: Rechtsextreme in Frankreich auf Platz zwei

20.06.2021 | 21:46 Uhr
Die große Frage bei den französischen Regionalwahlen: Wo landet die Partei von Marine Le Pen? Nach den ersten Hochrechnungen auf Platz zwei.
Marine Le Pen und der lokale Kandidat Steeve BrioisQuelle: Uncredited/AP/dpa
Die rechtsextreme Partei Rassemblement National (RN, früher: Front National) hat in der ersten Runde der französischen Regionalwahlen laut ersten Hochrechnungen schwächer als erwartet abgeschnitten. Die Partei von Marine Le Pen erreichte am Sonntag etwa 19,3 Prozent der Stimmen, wie der französische Sender Franceinfo unter Berufung auf die Hochrechnungen am Abend berichtete. Damit lag sie hinter dem bürgerlich-konservativen Lager, das demnach auf 27,2 Prozent käme, nur auf Platz zwei.
Bei den letzten Regionalwahlen im Dezember 2015 war Le Pens Partei in der ersten Runde als stärkste Kraft auf 27,7 Prozent der Stimmen gekommen. In der zweiten Runde verpassten sie es dennoch, eine der französischen Regionen für sich zu gewinnen.

Präsidentschaftswahlen 2002

Der Gründer der rechtsextremen Front National, Jean-Marie Le Pen, schafft es erstmals in die zweite Runde einer Präsidentschaftswahl. Das Entsetzen in Frankreich ist groß. Auch viele linksgerichtete Wähler geben ihre Stimme bei der Stichwahl dem Konservativen Jacques Chirac, der schließlich mit gut 82 Prozent siegt.

Präsidentschaftswahlen 2012

Inzwischen hat Le Pens älteste Tochter Marine das Ruder bei der Front National übernommen. Sie kommt in der ersten Runde zwar nur auf Platz drei hinter dem Sozialisten François Hollande und Nicolas Sarkozy und scheidet aus. Allerdings erzielt sie mit 6,4 Millionen Stimmen oder rund 18 Prozent das anteilsmäßig beste Ergebnis für die Front National bei einer Präsidentschaftswahl.

Europawahlen 2014

Die Front National wird unter Marine Le Pen erstmals in ihrer Geschichte stärkste Kraft bei einer landesweiten Wahl in Frankreich. Sie kommt auf fast 25 Prozent der Stimmen.

Regionalwahlen 2015

In der ersten Runde erzielt die Front National mit rund 28 Prozent das bisher beste Ergebnis ihrer Geschichte bei einem landesweiten Urnengang. In sechs der 13 französischen Regionen landet die Partei an erster Stelle. Bei der Stichwahl geht sie aber leer aus. Eine "republikanische Front" aus linken und gemäßigten rechten Kräften stemmt sich Le Pen entgegen.

Präsidentschaftswahl 2017

Rund 15 Jahre nach ihrem Vater schafft es auch Marine Le Pen bei einer Präsidentschaftswahl erstmals in die zweite Runde. Dort trifft sie auf den Liberalen Emmanuel Macron. Macron setzt sich mit gut 66 Prozent zwar klar durch, doch die "republikanische Front" bröckelt: Für Le Pen stimmen erstmals 10,6 Millionen Franzosen oder 34 Prozent.

Als Konsequenz benennt Le Pen die Partei 2018 in Rassemblement National (RN, Nationale Sammlungsbewegung) um, gibt ihr einen bürgerlichen Anstrich und drängt ihren mehrfach wegen Hetze verurteilten Vater hinaus.

Europawahlen 2019

Wie schon die FN fünf Jahre zuvor wird Le Pens Rassemblement National stärkste Kraft. Die Partei gewinnt mit gut 23 Prozent der Stimmen, knapp vor Macrons Wahlbündnis.

Quelle: AFP

Macrons Partei schneidet relativ schwach ab

Die traditionelle Volkspartei der Sozialisten und Partner schaffte es den Hochrechnungen zufolge auf rund 18 Prozent der Stimmen. Sie stellen derzeit zusammen mit der bürgerlichen Rechten in den meisten Regionen den Regionalpräsidenten oder die Regionalpräsidentin. Das grüne Lager holte etwa 13 Prozent und lag damit noch vor der Partei von Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron LREM. Zusammen mit im Land teils besser verankerten liberalen Verbündeten kam die Partei auf etwa 11 Prozent und landete damit abgeschlagen auf Platz fünf.
Der Parteichef der konservativen Partei Les Républicains (Die Republikaner) von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, Christian Jacob, attestierte der Präsidentenpartei eine "beispiellose Niederlage". Die Republikaner seien "mit weitem Abstand die Partei mit den meisten Stimmen" geworden, betonte er.

Stimmungstest für Präsidentschaftswahl

Parteien, die über die Zehn-Prozent-Hürde kommen, schaffen es in die zweite Runde der Wahlen, die nächsten Sonntag abgehalten wird. Im Zentrum des Wahlkampfs standen Sicherheitspolitik und die Wirtschaft. Die Abstimmung in mehr als 100 Départements und 13 Regionen von der Bretagne über Burgund bis an die Mittelmeerküste galt aber auch als Test für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr.
Die Wahlbeteiligung war mit weniger als 34 Prozent außergewöhnlich niedrig. Das dürftige Abschneiden von Macrons Partei kam nicht überraschend, da sie in den Regionen noch kaum verankert ist und sein Umgang mit der Corona-Pandemie Frustration hervorgerufen hat.
Quelle: dpa, AP, Reuters

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