: Kremlsprecher-Sohn will wohl nicht kämpfen

22.09.2022 | 16:33 Uhr
Kreml-Chef Putin rekrutiert immer mehr Leute für den Krieg. Der 32-jährige Sohn des Kremlsprechers verweigert offenbar den Dienst. Das will Nawalnys Team herausgefunden haben.
Der Sohn von Kremlsprecher Dmitri Peskow soll am Telefon offenbart haben, dass er den Kriegsdienst verweigern möchte.Quelle: dpa
Mit einem fingierten Telefonat ist der Sohn von Kremlsprecher Dmitri Peskow nach Angaben des Teams um den inhaftierten Oppositionellen Alexej Nawalny als jemand entlarvt worden, der nicht einberufen werden möchte.
Ein Mitarbeiter von Nawalnys Team gab sich am Telefon als Mitarbeiter eines Moskauer Wehrkreiskommandos aus, das die Einberufung von Reservisten nach der von Kremlchef Wladimir Putin angeordneten Teilmobilmachung durchsetzen soll.

Peskow-Sohn: "Das brauchen weder Sie noch ich"

Er werde sich nicht einfinden und die Frage auf anderer Ebene entscheiden lassen, sagte der 32-jährige Nikolai Choles (Peskow) dem veröffentlichten Telefonmitschnitt zufolge. Demnach sagte er:
Wenn Sie wissen, dass ich Herr Peskow bin, dann sollten Sie verstehen, dass das nicht ganz korrekt ist, dass ich mich dort einfinde. Kurz, ich werde das auf einer anderen Ebene regeln.
Nikolai Choles (Peskow)
Auf die nochmalige Frage, ob er sich doch noch am nächsten Morgen um 10.00 Uhr in der Dienststelle einfinden werde, betonte er: "Glauben Sie mir, das brauchen weder Sie noch ich."

Peskow-Sohn will nicht in die Ukraine

Nawalnys Team wies Erklärungen des Kremlsprechers Peskow zurück, wonach das Telefonat geschnitten worden sei. Es habe sich um ein Live-Telefonat in einer Sendung gehandelt, hieß es.

"Das sind Millionen, die eingezogen werden könnten", so Gwendolyn Sasse, Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien. Eine veränderte Kriegsdynamik erwarte sie aber nicht.

22.09.2022 | 05:28 min
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow nahm seinen Sohn derweil in Schutz. Sein Sohn Nikolai habe ihm von dem Vorfall berichtet, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin am Donnerstag in Moskau. Der vollständige Inhalt des Telefonats zwischen seinem Sohn und dem Blogger sei aber noch nicht veröffentlicht. Der Kreml-Sprecher implizierte damit, dass die Äußerungen seines Sohns aus dem Kontext gerissen worden seien.
Laut dem veröffentlichten Mitschnitt sagte Peskow junior, dass er grundsätzlich bereit sei zur Verteidigung der Heimat. Aber in die Ukraine will er demnach nicht.
Ich habe kein Problem damit, das Vaterland zu verteidigen. Aber ich muss erst einmal verstehen, was in Bezug auf mich machbar ist.
Nikolai Choles (Peskow)

Nawalny beklagt Putins Mobilmachung

Der Anrufer erinnert ihn daran, dass Putin selbst die Mobilmachung für den Krieg in der Ukraine angeordnet habe: "Wenn Wladimir Wladimirowitsch mir sagt, dass ich dorthin gehen soll, dann geh ich dorthin." Daraufhin wird er belehrt, dass Putin nicht jeden der anvisierten 300.000 Reservisten selbst anrufen könne.
Peskows Sohn meint dazu, er sei nicht wie jeder. Der Kremlgegner Nawalny hatte zuvor beklagt, Putin werfe einfache russische Bürger in den "Fleischwolf" des Kriegs, während die Elite unbeschadet bleibe.
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Quelle: dpa, AFP

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