: Auf Mission "Kampfjets für die Ukraine"

von Andreas Stamm, London
08.02.2023 | 19:12 Uhr
Der ukrainische Präsident erobert London im Sturm. Das Königreich steht hinter der Ukraine. Schwieriger wird es, wenn es um westliche Jets geht. Da soll Britannien wieder helfen.
Trägt sich in London in das Gästebuch im Speaker's House des Palace of Westminster ein: Wolodymyr SelenskyjQuelle: dpa
Wirklich überraschend ist es nicht, dass Wolodymyr Selenskyjs zweite Auslandsreise seit Kriegsbeginn, nach Washington ihn nun nach London führt. Nach den USA ist Großbritannien größter Unterstützer in Sachen Militärhilfe. Ein Treffen mit Premier Rishi Sunak, eine Audienz mit König Charles. Ein Besuch bei der Ausbildung ukrainischer Truppen. Das volle Programm für einen Kurzbesuch.

Kein Zweifel an engen Beziehungen zwischen Ukraine und Großbritannien

Doch aus welchem Holz der ukrainischer Präsident Selenskyj geschnitzt ist und warum die britische Unterstützung so wichtig ist, zeigt vor allem seine Rede vor beiden Häusern des Parlaments.
Das Böse wird verlieren. Die Freiheit wird triumphieren. Mit Hilfe britischer Führung in der Welt.
Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident
Worte Selenskyjs, die Politiker in London in höchste Entzückung versetzen. Britannien stehe auf der Seite der Freiheit - ein über alle Lager geltendes Selbstverständnis. Es gibt keinen Zweifel an der Unterstützung der Ukraine. An Waffenlieferungen. Keine Richtungsdiskussionen.
Schon mit dem damaligen Premier Boris Johnson wurde das Vereinigte Königreich mit Kriegsbeginn zum lautesten Unterstützer Kiews. Johnson tauchte als einer der ersten westlichen Regierungschefs in der ukrainischen Hauptstadt auf. Seine Botschaft - kein Blatt Papier passe zwischen Königreich und Kiew.
Für das teuflische Spiel Wladimir Putins zahlten wir mit höheren Energiepreisen, die Ukrainer mit ihrem Blut, so Johnson. Präsident Selenskyj nannte ihn kurz vor dessen Rücktritt einen wahren Freund.

Besondere Rollen von Großbritannien bei Waffenlieferungen

Viel Rhetorik steckt dahinter, denn schaut man sich die Zahlen an, ist die Hilfe aus London zwar wichtig, aber nicht kriegsentscheidend. Aber die Politik der alternativlosen Unterstützung der Ukraine, die auch Premier Sunak weiterführt, funktioniere auf zwei Ebenen, erklärt Oberst Harmish de Bretton-Gordon, ehemaliger britischer Panzer-Brigade-Kommandant.
London sei für die Ukraine ein Hebel in der westlichen Welt, wenn es darum gehe, an Waffen zu kommen. Was schon in der Panzerfrage so gespielt worden sei. Da war London mit dem Versprechen, Challenger-2-Panzer zu liefern, vorgeprescht. Damit Deutschland sich endlich bewege.
Natürlich braucht es am Ende vor allem die US-Regierung. Aber auch die haben wie Frankreich und Deutschland heikle innenpolitische Hürden zu überwinden. Das sei in London nicht der Fall. Manchmal, so Oberst de Bretton-Gordon, sei das entscheidender als die direkte britische Hilfe.

Selenskyjs Rolle des Lebens

Selenskyjs Auftritt vor den Parlamentskammern unterstreicht das. Er singt das Hohelied auf britische Ideale und Tugenden. Auf Freiheit und Durchhaltewillen in dunkelster Stunde. Vergisst nicht, seine ganz persönliche Churchill-Anekdote anlässlich eines Vorkriegsbesuchs in den War Rooms des Weltkriegspremiers zum Besten zu geben.
Euer König sei Pilot, erklärt der Präsident, unsere Piloten Könige. Weil es so wenige seien, so wertvoll bei der Verteidigung gegen das Böse. Mit diesen Worten übergibt er dem etwas überrascht wirkenden Gastgeber und Sprecher des Unterhauses einen Helm. Mit der Aufschrift "Wir haben die Freiheit, gebt uns die Flügel, um sie zu verteidigen".
Dem Sprecher des britischen Unterhauses, Sir Lindsay Hoyle, überreichte Selenskyj den Helm eines ukrainischen Kampfpiloten.Quelle: Reuters
Es scheint, dass London wieder helfen soll, störrische Alliierte umzustimmen. Bei der Frage nach Kampfjets für die Ukraine. Mit einem Grinsen bedankt sich Selenskyjs vorab für leistungsstarke englische Flugzeuge.
Und schon kurz vor dem Besuch erklärte Premier Sunak, dass nun begonnen werde, ukrainische Piloten in Großbritannien auszubilden. Damit sie Standard-Nato-Jets fliegen können. Man wolle das Land in die Lage versetzen, "damit es in diesem Jahr einen klaren militärischen Sieg auf dem Schlachtfeld erringen kann".

Erst London, und dann der Westen?

Weiter geht es für Selenskyj nach Paris zu einem Treffen mit Präsident Macron und Kanzler Scholz. Schwierigere Verbündete. Doch zuvor inspiziert der Oberbefehlshaber noch seine Truppen in Ausbildung. 10.000 Mann hat das britische Militär schon fit für die Front gemacht. Erst stand die Defensive im Vordergrund. Danach Offensive. Nun schaut sich Präsident Selenskyj die Ausbildung von Panzereinheiten an. Nochmal 20.000 Soldaten sollen in diesem Jahr im Königreich ausgebildet werden. Darunter auch Piloten.
Zum Abschied gibt es ein weiteres Geschenk von Premier Sunak. Man beginne mit der Suche nach Jets, die nach Kiew geliefert werden könnten. Erst London, und dann die westliche Welt? Es mangelt dem ukrainischen Präsidenten nicht an Überzeugungskraft und Geschick. Ein Eindruck, dem an diesem Tag in London niemand widerspricht.
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