Interview

: Ende des Krieges? "In diesem Jahr nicht mehr"

23.06.2022 | 12:23 Uhr
Laut Ex-Nato-General Egon Ramms könnten nur westliche Waffenlieferungen den Krieg verkürzen. Dies sei unbedingt notwendig, denn Putin "vernichte" das ukrainische Volk.

Ex-Nato-General Ramms sieht in den gelieferten deutschen Panzerhaubitzen eine Verstärkung für die ukrainische Artillerie, um Russland an entscheidenden Stellen zurückzudrängen.

22.06.2022 | 16:34 min
Der ehemalige Nato-General Egon Ramms glaubt nicht an ein zeitnahes Ende des Kriegs in der Ukraine. "Ich gehe davon aus, dass wir ein Ende des Krieges in diesem Jahr nicht mehr erleben werden", sagte Ramms im Interview mit ZDFheute live. Der Krieg dauere mindestens noch ein halbes Jahr oder länger - das hänge von der Unterstützung ab, die der Westen liefere.
Dazu sei die Lieferung von Panzerhaubitzen aus Deutschland ein erster, wichtiger Schritt. Diese befähigten die Ukraine dazu, russische Artillerie zu bekämpfen. "Die Ukraine braucht diese Systeme, einfach um gegen die Russen weiterhin entsprechend kämpfen zu können", so Ramms. Sie brauche sie vor allen Dingen, wenn sie die Absicht habe, Geländegewinne zu erzielen und damit Russland in wichtigen Bereichen zurückzudrängen.
Ich bin davon überzeugt, wenn solche Waffen bereits in größerer Zahl dagewesen wären, sehe die Lage in Lyssytschansk und Sjewjerodonezk anders aus.
Egon Ramms, Nato-General a.D.

Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Selenskyj hat die russische Armee ihre Angriffe in der Ostukraine verschärft. Im Süden wurde eine Produktionsstätte für Öl bombardiert.

23.06.2022 | 00:22 min

Putin dabei Volk der Ukraine "zu vernichten"

Der russische Präsident Wladimir Putin sei gerade dabei "ein Volk zu vernichten". Ein Teil davon seien Deportationen und Trennungen von Eltern und Kindern. "Er will die Ukraine vernichten." Das sei eine Sache, die gerade "wir Deutsche mit unserer Geschichte auf keinen Fall zulassen dürfen".
Die Aussage, dass jede gelieferte Waffe den Krieg verlängere, halte er für "menschenunwürdig".
Jemand der das schreibt und damit im Prinzip Putin seinen Segen gibt, die Ukraine zu erobern, ist mitbeteiligt an der Vernichtung des ukrainischen Volkes.
Egon Ramms, Nato-General a.D.
Es bestehe ein ungeheurer Zeitdruck. Jeder Quadratmeter Boden, der in der Ukraine verloren geht, müsse nach der Leitlinie des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj irgendwann wieder zurückerobert werden, erklärt Ramms. "Und zurückerobern ist dann möglicherweise schwieriger als erfolgreich verteidigen."

Ramms: Nato wird sich verteidigen

Laut seiner Einschätzung sind auch mittlerweile russische Reserven im Militärbereich angegriffen. Er unterstütze die Haltung von CDU-Chef Friedrich Merz, dass da wo der Westen Signale senden würde, sich an einen Verhandlungstisch mit Russland zu setzen, aus Putins Logik heraus Schwäche zeigen würden. "Er wird bereit sein, diese Schwäche jederzeit auszunutzen."
Die weitere Unterstützung der Ukraine sei das stärkste Signal an Putin. Er sei sich sicher, dass Putin keinen Krieg gegen die Nato in Kauf nehmen würde, weil er wisse, dass er diesen Krieg nicht gewinnen könne. "Das Bekenntnis aller Nato-Staaten, Nato-Terroitorien zu verteidigen, steht."
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Quelle: ZDF
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Wie arbeitet das Aktionsbündnis?

Das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe hilft Menschen in der Ukraine und auf der Flucht. Gemeinsam sorgen die Organisationen Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie Katastrophenhilfe und UNICEF Deutschland für Unterkünfte und Waschmöglichkeiten, für Nahrungsmittel, Kleidung, Medikamente und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Auch psychosoziale Hilfe für Kinder und traumatisierte Erwachsene ist ein wichtiger Bestandteil des Hilfsangebots.
Quelle: ZDF

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