: Putin: Wünsche Biden Gesundheit - ohne Ironie

18.03.2021 | 16:14 Uhr
Ob Kreml-Chef Putin ein "Killer" sei? US-Präsident Biden befand: ja. Die ersten Reaktionen aus Moskau waren harsch. Jetzt reagiert Putin selbst.
"Zusammenarbeit mit USA nur unter Bedingungen, die für uns vorteilthaft sind" - Kreml-Chef Putin.Quelle: Reuters
Frostige Töne zwischen Washington und Moskau: Nach scharfen Verbalattacken des neuen US-Präsidenten Joe Biden kontert Kreml-Chef Wladimir Putin, man solle nicht von sich auf andere schließen.
"Wir sehen in einem anderen Menschen immer unsere eigenen Eigenschaften und denken, dass er so sei wie wir selbst", sagte Putin am Donnerstag.  Das sei nicht nur "ein kindischer Ausdruck, ein Scherz. Die Bedeutung ist tief und psychologisch".

Putin verweist auf US-Geschichte

Auslöser der Replik: Biden hatte in einem ABC-Interview die Frage bejaht, ob er Putin für einen "Killer" halte. Er beschrieb den Kreml-Chef als seelenlos. Mit Blick auf mutmaßliche Versuche Russlands, Einfluss auf die US-Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr zu nehmen, sagte Biden, Putin werde dafür "einen Preis bezahlen". Der Kreml bezeichnete die Äußerungen als "sehr schlimm".
Bidens Kommentare spiegelten die eigene problematische Geschichte der USA wider, so Putin in einem Videogespräch mit Bewohnern der annektierten Halbinsel Krim. Konkret erwähnte er Amerikas Geschichte im Umgang mit Ureinwohnern und die Sklaverei: Dieses schmerzvolle Erbe laste auf dem Land. "Wo würde andernfalls die Bewegung Black Lives Matter herkommen", so der Kremlchef.
Der Streit zwischen Russland und den USA verschärft sich, nachdem US-Präsident Joe Biden Staatschef Wladimir Putin als "Killer" bezeichnete. "Biden sieht Putin als Opponenten", so ZDF-Korrespondentin Ines Trams.

Putin wünscht Biden "Gesundheit"

Putin fuhr fort: "Was die Äußerungen meines amerikanischen Kollegen angeht, so sind wir wirklich, wie er sagte, persönlich miteinander bekannt".
Was ich ihm antworten würde? Ich würde ihm sagen: Bleiben Sie gesund! Ich wünsche ihm Gesundheit.
Wladimir Putin, Präsident Russland
Seine Wünsche für Biden seien "ohne Ironie und ohne Scherz", so Putin. Moskau werde sich nicht von Washington einschüchtern lassen. "Wir werden unsere Interessen verteidigen und mit ihnen zu Bedingungen zusammenarbeiten, die für uns vorteilhaft sind."

Russland beordert Botschafter nach Moskau

Sein Sprecher Dmitri Peskow hatte zuvor erklärt, Bidens Kommentare machten deutlich, dass er die diplomatischen Beziehungen nicht normalisieren wolle. Zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren beorderte Russland seinen Botschafter in den USA zurück nach Moskau.
Man nehme die Rückbeorderung zur Kenntnis, teilte das US-Außenministerium mit. Der US-Botschafter in Moskau werde trotz der Krise auf seinem Posten bleiben, um "offene Kommunikationskanäle" aufrechtzuerhalten und "das Risiko von Fehleinschätzungen zwischen unseren Ländern zu reduzieren".
Biden nimmt seit seinem Amtsantritt im Januar eine deutlich härtere Haltung gegenüber Moskau ein als sein Vorgänger Donald Trump, dem eine übergroße Nähe zum Kreml-Chef vorgeworfen wurde.
Quelle: AFP, AP, Reuters, dpa

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