: Will China bewusst provozieren?

von Johannes Hano, New York
06.02.2023 | 08:08 Uhr
Warum schickt China immer wieder Ballons in den US-Luftraum? Und warum schießen die USA zum ersten Mal einen ab?

"Amerika ist nicht mehr dazu bereit, jede chinesische Provokation hinzunehmen", so ZDF-Korrespondent Johannnes Hano zu dem Ballon über den USA.

06.02.2023 | 03:01 min
Es ist auf den ersten Blick eine recht merkwürdige, in Teilen bizarre Geschichte, die sich da in den vergangenen Tagen im nordamerikanischen Luftraum abgespielt hat. Ein riesiger Ballon, mit einer Last von zwei bis drei Bussen, von der US-Luftraumüberwachung kaum zu übersehen, überquert in großer Höhe den Kontinent mit eine Route über US-Luftwaffen- und Atomraketen-Standorte. Tagelang wird er beobachtet.

USA beschuldigen China der Spionage

Die USA sprechen von einem illegalen Eindringen eines chinesischen Spionageballons in den US-Luftraum. China weist zunächst alles zurück, um schließlich von einem vom Kurs abgekommen Wetterballon zu sprechen.
In den USA nutzen radikale Republikaner den Ballon, um sich in Sozialen Medien, mit heldenhaftem Blick gen Himmel und einem Schnellfeuergewehr in der Hand, als patriotische Landesverteidiger zu inszenieren. Das wiederum ruft einen Sheriff aus South Carolina auf den Plan, der die Öffentlichkeit davor warnt zu versuchen, den Ballon mit einem solchen Gewehr abzuschießen. Denn der befände sich unerreichbar in 15 bis 20 Kilometer Höhe. Und was hinaufgeschossen würde, käme auch irgendwo wieder runter - auch die Kugeln.  

"Der Vorfall zeigt vor allem, wie fragil die Beziehung zwischen China und den USA ist", so ZDF-Korrespondentin Miriam Steimer zu dem Abschuss eines Ballons über der USA.

06.02.2023 | 02:41 min

Republikaner beschwören Bidens Schwäche

Innenpolitisch wird der reisende chinesische Ballon für die Republikaner zum Symbol der Schwäche von US-Präsident Joe Biden, weil der sich nicht traue, den Ballon schnell vom Himmel zu holen.
Zu den Merkwürdigkeiten der Ballon-Geschichte aber gehört, dass während der Präsidentschaft von Donald Trump drei solcher Ballons unbehelligt über die USA geflogen sind - ohne Abschussbefehl des damaligen Oberbefehlshabers. Der aktuelle hatte den Befehl schon am vergangenen Mittwoch gegeben. Das Militär aber wollte warten, bis das für die Zivilbevölkerung gefahrlos möglich sei.

Viele Fragen bleiben derzeit unbeantwortet

Wenn man aber mal all die innenpolitischen Spielchen einer fast irrwitzig gespaltenen Gesellschaft außen vor lässt, bleiben doch ein paar sehr ernste Fragen:
  • Warum schickt China wohl regelmäßig für die US-Luftraumüberwachung kaum zu übersehende Ballons über amerikanische Militäreinrichtungen?
  • Warum haben die USA offenbar jahrelang der Verletzung ihres Luftraums durch chinesische "Luftfahrzeuge" zugesehen und geduldet?
  • Warum gibt Präsident Biden ausgerechnet dieses Mal den Abschussbefehl, in einer Zeit, in der sich die Beziehung der beiden Supermächte stetig verschlechtert?
Viele Experten sind sich einig, dass solche Spionageballons eigentlich kaum Sinn machen würden. Dafür könne China auch seine Satelliten nutzen - ganz legal und sicher aus dem All.

China und USA sind auf Konfrontationskurs. Wachsende Spannungen schüren Ängste vor einem neuen Konflikt.

01.02.2022 | 59:26 min

Auch China bleibt Antworten schuldig

China bestreitet sowieso alle Spionageabsichten, bleibt aber bislang jede Antwort schuldig, warum es immer wieder, gegen alle internationalen Abkommen, illegal Ballons in den US-Luftraum schickt. Und so bleibt viel Raum für Spekulationen.
  • Steuert China Ballons über die USA, um zu provozieren und zu testen, wie weit es gehen kann und wo die Schmerzgrenze der aktuellen US-Regierung liegt?
  • Hat Präsident Biden, anders als sein Vorgänger, den Abschussbefehl gegeben, um zu zeigen, dass sich die USA diese Provokationen nicht mehr gefallen lassen und bereit sind für den Konflikt?
Antworten werden wohl erst die nächsten Wochen und Monate bringen. Das US-Militär ist derzeit dabei, die Überreste des Ballons aus dem Meer zu bergen und zu analysieren. Doch egal was dabei herauskommt, eines steht schon jetzt fest: Die Ballon-Krise vom Wochenende wird die sowieso schon angespannten Beziehungen beider Supermächte noch weiter verschlechtern.

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