: Merkel und Macron wollen 400 Kinder aufnehmen

10.09.2020 | 19:03 Uhr
Nach dem Brand in Moria wird diskutiert, wie viele Flüchtlinge Deutschland aufnehmen soll. Kanzlerin Merkel und der französische Präsident Macron wollen 400 in der EU verteilen.
Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron wollen nach dem Großfeuer im griechischen Flüchtlingslager Moria zusammen mit anderen EU-Ländern 400 unbegleitete Minderjährige aufnehmen. "Deutschland und Frankreich werden sich daran beteiligen. Ich hoffe, einige andere Mitgliedsstaaten auch", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Abend.
Deutschland und Frankreich kommen damit nach Angaben von Merkel einer Bitte des griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis nach. "Die Migration, das ist weder ein Problem der Länder, bei denen die Menschen ankommen", sagte Merkel. "Es ist auch nicht alleine ein deutsches Problem", sagte Merkel. Europa müsse "mehr gemeinsame Verantwortung" übernehmen.

Merkel fordert gemeinsame Migrationspolitik in Europa

Deutschland habe sich dieser Verantwortung gestellt, sagte Merkel.
Aber wir können nicht zufrieden sein mit einer europäischen Migrationspolitik. Die gibt es im Grunde heute so nicht.
Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Wenn das so bleibe, sei das eine "schwere Bürde für Europa". "Und deshalb werden wir unsere Ratspräsidentschaft nutzen, um hier Fortschritte zu machen", kündigte die Kanzlerin an.

Laschet für "größere Lösung"

Abgesehen von der Aufnahme minderjähriger Flüchtlinge wolle Deutschland Griechenland dabei helfen, "neue und bessere Unterbringungen für die Menschen dort sicherzustellen". Die Aufnahme weiterer Menschen sagte Merkel nicht zu.
Sie sei dankbar, dass die EU-Kommission am 30. September weitere Vorschläge für ein europäisches Vorgehen unterbreiten werde, sagte die Kanzlerin. Merkel sagte:
Deutschland wird kämpfen, (...) dass wir endlich zu mehr gemeinsamer Verantwortung kommen,
Angela Merkel, Bundeskanzlerin
Diese Haltung verteidigte auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, der sich derzeit um den CDU-Vorsitz bewirbt. Nachdem er tagsüber die Bereitschaft zur Aufnahme von bis zu 1.000 Migranten bekundet hatte, sprach er am Abend von einem Signal an die Bundesregierung und betonte vor allem die Notwendigkeit einer umfassenderen europäischen Lösung. "Hier wird man eine viel größere Lösung brauchen als nur einen deutschen Alleingang", sagte Laschet im ZDF.

Demonstranten fordern Aufnahme von Flüchtlingen

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, sagte dem "Handelsblatt": "Ich bin dafür, dass Deutschland möglichst mit anderen europäischen Ländern 5.000 Flüchtlinge vom griechischen Festland aufnimmt, so dass in der Folge Moria entlastet werden kann."
Die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley (SPD), bezeichnete die Flüchtlingspolitik als "europäische Schande". Viele Staaten seien nicht bereit, Flüchtlinge aufzunehmen, sagte sie im ZDF Morgenmagazin. Zugleich gebe es Kommunen in Deutschland, die bereit zur Aufnahme seien. "Es wäre ja zynisch, darauf nicht zurückzugreifen", so Barley. Trotz dieses Angebots müsse weiter an einer europäischen Lösung gearbeitet werden.
Durch den Brand im Lager Moria, das eigentlich nur auf 2.800 Bewohner ausgelegt war, sind auf einen Schlag mehr als 12.000 Migranten auf Lesbos ohne Bleibe - einem Eiland mit gerade einmal 85.000 Einwohnern. Am Mittwochabend forderten mehrere Tausend Demonstranten in deutschen Städten die Bundesregierung auf, Migranten von dort und von anderen Ägäis-Inseln in der EU und Deutschland aufzunehmen.
Quelle: ZDF, dpa

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