FAQ

: Start der Grundrente für Geringverdiener

30.06.2021 | 16:52 Uhr
Die ersten Bescheide sollen im Juli rausgehen: Nach monatelanger Verzögerung startet die Auszahlung der neuen Grundrente für Geringverdiener. Fragen und Antworten.
Ein Leben lang gearbeitet - trotzdem kaum Rente? Die Grundrente soll helfen.Quelle: dpa
Ab Donnerstag soll es losgehen mit der Auszahlung der Grundrente - mehr als ein halbes Jahr nach ihrer Einführung. Die Große Koalition löst damit ein Versprechen ein, das vor allem der SPD wichtig war: Der Zuschlag soll jenen Rentnerinnen und Rentnern zugute kommen, die trotz langer Beitragsjahre nur geringe Altersbezüge bekommen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil rechnet mit 1,3 Millionen Beziehern - davon 70 Prozent Frauen.

Wer die Grundrente bekommt:

Grundrente sollen Geringverdiener bekommen, die mindestens 33 Jahre Beiträge für Beschäftigung oder selbstständige Tätigkeit gezahlt haben. Erst ab 35 Jahren gibt es den vollen Zuschlag. Berücksichtigt werden dabei auch
  • Beitragszeiten für Kindererziehung und Pflege von Angehörigen,
  • Bezugszeiten von Kranken-, Übergangs- oder Kurzarbeitergeld,
  • rentenversicherungspflichtige Minijobs
  • sowie Wehr- oder Zvildienst, Kriegsdienst oder Zeiten politischer Haft in der DDR.
Zeiten des Bezugs von Arbeitslosengeld werden hingegen nicht berücksichtigt.

Welche Einkommensgrenzen dabei gelten:

Die Grundrente richtet sich an Geringverdiener, aber die Beitragsleistung muss mindestens 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes entsprochen haben. Den vollen Aufschlag erhält zudem nur, wessen Monatseinkommen inklusive sonstiger Einkommen als Rentner bei maximal 1.250 Euro bei Alleinstehenden oder 1.950 Euro bei Eheleuten oder Lebenspartnern gelegen hat.

Darüber liegende Einkommen werden zu 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet. Erst bei mehr als 1.600 Euro beziehungsweise 2.300 Euro wird das Einkommen vollständig angerechnet.

Wie hoch die Grundrente ausfällt:

Die Höhe hängt individuell von den Grundrentenzeiten und der Höhe der versicherungspflichtigen Verdienste ab. Im Durchschnitt liegt der Zuschlag bei 75 Euro, maximal sind es aktuell etwa 418 Euro.

Beispiele für die Grundrente

Angestellte in einem Bekleidungsgeschäft, 40 Jahre beschäftigt, 1.026 Euro Rente: Der Grundrentenzuschlag beträgt 52 Euro. Allerdings werden ihr Einkommen und das ihres Mannes geprüft, die mit zusammen 2.000 Euro um 50 Euro über der Anrechnungsschwelle liegt. Diese 50 Euro werden zu 60 Prozent angerechnet: Um diese 30 Euro wird der Zuschlag gekürzt - es bleibt eine Grundrente von 22 Euro übrig.

Pförtnerin in Ostdeutschland, 35 Jahre beschäftigt, 814 Euro Rente. Sie erhält 102 Euro Zuschlag - und inklusive Grundrente folglich 916 Euro Rente.

Alleinstehende Floristin, 40 Jahre voll gearbeitet, 547 Euro Rente: Sie hat im Durchschnitt etwa 40 Prozent des Durchschnittsverdienstes aller Versicherten verdient. Mit Grundrente kommt sie nun auf 966 Euro.

Das hat es mit dem Freibetrag auf sich:

Wer nach 33 Beitragsjahren trotz der Grundrente immer noch Bezüge unterhalb der staatlichen Grundsicherung hat, soll von einem Freibetrag profitieren, der nicht mit der Grundsicherung verrechnet wird. Er liegt bei 100 Euro plus 30 Prozent des darüberliegenden Einkommens aus der gesetzlichen Rente. Der Freibetrag ist auf 50 Prozent des seit Januar geltenden Hartz-IV-Satzes von 446 Euro begrenzt - also 223 Euro.
Monatelang hatte die Große Koalition um die Grundrente gestritten.

Warum es so lange dauert mit der Auszahlung:

Der Verwaltungsaufwand ist immens. 26 Millionen Renten müssen daraufhin geprüft werden, ob ein Anspruch auf den Zuschlag besteht.

Zunächst bekommen die Neurentnerinnen und -rentner ihre Bescheide, die Prüfungen sollen im Juli geschehen. Anschließend sind die Bestandsrenten dran - im zweiten Halbjahr zunächst die von Menschen mit Grundsicherung, Wohngeld oder anderen Fürsorgeleistungen, sowie die Bezüge der Hochbetagten. Alle anderen folgen bis Ende 2022.

Rentner müssen Grundrente nicht beantragen:

"Es ist kein Antrag erforderlich", erläutert Christoph Schnell, Rechtsexperte der Rentenversicherung. Neurentner sollen in ihren Bescheiden rasch sehen können, ob sie den Zuschlag bekommen. Wer schon Rente bezieht, soll zunächst nur entsprechende Infos erhalten, wenn sie auch Grundrente bekommen.

Da der Anspruch offiziell bereits seit dem 1. Januar 2021 gilt, bekommen die Berechtigten je nach Anspruch zusätzlich das Geld für die ersten sechs Monate rückwirkend.
Detaillierte Informationen zur Grundrente listet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hier auf.
Quelle: AFP, dpa

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