: Selenskyj: Afrika als "Geisel" Russlands

20.06.2022 | 19:20 Uhr
Millionen Tonnen Getreide verharren weiterhin in der Ukraine, besonders Afrika leidet unter der Exportblockade. Präsident Selenskyj spricht von einem "Kolonialkrieg" Russlands.

Als Reaktion auf die mögliche Anerkennung der Ukraine als EU-Beitrittskandidat rechnet Präsident Selenskyj in den kommenden Tagen mit heftigen russischen Angriffen.

20.06.2022 | 01:29 min
Die Verhandlungen zur Aufhebung der Blockade ukrainischer Häfen gestalten sich nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj schwierig. "Wir führen komplexe Verhandlungen auf mehreren Ebenen, um die Blockade unserer ukrainischen Häfen aufzuheben. Aber es gibt noch keine Fortschritte", sagte er in einer Videoansprache bei einem Treffen der Afrikanischen Union (AU) am Montag.
"Es wurde noch kein wirkliches Instrument gefunden, um sicherzustellen, dass Russland (die Häfen) nicht erneut angreift", sagte Selenskyj.

Selenskyj will neue Logistik für Transport nach Afrika

Russland warf er vor, Afrika in dem Konflikt als "Geisel" zu nehmen. "Die weltweite Lebensmittel-Krise wird so lange dauern, wie dieser Kolonialkrieg andauert", sagte der Staatschef. In den ukrainischen Häfen stecken derzeit Millionen Tonnen Getreide fest, die insbesondere für Afrika bestimmt sind.
Wegen der Blockade durch die russische Flotte im Schwarzen Meer können sie nicht exportiert werden. Selenskyj versicherte, die Beseitigung der "drohenden Hungersnot" sei "unsere oberste Mission". Die Ukraine versuche mit ihren Partnern, "eine neue Versorgungslogistik" für Afrika und andere Kontinente aufzubauen.

Russland blockiert derzeit ukrainische Schwarzmeerhäfen. ZDF-Korrespondent Johannes Hano berichtet, welche Unterstützung ukrainische Bauern brauchen und was Deutschland tun kann.

10.06.2022 | 01:17 min
Die internationalen Organisationen seien nicht in der Lage, Russland dahingehend "zu beeinflussen", dass wieder eine internationale Ernährungssicherheit hergestellt werde, fügte er hinzu.

Afrikanische Union: Dialog "dringend notwendig"

Die EU und die UN hatten sich zuletzt für eine Wiederaufnahme der ukrainischen Getreideexporte eingesetzt. Der Vorsitzende der AU-Kommission, Moussa Faki Mahamat, erklärte, die AU habe bei dem Treffen erneut deutlich gemacht, dass ein Dialog "dringend notwendig" sei, um "den Konflikt zu beenden, um eine Rückkehr zu Frieden in der Region und die Wiederherstellung der globalen Stabilität" zu ermöglichen.
Die Hungerkrise in der Welt spitzt sich derweil nach Angaben der Vereinten Nationen dramatisch zu. Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) zählt aktuell 345 Millionen Menschen in 82 Ländern, die akut Hunger leiden. Das sind rund 200 Millionen Menschen mehr als noch vor der Corona-Pandemie und dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine, wie die Organisation am Montag mitteilte.

Baerbock lädt zur Ernährungskonferenz nach Berlin

Die Bundesregierung will auf die Folgen reagieren und hat für Freitag eine Ernährungskonferenz in Berlin angekündigt. Es gehe darum, die Lebesmittelversorgung weltweit zu stabilisieren, so Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne). Die Vertreter einiger Staaten, darunter US-Außenminister Antony Blinken, haben demnach bereits ihre Teilnahme bestätigt.
Tweet des Auswärtigen Amts
Zudem hat die Bundesregierung weitere Hilfen für das Welternährungsprogramm WFP angekündigt. "Deutschland war im vergangenen Jahr mit 1,2 Milliarden Euro der zweitgrößte Geber des WFP", sagte Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) laut ihrem Ministerium bei der WFP-Jahressitzung in Rom am Montag. "Ich arbeite daran, dass wir dieses hohe Niveau auch in diesem Jahr wieder erreichen und möglichst übertreffen."
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Quelle: AFP, dpa

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