: Und wenn der No-Deal-Brexit wirklich kommt?

von Brigitte Scholtes
26.10.2020 | 10:54 Uhr
In dieser Woche sollte das Handelsabkommen zwischen EU und Großbritannien unter Dach und Fach sein. Wenn es einen No-Deal-Brexit gibt, hätte das Folgen für uns - eine Übersicht.
Eine Frau geht gegenüber der London Bridge mit einem Regenschirm durch Niedelregen.Quelle: AP

Tourismus nach einem No-Deal-Brexit

Grundsätzlich gelten auf der britischen ‎Insel die EU-Regeln zunächst weiter, ‎solange bis Großbritannien sein ‎nationales Recht anpasst. ‎
  • Für die Einreise nach ‎Großbritannien benötigen EU-‎Bürger von Oktober 2021 an ‎jedoch einen Reisepass. Das ‎geht aus einem Modell hervor, ‎das die britische Regierung für ‎die künftigen Abläufe im ‎europäischen Grenzverkehr ‎veröffentlicht hat. Die ‎Begründung: Der ‎Personalausweis sei nicht ‎sicher genug. Ob EU-Bürger ‎künftig bei der Einreise auch ‎ein Visum benötigen, ist noch ‎nicht geklärt. ‎
  • ‎Wird man auf der Reise krank, ‎wird es schwieriger: "Mit der ‎Europäischen ‎Krankenversicherungskarte ‎kommen Sie nicht mehr weit", ‎sagt Linn Selle vom ‎Verbraucherzentrale ‎Bundesverband (VZBV). Bisher ‎kann man in Krankheitsfällen in ‎Großbritannien einen Arzt ‎aufsuchen, die eigene ‎Krankenversicherung kommt ‎dafür auf. Deshalb sollte man ‎künftig eine ‎Reisekrankenversicherung ‎abschließen. ‎
  • ‎Für die Reise selbst gelten die ‎EU-Rechte als Flug- oder ‎Fahrgast wahrscheinlich nur ‎noch auf dem Hinweg. Startet ‎man also in Deutschland mit ‎Verspätung oder der Flug fällt ‎ganz aus, dann hätte man ‎Anspruch auf Entschädigung. ‎‎"Für die Rückreise in die EU ‎könnten diese Rechte bei Nicht-EU-Airlines nicht ‎mehr gelten", sagt Linn Selle. ‎Das komme letztlich auf die ‎Regelungen eines möglichen ‎Austrittsabkommens an.‎
  • Telefonieren, SMS oder im ‎Internet surfen darf seit Mitte ‎‎2017 in der EU nicht teurer sein ‎als daheim. Vom kommenden ‎Jahr an könnten ‎Mobilfunkanbieter für die ‎Handynutzung in ‎Großbritannien Aufpreise ‎verlangen.

‎Shopping nach einem No-Deal-Brexit

Online einkaufen könnte teurer ‎werden, denn auf manche Produkte ‎könnte Zoll fällig werden. ‎Kauft man ein Produkt in einem ‎britischen Onlineshop, dann kann ‎man es innerhalb von zwei Wochen ‎zurückgeben gegen Erstattung des ‎Kaufpreises. "Die ‎Gewährleistungsrechte in ‎Großbritannien sind deutlich besser ‎als in der EU", sagt Hermann-Josef ‎Tenhagen vom Verbraucherportal ‎Finanztip.
Ist das Produkt defekt, kann ‎es innerhalb von zwei Jahren ‎zurückgegeben werden. Das Problem ‎sei der Gerichtsstand, meint ‎Tenhagen. Denn ob man seine Rechte ‎durchsetzen kann, das entscheidet am ‎Ende nicht nur ein EU-Gericht, auch ‎das zuständige britische Gericht muss ‎das Urteil anerkennen.

Medikamentenversorgung ‎nach einem No-Deal-Brexit

"Deutsche Patienten müssen sich ‎keine Sorgen machen", heißt es beim ‎Verband forschender ‎Arzneimittelhersteller. In Deutschland ‎werde es auch im Fall eines ‎ungeregelten Austritts nicht zu ‎Versorgungsproblemen mit ‎Arzneimitteln kommen, denn anders ‎als in Großbritannien müsse nicht das ‎ganze Wirtschafts-, Zoll- und ‎Gesundheitssystem umgestellt ‎werden. Das bestätigt auch das ‎Bundesgesundheitsministerium. ‎
Außerdem dürften Arzneimittel und ‎Medizinprodukte, die vor Ende der ‎Übergangszeit rechtmäßig in Verkehr ‎gebracht worden seien, auch noch ‎nach der Übergangszeit auf den ‎Märkten der EU und Großbritanniens ‎weiter gehandelt werden. Dazu sind, ‎so das ‎Bundesgesundheitsministerium, ‎Produktänderungen oder neue ‎Kennzeichnungen nicht nötig.

Genuss nach einem No-Deal-Brexit‎

Selbst wenn es am Ende des Jahres ‎keine Regelung gibt: Die Liebhaber ‎schottischen Whiskys brauchen sich ‎nicht zu sorgen. Denn nach den ‎Regeln der Welthandelsorganisation ‎wird EU auch beim No-Deal keinen Zoll ‎erheben. Bei Privatimporten darf ‎jedoch die bisher zulässige Menge von ‎‎zehn Litern nicht überschritten werden. ‎Das Stück englischer Schokolade ‎dazu könnte jedoch teurer werden - ‎auf Kakao und Milchprodukte könnte ‎dann Zoll fällig werden. ‎

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