: Röttgen warnt vor "Desaster" in Afghanistan

08.08.2021 | 17:32 Uhr
Die Taliban sind in Afghanistan weiter auf dem Vormarsch. CDU-Außenpolitiker Röttgen warnt vor den Konsequenzen - und appelliert an die USA.
Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses.Quelle: Kay Nietfeld/dpa/Archivbild
Nach der Eroberung der afghanischen Stadt Kundus durch die militant-islamistischen Taliban hat der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen, vor einem internationalen "Desaster" gewarnt.

Islamisten könnten das gesamte Land erobern

In Afghanistan bestehe nun die Gefahr, dass die Islamisten das ganze Land eroberten, einschließlich der Hauptstadt Kabul, sagte der CDU-Politiker am Sonntag der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Es darf jetzt nicht zugelassen werden, dass sie militärisch einseitig Fakten schaffen.
Norbert Röttgen, CDU
Dann bestünde auch keine Aussicht mehr auf eine politische Lösung.
Röttgen appellierte an die internationale Gemeinschaft, aus Verantwortung für die eigene Sicherheit und die Mehrheit der afghanischen Bevölkerung diese Entwicklung zu stoppen. Dies könne auch eine Beteiligung der Bundeswehr bedeuten.
Die Ergebnisse von 20 Jahren dürften nicht zunichte gemacht werden. "Wenn es also militärische Fähigkeiten der Europäer, auch der Deutschen, gibt, die jetzt benötigt würden, dann sollten wir sie zur Verfügung stellen."
Die islamistischen Taliban haben offenbar die Provinzhauptstadt Kundus in Afghanistan eingenommen. In der Nähe hatte die Bundeswehr lange ein großes Feldlager.

Röttgen appelliert an die USA

Der CDU-Politiker appellierte an die USA, in Afghanistan zu handeln. Wörtlich sagte er: "Der amerikanische Präsident Joe Biden hat es jetzt noch in der Hand, das erste große außenpolitische Desaster, dass aus seiner Fehlentscheidung entstanden ist, ohne Absprache mit den Alliierten den raschen Rückzug der amerikanischen Truppen anzuordnen, in den Griff zu bekommen."
Die USA wollen nach dem aktuellen Zeitplan bis Ende August ihre letzten Truppen aus Afghanistan abziehen.
Quelle: dpa

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