

Es ist auch ein Treffen zwischen alten Bekannten: Merkel und Biden kennen sich gut aus der Zeit des Amerikaners als Vize-Präsident von Trump-Vorgänger Barack Obama zwischen 2009 und 2017. Der erst seit Januar amtierende Präsident und die langjährige Kanzlerin wirkten denn auch schon vor der Reise fest entschlossen, vor allem die neuen alten transatlantischen Gemeinsamkeiten herausstreichen zu wollen.
Um die deutsch-amerikanische Freundschaft stand es schon mal besser...
Der Neustart in den Beziehungen hat längst begonnen. Im vergangenen Monat trafen sich Merkel und Biden beim G7-Gipfel führender westlicher Industrienationen im englischen Cornwall erstmals seit Bidens Amtsantritt persönlich - vorher gab es wegen der Corona-Pandemie nur Telefonate und Videoschalten. Es seien"sehr gute, konstruktive und auch sehr lebendige Diskussionen" gewesen, sagte Merkel im Anschluss. Auch wenn sie Trump nicht namentlich nannte, durfte das als Seitenhieb auf den Ex-Präsidenten und dessen nicht gerade als konstruktiv bekannten Politikstil verstanden werden.
Biden schrieb nach dem Treffen begeistert auf Twitter:
Die Verbindungen zwischen unseren beiden Nationen sind stärker als je zuvor.
Joe Biden, US-Präsident
Der große Bahnhof, den Biden Merkel nun bereitet, zeigt, wie sehr er die Kanzlerin schätzt - und wie wichtig ihm gute Beziehungen zu Deutschland sind.
Nach den üblichen Gesprächen - zuerst im ganz kleinen Kreis, dann gemeinsam mit den Delegationen - und einer Pressekonferenz, richten der Präsident und First Lady Jill Biden im Weißen Haus ein Abendessen zu Ehren der Kanzlerin aus. Auch Merkels Ehemann Joachim Sauer wird teilnehmen.
Ein Treffen Merkels mit Vizepräsidentin Kamala Harris soll ebenfalls geplant sein - offiziell bestätigt wurde dies zunächst nicht.

Bidens Signale der Versöhnung nach Berlin

Schon bald nach seiner Amtseinführung sandte Biden Signale der Versöhnung nach Berlin. So legte er den von Trump angeordneten Abzug von US-Truppen aus Deutschland auf Eis. Er verzichtete auch auf weitgehende Sanktionen gegen die deutsch-russische Ostseepipeline Nord Stream 2. Solche Strafmaßnahmen hätten "die US-Beziehungen mit Deutschland, der EU und anderen europäischen Verbündeten und Partnern" negativ beeinflusst, hieß es zur Begründung.
Quelle: Von Jörg Blank und Can Merey, dpa

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