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Ehemaliger US-Außenminister Colin Powell gestorben

: So brutal gingen die Kapitol-Stürmer vor

27.07.2021 | 21:02 Uhr
Am 6. Januar stürmten Trump-Anhänger das US-Kapitol. Eine Kommission soll die Ereignisse jetzt aufarbeiten. Zum Auftakt beschrieben Polizisten tränenreich ihre Erlebnisse.
Ein Ausschuss des US-Repräsentantenhauses geht den Hintergründen des Sturms auf das Kapitol im Januar nach. Dabei soll auch die Rolle des damalige Präsidenten Trump geklärt werden.
Schläge, Tritte, Todesangst: Bei der ersten Anhörung des Untersuchungsausschusses zum Angriff auf das US-Kapitol am 6. Januar haben mehrere Polizisten eindringlich ihre Erlebnisse jener brutalen Attacke geschildert. Der Beamte Aquilino Gonell sagte, er habe an jenem Tag gedacht, er würde sterben.
So werde ich sterben, bei der Verteidigung dieses Eingangs.
Polizist Aquilino Gonell
Er und seine Kollegen seien geschlagen und getreten, mit Hämmern und Stöcken malträtiert und Chemikalien besprüht worden. Anhänger des damaligen US-Präsidenten Donald Trump hatten den Sitz des US-Kongresses gestürmt, um Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers Joe Biden zu nehmen.
Der Kapitol-Polizist Aquilino Gonell schilderte am Dienstag seine Erlebnisse.Quelle: Andrew Harnik/AP Pool/dpa

Vier Polizisten schildern ihre Erlebnisse

Vor dem Ausschuss des Repräsentantenhauses sagten vier Polizisten aus, die von dem Mob besonders brutal behandelt wurden. Der Polizist Michael Fanone erzählte, er sei geschlagen und als Verräter bezeichnet worden. Die Ärzte hätten ihm später gesagt, dass er einen Herzinfarkt erlitten habe.
Der Polizist Daniel Hodges gab an, dass die Angreifer ihn zwischen Türen gedrückt hätten. Sie hätten ihm mit seiner eigenen Waffe auf den Kopf geschlagen. Der Beamte Harry Dunn wurde nach eigenen Angaben mit einem rassistischen Ausdruck beschimpft, als er Angreifer davon abhalten wollte, in die Kammer des Repräsentantenhauses zu gelangen. Die Polizisten waren bei ihrer Aussage emotional. Manchmal wischten sie sich Tränen weg.
"Der Untersuchungsausschuss verspricht interessante Erkenntnisse. Die Frage ist, inwiefern diese Erkenntnisse auch von den Republikanern anerkannt werden", sagt Nina Niebergall.

Aufarbeitung des Kapitol-Sturms ist hochpolitisch

Die Spannungen zwischen Demokraten und Republikanern sind seit den Unruhen noch gewachsen. Viele Republikaner spielen die Gewalt herunter oder leugnen sie gar und bezeichnen die Ermittlungen unter Führung der Demokraten als politisch motiviert. Die Demokraten wiederum wollen der Öffentlichkeit zeigen, wie brutal der Angriff war und dass Polizisten, die geschworen hatten, das Kapitol zu schützen, von den Aufrührern schwer verletzt wurden.
Bei dieser Untersuchung gibt es keinen Platz für Politik und Parteilichkeit.
Bennie Thompson, Vorsitzender des Gremiums
Polizist Fanone kritisierte republikanische Abgeordnete, die eine Untersuchung behindert hätten. "Ich fühle mich so, als wäre ich in die Hölle und zurück gegangen, um sie und die Menschen in diesem Raum zu beschützen", sagte Fanone. "Die Gleichgültigkeit, die meinen Kollegen entgegengebracht worden ist, ist schändlich."
Der Untersuchungsausschuss soll unter anderem Trumps Rolle bei dem Aufstand und die an dessen Koordinierung beteiligten rechtsgerichteten Gruppen untersuchen. Außerdem sollen Sicherheitslücken beim Schutz des Kapitols thematisiert werden.
Quelle: dpa, AP

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