: Der Druck der russischen Ultranationalisten

von Thomas Dudek
15.10.2022 | 22:44 Uhr
Die aktuellen massiven Raketenangriffe auf die Ukraine werden von der russischen Propaganda gefeiert. Diese sind auch eine Antwort auf die Kritik russischer Ultranationalisten.
Kreml in MoskauQuelle: epa
Aus seiner Kriegsbegeisterung machte Anton Krasowski nie ein Geheimnis. "Wir werden eine militärische Intervention in der Ukraine durchziehen. Es ist unser Land", erklärte der Leiter der russischsprachigen Abteilung der Propagandasenders RT bereits wenige Wochen vor dem russischen Einmarsch in einem Interview.
"Diese Spezialoperation wird nicht enden, bis die Ukraine die Kapitulation unterzeichnet", tönte er wiederum nach dem Kriegsbeginn am 24. Februar. Dementsprechend groß war am vergangenen Montag auch seine Freude über die massiven Raketenangriffe der russischen Armee, die bis heute andauern.

Russische Propaganda feiert Angriffswelle auf Ukraine

Während diese auf ukrainische Städte niederfielen, veröffentlichte er in den sozialen Netzwerken ein Video, auf denen er mit einem Capy mit dem Z-Logo vor Freude tanzt. So verstörend das Video für Außenstehende auch wirken mag, so symbolisiert es die Stimmung, welche die Kreml-nahen Medien seit Montag verbreiten.

Im Süden der Ukraine sind bei einem russischen Raketenangriff auf das Zentrum der Stadt Saporischschja in der Nacht mindestens 17 Menschen getötet worden, darunter ein Kind.

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Die aktuellen Raketenangriffe sind Anlass für begeisterte Beiträge. "Es begann eine neue Phase der Demontage der Ukraine", schrieb beispielsweise ein Kolumnist der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Novosti und scheute sich dabei auch nicht, das Wort "Endsieg" zu benutzen. Die "Komsomoskaja Pravda" jubelte wiederum über "das jüngste Gericht für Kiew" und bezeichnete die Raketenangriffe auch als eine Warnung an die Nato.

Experte: Angriffswelle Zeichen der Stärke nach innen

Doch von solchen Verweisen auf die Nato sollte man sich nicht täuschen lassen. "Die jüngste Angriffswelle ist vor allem ein Zeichen der Stärke nach innen", sagt der Osteuropa- und Russlandforscher Alexander Dubowy gegenüber ZDFheute. "Dabei versucht Russlands Propagandamaschine, die Angriffe als ein Zeichen absoluter Dominanz Russlands und einen gerechten Vergeltungsakt für den 'Anschlag' - wie die Explosionen auf der Krim-Brücke am vergangenen Wochenende offiziell genannt wird - zu deuten."

Die ukrainische Armee hat nach eigenen Angaben 600 Ortschaften zurückerobert. Katrin Eigendorf konnte sich in einer Stadt ein Bild der Schäden machen.

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Mit der Realität dürfte dieses Narrativ der russischen Propaganda jedoch wenig gemein haben. "Die Intensität der Angriffe deutet auf eine längere Vorbereitung hin", sagt Dubowy, der unter anderem am Moskauer Staatlichen Institut für Internationale Beziehungen forschte und lehrte. Die schweren Explosionen an der Brücke über die Straße von Kertsch seien somit lediglich der unmittelbare Anlass für die russischen Angriffe gewesen.
Der eigentliche Grund liegt aber in den militärischen Rückschlägen der russischen Armee, die zu einem Taktikwechsel Russlands führten.
Alexander Dubowy, Osteuropa-Experte

Kritik der russischen Ultranationalisten

Dubowy verweist dabei auf die Erfolge der ukrainischen Armee im Osten und Süden der Ukraine. Es seien Erfolge gewesen, die in Russland nicht ohne Auswirkungen blieben.
Vor allem Ultranationalisten wie Igor Girkin, der unter anderem für den Abschuss der MH17 im Jahr 2014 verantwortlich sein soll, der Milliardär und Gründer der Söldner-Truppe Wagner, Jewgenij Prigoschin, aber auch der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow fielen in den letzten Wochen durch enorme Kritik auf.

ZDFheute live spricht mit ZDF-Reporterin Alica Jung in Kiew, Korrespondent Florian Neuhann und mit Oberst Markus Reisner über die neuesten Entwicklungen im Krieg in der Ukraine.

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"Der radikale Flügel innerhalb der sogenannten 'Partei des Krieges' verlangt nach mehr Einfluss. So berichtete am vergangenen Sonntag der Söldnergruppe Wagner und ihrem Gründer Jewgenij Prigoschin nahestehende Telegram-Kanal Grey Zone über die angebliche baldige Absetzung des jetzigen Verteidigungsministers Sergej Schoigu", erklärt Dubowy.

Hardliner Girkin in russische Armee eingezogen

Doch allein um nicht schwach zu erscheinen, dürfte Wladimir Putin trotz aller militärischen Misserfolge seinen Verteidigungsminister nicht entlassen. Auch wenn er den Ultranationalisten in den vergangenen Monaten beispielsweise durch die posthume Auszeichnung von Darja Dugina entgegenkam. Dugina, Tochter des rechten Ideologen Alexander Dugin, kam am 20. August durch einen mutmaßlich von der Ukraine aus initiiertem Bombenanschlag ums Leben.
Zu spüren bekommen dürfte den innerrussischen Druck nun aber vor allem die Ukraine:
Den Rubikon hin zum systematischen Terror als Kriegsmittel hat Putins Regime endgültig überschritten.
Alexander Dubowy, Osteuropa-Experte
Nicht unberührt bleiben auch die kritischen Hardliner. Wie nun bekannt wurde, ist auch Igor Girkin durch die Teilmobilmachung eingezogen worden. Auf diesen hat die Ukraine wegen des MH17-Abschusses bereits vor Jahren ein Kopfgeld von 10.000 Dollar ausgesetzt.
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