: Polen bestätigt Einschlag russischer Rakete

16.11.2022 | 00:24 Uhr
Bei Explosionen in einem polnischen Dorf sterben zwei Menschen. Warschau bestätigt am späten Abend: Es waren russische Raketen. Die Nato trifft sich am Mittwoch zur Krisensitzung.
Rauch steigt über einem Feld nahe der ukrainischen Grenze empor - haben russische Raketen in Polen eingeschlagen?Quelle: Reuters

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Explosionen in polnischem Dorf nahe Ukraine sterben zwei Menschen.
  • Warschau bestätigt: Es waren Raketen aus russischer Produktion.
  • Polen versetzt Teile seiner Armee in erhöhte Alarmbereitschaft.
  • Nato-Botschafter beraten zu Polen an diesem Mittwoch.
  • Moskau nennt die Berichte eine "bewusste Provokation".
Die polnische Regierung hat den Einschlag einer Rakete aus russischer Produktion auf polnischem Staatsgebiet bestätigt. Beim Einschlag des Geschosses in dem Dorf Przewodow nahe der Grenze zur Ukraine am Dienstagnachmittag seien zwei Menschen getötet worden, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums in der Nacht zum Mittwoch. Der russische Botschafter in Warschau sei einbestellt worden, um "sofort detaillierte Erklärungen" für den Vorfall zu liefern.
"Wir haben keine eindeutigen Beweise dafür, wer die Rakete abgeschossen hat - vermutlich stammt sie aber aus russischer Produktion", erklärte Polens Präsident Andrzej Duda in der Nacht zu Mittwoch. Zuvor hatte Warschau "einige Einheiten" seiner Streitkräfte in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Auch wird nach Angaben von Ministerpräsident Mateusz Morawiecki die Überwachung des Luftraums verstärkt.

Wie reagieren die polnische Regierung und die NATO auf Berichte über Raketeneinschläge in Polen? Dazu die ZDF-Korrespondenten Nathalie Steeger und Florian Neuhann.

16.11.2022 | 04:08 min

Nato-Botschafter beraten am Mittwoch

"Es kam zu einer Explosion, es sind zwei polnische Bürger gestorben", sagte ein polnischer Regierungssprecher nach einer kurzfristig einberufenen Krisensitzung des Nationalen Sicherheitsrates in Warschau.
Es werde geprüft, ob Nato-Artikel 4 in Gang gesetzt werden müsse. Dieser besagt, dass die Nato-Mitglieder einander konsultieren, wenn etwa die Sicherheit eines Mitglieds bedroht ist. Die Nato berief auf dieser Grundlage unterdessen eine Dringlichkeitssitzung auf Ebene der Botschafter für diesen Mittwoch ein, wie eine Sprecherin am späten Dienstagabend mitteilte.
Nach Angaben eines hohen US-Geheimdienstvertreters waren russische Raketen über die Grenze zum Nato-Mitgliedsland Polen geflogen und hatten zu Explosionen geführt.
Polnische Medien berichteten, ein Geschoss sei in einer Getreidetrocknungsanlage in dem Ort Przewodow nahe der ukrainischen Grenze eingeschlagen - es habe sich um zwei verirrte Raketen gehandelt.
Der Vorfall hat sich den Angaben zufolge im Ort Przewodow an der polnisch-ukrainischer Grenze ereignet.Quelle: ZDF
Der Raketeneinschlag wäre der erste derartige Vorfall in dem seit fast neun Monaten dauernden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Polen ist Mitglied der EU und des westlichen Verteidigungsbündnisses Nato.

Moskau nennt Berichte "bewusste Provokationen"

Das Verteidigungsministerium in Moskau bezeichnet die polnischen Angaben als "bewusste Provokationen". Diese hätten das Ziel, die Situation zu eskalieren, zitiert die Nachrichtenagentur Interfax das Ministerium. Es seien keine Angriffe mit russischen Waffen auf Ziele nahe der polnisch-ukrainischen Grenze ausgeführt worden.
ZDF-Korrespondent Neuhann: Reaktionen auf Vorfall

Militärexperte: Russische Raketen "alt und unpräzise"

"Ich denke, dass diese Rakete sich einfach verirrt hat, sie sind alt und unpräzise", sagte der polnische General Roman Polko im Nachrichtensender TVN 24.
Wir wissen nicht, ob vielleicht die ukrainische Flugabwehr die Flugbahn der Rakete verändert hatte.
General Roman Polko
Das entschuldige jedoch keinesfalls die Rolle Russlands, so Polko. Die polnische Regierung und die Verbündeten müssten jetzt alles dafür tun, um die Nato-Ostflanke zu sichern und weitere Tote zu vermeiden.

Nach Berichten über Raketeneinschläge in Polens Grenzgebiet zur Ukraine versetzt Warschau Einheiten seiner Armee in erhöhte Alarmbereitschaft. Die USA und die Nato prüfen die Lage.

16.11.2022 | 02:41 min
Militärexperte Daniel Bockowski von der Universität in Bialystok sagte dem Sender TVPInfo: "Es war eine Frage der Zeit, bis eine der Raketen beim Beschuss der ukrainischen Gebiete auch auf dem polnischen Territorium einschlagen würde." Er weist darauf hin, dass die Russen bereits seit Monaten ukrainische Ziele nahe der polnischen Grenze beschießen.

Nato und Pentagon prüfen Berichte über Raketeneinschlag

Ein Vertreter der Nato erklärte in Brüssel, die Berichte würden geprüft. Es gebe eine enge Abstimmung mit dem Verbündeten Polen. Auch das US-Verteidigungsministerium will die Berichte prüfen. US-Präsident Joe Biden sagte seinem polnischen Amtskollegen Duda die Unterstützung der USA bei der Untersuchung zu. "Präsident Biden bot die volle Unterstützung der USA bei den polnischen Ermittlungen an", teilt das US-Präsidialamt nach einem Telefonat der beiden mit.
Die Bundesregierung werde die Situation "genau beobachten", erklärte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock auf Twitter.
Außenministerin Baerbock auf Twitter
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Quelle: AP, Reuters, ZDF, dpa

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