: Studie: 6.000 ukrainische Kinder verschleppt

15.02.2023 | 07:56 Uhr
Wissenschaftlern der Yale-Universität zufolge soll Russland 6.000 ukrainische Kinder in Umerziehungslager gebracht haben. Die Forscher sehen ein mögliches Kriegsverbrechen.
Satellitenbilder sollen belegen, dass tausende ukrainische Kinder in Umerziehungslager gebracht wurden.Quelle: AP
Russland hat einer US-Studie zufolge mindestens 6.000 ukrainische Kinder in Umerziehungslager gebracht und damit womöglich Kriegsverbrechen begangen. In einem am Dienstag vorgelegten Bericht des Yale Humanitarian Research Lab identifizieren Experten 43 solche Lager in Russland und auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim.
Russland widersprach den Berichten und erklärte: "Russland hat Kinder aufgenommen, die gezwungen waren, mit ihren Familien vor dem Beschuss zu fliehen." Das teilte die russische Botschaft in den USA auf der Nachrichtenplattform Telegram mit. "Wir tun unser Bestes, um Minderjährige in Familien zu belassen und in Fällen der Abwesenheit oder des Todes von Eltern und Verwandten die Waisen unter Vormundschaft zu stellen."

Studie: Russisches Ziel "pro-russische patriotische" Erziehung

In der vom US-Außenministerium finanzierten Studie heißt es hingegen, Kinder schon ab einem Alter von vier Monaten seien seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor knapp einem Jahr in russische Lager gebracht worden.
Ziel sei unter anderem "pro-russische patriotische" und militärartige Erziehung. In einigen Fälle hätten Kinder Schusswaffen-Training erhalten. Es gibt demnach aber keine Hinweise, dass die Kinder in den Krieg geschickt worden seien.

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Quelle: ZDF
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Das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe hilft Menschen in der Ukraine und auf der Flucht. Gemeinsam sorgen die Organisationen Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie Katastrophenhilfe und UNICEF Deutschland für Unterkünfte und Waschmöglichkeiten, für Nahrungsmittel, Kleidung, Medikamente und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Auch psychosoziale Hilfe für Kinder und traumatisierte Erwachsene ist ein wichtiger Bestandteil des Hilfsangebots.

Forscher werfen Russland Kriegsverbrechen vor

Yale-Forscher Nathaniel Raymond sagte, das russische Vorgehen stelle einen "klaren Verstoß" gegen die vierte Genfer Konvention zum Schutz von Zivilisten in Kriegen dar. In manchen Fällen könne es sich um "ein Kriegsverbrechen und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit" handeln.
Raymond verglich das russische Vorgehen mit Entführungen. Die Autoren der Studie fordern einen Zugang unabhängiger Beobachter zu den Lagern und ein Ende russischer Adoptionen von ukrainischen Kindern.

Vergewaltigung, Folter, Tötung von Zivilisten sind schwerste Straftaten, auch im Krieg. Die mutmaßlichen Kriegsverbrechen in der Ukraine können auch bei uns in Deutschland angeklagt werden, in Karlsruhe ermittelt bereits der Generalbundesanwalt.

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Tatsächliche Zahl der Kinder wird höher geschätzt

Die Studie basiert unter anderem auf der Auswertung von Satellitenbildern. Demnach dürfte die tatsächliche Zahl der in Lager gebrachten ukrainischen Kinder "deutlich höher" liegen als die festgestellten mindestens 6.000.
Die Ukraine hatte kürzlich erklärt, mehr als 14.700 Kinder seien aus dem Land nach Russland deportiert worden. Einige seien Opfer von sexuellem Missbrauch geworden. Die russische Armee war am 24. Februar in die Ukraine einmarschiert.
Quelle: AFP, Reuters

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